Ski-WM: Die Tops und Flops von St. Moritz 2017

Der letzte WM-Tag sorgte noch einmal für österreichischen Jubel.
Der letzte WM-Tag sorgte noch einmal für österreichischen Jubel. - © APA

Sieg und Niederlage liegen selten so nah beieinander, wie bei einem sportlichen Großereignis. So sorgte auch die Alpine-Ski-WM in St. Moritz sowohl für Freudentaumel als auch für Enttäuschungen.

DIE TOPS:

WM-Stimmung, Zuschauer, Volunteers: Die WM-Organisatoren hatten sich gut vorbereitet. Die Unterhaltung für die Fans im Zielstadion war spitze, die Stimmung auch deshalb ausgezeichnet. Die 1.350 freiwilligen Helfer von “Voluntari Engiadina” waren freundlich und hilfsbereit. An die 150.000 Zuschauer kamen. Das großteils Schweizer Publikum feuerte die Heimischen zwar fanatisch an, bleib aber stets fair und jubelte praktisch allen Teilnehmern zu.

Wetter: Obwohl ausgerechnet in der ersten Woche mit den vielen Speed-Bewerben der Schneefall und die berüchtigte Maloja-Schlange (siehe unten) lästig waren, ging das WM-Programm dank beider an einem Tag ausgetragenen Abfahrten so über die Bühne, dass der Reservetag zum freien Tag wurde. Vor allem in der zweiten WM-Woche war die berühmte Sankt-Moritz-Sonne Dauergast, das Oberengadin präsentierte sich mehrheitlich mit Postkarten-Wetter. Sonnenschirme für die Fahrer am Start sieht man sonst nur im Motorsport.

Steinbock Moritz: Das herzige WM-Maskottchen war dank seiner mitreißenden Auftritte ein Publikumsliebling. In den Verkleidungen steckten zwei kanadische Maskottchen-Profis, die sich nach längstens 40 Minuten abwechselten mussten, weil es sonst im Fell zu heiß geworden wäre. Moritz hatte die Schweiz schon während des ganzen Winters für die WM aufgewärmt, in St. Moritz selbst feierte er Gewinner, tröstete Verlierer und unterhielt die Fans.

ÖSV-Damen: Mit nur vier Podestplätzen sowie einem Weltcupsieg angereist, stellten die jungen ÖSV-Damen mit drei Medaillen in den ersten drei Rennen die Saison auf den Kopf. Erstmals waren vom ÖSV mehr (14) Damen als Herren (13) nominiert worden, bis auf die verletzte Mirjam Puchner bekamen alle auch einen WM-Einsatz.

Marcel Hirscher, Mikaela Shiffrin, Wendy Holdener, Tessa Worley: Mit Gold in Slalom und Riesentorlauf als erster “Technik-Doppelsieger” seit 1996 sowie Kombi-Silber mit nur einer Hundertstel Rückstand war Marcel Hirscher der Mister-Ski-WM-2017. Seine Atomic-Markenkollegin Mikaela Shiffrin schaffte wie Lokalmatadorin Wendy Holdener Gold und Silber, die Schweizerin wurde sofort zu Wendy “Goldener” umgetauft. Tessa Worley gewann durch den Sieg im Teambewerb mit Frankreich als einzige Frau zwei Goldmedaillen.

ÖSV-Team: Mit neun Medaillen und drei Goldenen überholte Österreich im letzten Rennen dank Marcel Hirschers Slalomsieg noch Gastgeber Schweiz und gewann wie zwei Jahre davor in Vail/Beaver Creek die Medaillen-Wertung. Neben den “Goldkindern” Hirscher und Schmidhofer holten Manuel Feller (Slalom), Roland Leitinger (RTL) und Stephanie Venier (Abfahrt) Silber, Bronze durften sich Max Franz (Abfahrt) und Michaela Kirchgasser (Kombination) umhängen lassen.

DIE FLOPS:

Schweizer Luftwaffe: Das PC-7-Team der Schweizer Luftwaffe verursachte beinahe ein Riesenunglück. Eine der neun Maschinen flog zu tief über den Zielraum, touchierte das über die Rennstrecke gespannte Zugseil der Seilkamera und riss es ab. Die Kamera schlug im leeren Zielstadion auf, das Seil wurde auf jenes der Seilbahn Salastrains geschleudert. In den Kabinen saßen auf dem Weg zur Besichtigung des zweiten RTL-Laufes die Rennläufer, unter ihnen auch der spätere Sieger Marcel Hirscher. Verletzt wurde niemand. Die Kantonspolizei übernahm die Spurensicherung, die Militärjustiz die Untersuchungen. Die Flugstaffel flog am Wochenende in St. Moritz keine Einsätze mehr.

Stürze: Vor allem von Läufern aus Ländern ohne große Alpinski-Tradition hat es bei der WM zahlreiche Stürze mit teilweise schweren Verletzungen gegeben. FIS-Präsident Gian Franco Kasper kann sich deshalb für die Zukunft eine Qualifikation für WM-Abfahrten vorstellen. Erwischt hat es mit Mirjam Puchner aber auch eine Österreicherin, sie erlitt im Abfahrtstraining nach einem Sprung einen Schien- und Wadenbeinbruch. Und mit Lara Gut fiel auch der Topstar der Schweizer aus – beim Einfahren für den Kombislalom zerstörte sich die Tessinerin das Knie.

Malojaschlange: Ausgerechnet am Tag der Herren-Abfahrt kroch die Malojaschlange über die Corviglia, das Rennen musste abgesagt werden. Das “Reptil” bildet sich, wenn sich vor Maloja aufsteigende, feuchte Luft aus dem Bergell in Wolken oder Nebel verwandelt. Trotz an sich traumhaft schönem Wetter war an eine Abfahrt nicht zu denken, fast 40.000 Zuschauer pilgerten enttäuscht wieder vom Berg herunter. Die Abfahrt fand tags darauf auf verkürzter Strecke und ohne Startstück “Freier Fall” statt. Das war ein großer Wermutstropfen der an sich toll verlaufenen und spannenden Rennen.

Teambewerb: Der Bewerb an sich war ein Publikumshit. Für Österreich wurde er aber zum Flop. Nach Auftaktsieg über Belgien kam im Viertelfinale das Aus gegen Schweden, es wurde nur Rang fünf. Über Marcel Hirscher brach nach seiner Duell-Niederlage gegen den Belgier Dries van den Broecke mediale Kritik und Hohn in Online-Foren herein. Weltmeister wurde Frankreich. Für Alexis Pinturault war das aber nur ein kleiner Trost, kam er als Topfavorit im Riesentorlauf doch nur auf Platz sieben und als Topfavorit in der Kombination auf zehn. Im Slalom schied er im ersten Durchgang aus.

Henrik Kristoffersen: Der Norweger wurde von vielen als Topfavorit für den Slalom gehandelt – nach fünf Siegen im Weltcup heuer wenig verwunderlich. Dazu zählte er im Riesentorlauf zum Kreis der Medaillenanwärter. Am Ende musste sich der 22-Jährige mit zwei vierten Plätzen in diesen Bewerben zufriedengeben. Im Slalom kam er im ersten Durchgang vor allem im unteren Teil mit dem von Christian Mitter, dem steirischen Cheftrainer der Norweger, recht direkt gesetzten Kurs nicht so gut zu recht.

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