Skopjes Architektur im Ringturm

Wie viele Städte des Ostens, ist Mazedoniens Hauptstadt Skopje eine Metropole der Brüche, in der sich verschiedene Zeiten und Stile überlagern und konterkarieren. Diesen verschiedenen Epochen, die die heute gut eine halbe Million Einwohner zählende Balkanstadt durchlaufen hat, widmet sich ab Donnerstag die neue Ausgabe der Wiener Ausstellungsreihe “Architektur im Ringturm”.

Am Beginn der architektonischen Erzählung steht der Transformationsprozess nach dem Ende des osmanischen Reiches, bei dem Skopje zur europäischen Stadt mutiert wurde. Eine neue Stadtachse, Boulevards und Plätze wurden geschaffen, an die sich die Gebäude im Wechselspiel aus späteklektischer Stile und einer frühen Moderne schmiegten.

Den nächsten großen Modernisierungsschub erlebte die Stadt am Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege dann als Teil Jugoslawiens, als die Moderne zum Symbol für die gewonnene Eigenständigkeit und kulturelle Vorreiterrolle des jungen Staates im kommunistischen Kontext verstanden wurde. Unter dem Einfluss von Vordenkern wie Le Corbusier entstanden nach dem Krieg sozialistische, ornamentfreie Großbauten wie das Kaufhaus Nama oder die Arbeiterhalle.

Unterbrochen wurde diese Entwicklung durch ein einschneidendes Datum: den 26. Juli 1963. Bei einem gewaltigen Erdbeben wurde beinahe 80 Prozent der Bausubstanz zerstört. Es folgte ungeachtet aller Monumentalpläne ein Stilpluralismus verschiedener Architektursprachen. Dieser wurde wiederum nach der Unabhängigkeit Mazedoniens durch eine Phase der Renationalisierung abgelöst. Mit pseudohistorischen Bauten und narrativ-historischen Denkmälern wird seither versucht, Skopje zur Nationalhauptstadt der jungen Republik zu machen. Die Erzählung der Geschichte der Region in Architektur scheint noch nicht an ihr Ende gekommen.

(S E R V I C E – Ausstellung “Skopje – Architektur im mazedonischen Kontext” von 12. Oktober bis 17. November im Ringturm Schottenring 30, 1010 Wien. Geöffnet bei freiem Eintritt Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr.)

(APA)

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