So funktioniert der Videobeweis bei der Fußball-WM

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Der Videobeweis soll Fehlentscheidungen entgegenwirken. / Symbolbild
Der Videobeweis soll Fehlentscheidungen entgegenwirken. / Symbolbild - © APA/DPA/ROLF VENNENBERND
Der Videobeweis soll den Schiedsrichtern bei der Fußball-WM die Möglichkeit geben, Fehlentscheidungen wie Tore, Elfmeter, Rote Karten und Verwechslungen korrigieren zu können.

Die FIFA hat den Einsatz auf vier Situationen beschränkt: Tore, Elfmeter, Rote Karten und Spielerverwechslungen bei Gelben/Roten Karten. Fällt ein Tor, gibt es den Verdacht auf Foul im Strafraum, hat der Schiedsrichter eine Tätlichkeit übersehen, wird das still und heimlich vom Video-Assistent kontrolliert (“check”). Abseits-Stellungen hingegen interessieren ihn nur im Zusammenhang mit den genannten Situationen. Und nur wenn der Verdacht auf eine klare Fehlentscheidung besteht, teilt er das dem Chef-Schiedsrichter mit.

Für die Kommunikation zwischen Referee und Video-Assistent braucht es grundsätzlich eine Spielunterbrechung. Gibt es die nicht sowieso, müsste der Schiedsrichter das Spiel stoppen. Danach entscheidet er, ob er eine offizielle Überprüfung (“review”) zulässt oder sich bei seiner Entscheidung sicher ist. Wenn er sie zulässt, zeigt er das an, indem er mit den Händen ein Rechteck signalisiert.

“Meinungen” und “Tatsachen” mit Videobeweis absichern

Der Video-Assistent überprüft jetzt alle ihm zur Verfügung stehenden Aufnahmen und teilt dem Schiedsrichter seine Empfehlung mit. Der Schiedsrichter kann das befolgen oder nicht, sich die betreffende Szene aber auch selbst anschauen (“on-field review”). Dazu gibt es klare Richtlinien: Wenn eine Entscheidung subjektiv ist, etwa ob ein Foul eine Rote Karte nach sich ziehen sollte, sollen die Schiedsrichter zum Monitor gehen. Bei “Tatsachen” wie der Frage, ob ein Foul im Strafraum oder außerhalb war, sollen die Schiedsrichter dem Video-Assistent vertrauen.

Seine endgültige Entscheidung teilt der Schiedsrichter per Handzeichen mit. Er kann dabei dem Rat des Video-Assistent folgen oder nicht, er hat immer die Entscheidungskompetenz. Der Schiedsrichter kann den Review-Prozess auch selbst starten, wenn er sich bei einer Entscheidung unsicher ist, und den VAR informieren, dass er eine Überprüfung möchte. Dafür darf er das Spiel unterbrechen – allerdings nicht, wenn sich eine Mannschaft in einer guten Angriffsposition befindet.

Videobeweis für Vorgeschichte

Bei Toren, Elfmeter-Verdacht und Roten Karten wegen Verhinderns einer klaren Torchance ist nicht nur das Ereignis selbst, sondern die Entstehungsgeschichte relevant. Laut Regelwerk muss die Angriffsphase (“attacking phase of play”), und zwar ab dem Moment, in dem der entscheidende Vorstoß Richtung Strafraum initiiert wurde, überprüft werden. Bei heiklen Szenen kann jedweder Regelverstoß in der Entstehung entscheidend sein: ein anderes Foul, eine Abseitsstellung, ein Hands, ein sich kurz außerhalb des Spielfelds bewegender Ball.

Das führt manchmal zu harten Entscheidungen. So kann ein korrekt gegebener Elfmeter revidiert werden, weil einige Sekunden vorher an der Mittellinie ein Foul stattgefunden hat. Ein reguläres Tor kann zurückgenommen werden, wenn es einem Konter nach einem auf der Gegenseite nicht gepfiffenen Elfer entsprungen ist.

Bei einem Vorfall nach einem ruhendem Ball ist dagegen klar geregelt, dass das Geschehen davor nicht mehr untersucht wird. Der inkorrekt gegebene Eckball im Europa-League-Semifinale Salzburg gegen Olympique Marseille, der zum entscheidenden Treffer für Marseille führte, wäre also auch mit Videobeweis nicht angreifbar gewesen.

APA/red

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