Spaziergänge durch den Wienerwald: Auf den historischen Spuren der Stadt

Detailreiches Lesebuch mit anregenden Wandertipps von Konrad Kramar und Beppo Beyer
Detailreiches Lesebuch mit anregenden Wandertipps von Konrad Kramar und Beppo Beyer - © APA
Viel Wissenswertes über die Region rund um Wien haben Journalist Konrad Kramar und Autor Beppo Beyerl in ihrem reich illustrierten Band “Wienerwald für Entdecker. 15 Spaziergänge auf historischen Spuren” zusammengetragen.

Verschwundene Schlösser, Stätten des Glaubens und des Aberglaubens, Reminiszenzen an skurrile Persönlichkeiten und kuriose Begebenheiten:  Literatur über den Wienerwald gibt es ohnehin zur Genüge – sollte man meinen. Und doch finden sich in diesem dezidiert als “Lesebuch” konzipierten Band unzählige durchaus weniger bekannte Details auch abseits der vertrauten Wege oder zumindest neue oder genauere Perspektiven auf scheinbar Bekanntes.

Spaziergänge durch den Wiener Wald

Die Spaziergänge beginnen bei den Wiener Hausbergen, von denen sich der Leopoldsberg seit Jahren leider als “ewige Baustelle” präsentiert – fürwahr kein Ruhmesblatt. Weiter geht es u.a. über das heute mickrige Agnesbründl, wo im Biedermeier ein hartnäckiger Kult um wahrgesagte Lottozahlen entstand, in die Elsbeerengegend im westlichen Wienerwald, zur KZ-Gedenkstätte in der Hinterbrühl, durchs teils idyllische, teils gespenstische Helenental über Bad Vöslau und Schloss Merkenstein mit seinen geomantischen Rätseln und den Bergpapageien am Haidlhof bis auf den aussichtsreichen Guglzipf nahe der Krupp-Stadt Berndorf.

Längst Vergangenheit sind nostalgische Aufstiegshilfen wie Ruckerlbahn, Zuckerlbahn, Knöpferlbahn. Erinnert wird u.a. auch an die erste elektrische Eisenbahn Österreichs, errichtet 1885, eingestellt 1932. Sie führte auf viereinhalb Kilometer langer Strecke von Mödling in die Brühl, 1915 wurden täglich 45 Züge verzeichnet, heute finden sich keine Spuren mehr von ihr. Geschichte sind mittlerweile das Hotel Kühnel in Rekawinkel, das Gasthaus in der Klause in Mödling, ebendort das Landhaus Föhrenhof, derzeit verwaist ist auch die Rudolf Proksch-Hütte auf dem Pfaffstättner Kogel. Tempus fugit.

Streifzüge durch Wien

Wir erfahren, wo das “Wiener Edelweiß” zu finden ist, woher die Bezeichnung “Parapluie-Berg” stammt und welche Leiden das Matterhörndl lindert. Ebenso, dass der Husarentempel knapp dem Schicksal Mayerlings als Entleibungsort des Kronprinzen Rudolf entging, oder dass Alexander Steinbrecher, Komponist des Lieds vom “Wegerl im Helenental”, Stiefvater sowohl von Regisseur Michael Haneke als auch von Schauspieler Christoph Waltz war.

Inhaltliche wie sprachliche Sorgfalt, mit feinem Humor unterlegt, ermöglichen eine spannende, unterhaltsame und zu eigenen Streifzügen anregende Lektüre. Vollständigkeit ist erst gar nicht angestrebt, wird schon im Vorwort klargestellt: “Die Auswahl unterlag schlicht und einfach dem subjektiven Blick der Autoren.” Das ist auch gut so. Dafür erhält man neben geschichtlichem Hintergrund und Wandervorschlägen auch praktische Tipps, etwa über öffentliche Verkehrsmittel oder kulinarische Optionen.

  • Konrad Kramar, Beppo Beyerl: “Wienerwald für Entdecker. 15 Spaziergänge auf historischem Boden”. Amalthea Signum Verlag, zahlreiche Abbildungen, 224 Seiten, 19,95 Euro

>> Weitere Hintergründe zur Geschichte der Stadt

(APA)

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