Sollen wir nur regionale Lebensmittel kaufen? Macht das Sinn?

Tanja Dietrich-Hübner über den Einkauf von Nahrungsmitteln.
Tanja Dietrich-Hübner über den Einkauf von Nahrungsmitteln. - © APA
Nachhaltigkeits-Expertin Tanja Dietrich-Hübner bloggt: Wir Österreicher kaufen sehr gerne regionale Lebensmittel ein. Studien zeigen einen Trend aufwärts, was das Angebot, aber auch die Nachfrage betrifft.

Lebensmittel aus der Region für die Region sind nicht nur umweltfreundlicher, da sie einen geringeren Co2-Fußabdruck erzeugen. Werden sie auch in traditionellen Verfahren hergestellt, können auf diese Weise  altes Wissen und wertvolle Rezepturen erhalten werden. Außerdem unterstützt man mit dem Kauf einheimische Bauern und Produzenten. Dem kann ich nur Positives abgewinnen.

Gleichzeitig lässt sich beim Thema Regionalität eine gewisse Verklärtheit beobachten. Nach dem Motto: Je regionaler desto besser. Zunächst gibt es einen Unterschied zwischen lokalen und regionalen Lebensmitteln. Lokal bedeutet direkt in meiner Umgebung, also zum Beispiel wenn man die Eier direkt vom Bauern nebenan kauft. Den Begriff regional kann man unterschiedlich deuten. Ist eine Region nur das Ausmaß eines Bezirks oder hört die Regionalität erst bei den Bundesländergrenzen auf? In diesem Sinn ist der Tiroler Speck in Wien jedenfalls nicht regional. Und schon gar nicht, wenn das Schweinefleisch nicht einmal aus Tirol oder Österreich stammt.

Je nach Region gibt es wunderbare und unterschiedliche Spezialitäten bei uns, aber damit kann man sich auch nur sehr eingeschränkt versorgen. Reis, Bananen, Kakao würde vom Speiseplan verschwinden. Aber genau diese Fülle wollen die Menschen heutzutage nicht mehr missen. Denn sie gehört zu einer gewissen Lebensqualität. Es gibt immer wieder Leute, die sagen, dass sie sich nur von regionalen Produkten ernähren wollen. Das kann ich mir kaum vorstellen. Denn wie gesagt, man müsste dabei auf sehr vieles verzichten. Erdbeeren oder Kirschen aus Österreich haben nur eine sehr kurze Saison, in manchen Jahren gibt es sogar Ernteausfällen aufgrund der Witterung. Dann kommen nur sehr geringe Mengen zu hohen Preisen auf den Markt kommen. Und im Winter hätten wir generell einen sehr überschaubare Auswahl. Kohl, Kartoffel mit etwas Fleisch würden öfter auf die Teller kommen als uns lieb wäre. Österreich hat eine Vielfalt an regionalen Produkten – aber nicht an 365 Tage im Jahr. Und was ist dabei, wenn wir zu ausländischen Spezialitäten greifen? Französischer Käse, Wein aus Italien, Spanischer Serrano Schinken: Auch diese  Regionen sollen von ihren Spezialitäten profitieren. Und außerdem schmecken sie einfach gut!

Die Verfasserin Tanja Dietrich-Hübner ist Nachhaltigkeitsexpertin bei REWE und bloggt auf der unabhängigen Meinungsplattform fischundfleisch.com, wo man mitreden und eigene Beiträge zu Themen aller Art verfassen kann. vienna online ist Kooperationspartner.

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