Spanien gegen Paraguays Abwehrbeton um Halbfinal-Einzug

Spanien gegen Paraguays Abwehrbeton um Halbfinal-Einzug
Es ist das Viertelfinale mit der eindeutigsten Verteilung der Favoritenrolle. Fußball-Europameister Spanien will sich am Samstagabend (20.30 Uhr/live ORF1) von Paraguay nicht von seinem Kurs in Richtung erstem WM-Titel abbringen lassen.

Das Duell im Ellis Park von Johannesburg ist auch eines zweier verschiedener Spielstile – hier die kreativen Spanier, dort die auf ihre starke Defensive konzentrierten Südamerikaner.

Um den Paraguayer Abwehrbeton zu brechen, setzen die Spanier erneut auf den in Hochform befindlichen David Villa. Der 28-Jährige hat in den vergangenen neun Länderspielen ebenso oft getroffen, mit vier Toren führt er ex aequo die WM-Schützenliste an. “Es wird ein kompliziertes Spiel”, meinte der Neo-Stürmer des FC Barcelona. “Aber wenn wir unser Potenzial abrufen können, sollten wir aufsteigen.” Im Halbfinale würden Deutschland oder Argentinien warten.

Während Villa am linken Flügel glänzt, bleibt Mittelstürmer Fernando Torres das Sorgenkind von Teamchef Vicente del Bosque. “El Nino” wartet noch auf seinen ersten Turniertreffer, läuft nach einer Knieoperation seit Wochen seiner Bestform hinterher. Im Achtelfinale gegen Portugal (1:0) war Torres bereits nach 57 Minuten durch Fernando Llorente ersetzt worden. Zuletzt hatten sich in Spanien sogar die Stimmen gemehrt, die den Bilbao-Stürmer in die Startformation reklamierten.

“Es ist unmöglich, solche Diskussionen in einem Turnier wie diesem zu verhindern”, erklärte Del Bosque. “Aber unser Stürmer im Moment ist Torres. Er hat in allen vier Spielen gespielt, und er wird weiter spielen.” Der Stürmerstar von Liverpool hatte allerdings nicht nur Chancen vergeben, sondern in der quirligen Truppe auch wie ein Fremdkörper gewirkt. Im EM-Finale 2008 in Wien gegen Deutschland hatte Torres noch das Goldtor erzielt.

“Wir haben volles Vertrauen in ihn, wissen aber auch, was Fernando Llorente dem Team geben kann”, betonte Del Bosque – mit seinen 1,95 m Körpergröße nämlich die nötige Durchschlagskraft, sollte mit spielerischen Mitteln gegen Paraguay nichts zu holen sein. Die Südamerikaner haben im laufenden Turnier erst einen Gegentreffer hinnehmen müssen – nach einem Fehler von Keeper Justo Villar im Auftaktspiel gegen Italien (1:1) durch Daniele de Rossi.

Mit Roque Santa Cruz von Manchester City sowie den beiden Dortmund-Angreifern Nelson Valdez und Lucas Barrios verfügen die Paraguayer zwar über eine namhafte Offensive. Die Stürmer sind es aber gewohnt, unter Teamchef Gerardo Martino auch viel Defensivarbeit zu verrichten. “Es wird ein Duell zweier verschiedener Arten, Fußball zu spielen”, meinte Paraguay-Kapitän Villar. “Ihr Zugang ist es, zu kreieren, unserer ist es, sie zu stoppen und unsere Chancen zu nützen.” Es könnte also ein Geduldsspiel werden.

Schon im Achtelfinale gegen Japan hatten die Paraguayer 120 Minuten ein torloses Remis gehalten, ehe sie im Elfmeterschießen den bisher größte Erfolg ihrer Fußball-Geschichte feierten. Der Halbfinal-Einzug wäre eine kleine Sensation, wenngleich auch Spanien als bisher bestes WM-Ergebnis einen vierten Platz von Brasilien 1950 stehen hat. Damals war die Finalrunde allerdings nicht im K.o-Modus, sondern als Vierergruppe ausgetragen worden.

Erstmals sind in allen vier Viertelfinali südamerikanische Teams vertreten. Qualitativ sind die Paraguayer zwar sicher nicht mit Brasilien oder Argentinien zu vergleichen. “Aber wir haben Herz, in diesem Punkt sind wir unerreicht”, versicherte Trainer Martino. Den Argentinier feiern sie im kleinen Nachbarland Paraguay bereits als “Tata” (Vater) des Fußball-Wunders. “Es ist eine einzigartige Chance für uns”, sagte Martinez. “Alle sind sich dieses historischen Moments bewusst. So werden wir auch auftreten.”

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