Skero meldet sich mit zweitem Album “Der Riese im Glashaus” zurück

Im Interview spricht Skero über sein neues Album.
Im Interview spricht Skero über sein neues Album. - © APA
Für fünf Jahren gelang Skero mit seinem Song “Kabinenparty” der große Durchbruch. Jetzt veröffentlicht der Künstler mit “Der Riese im Glashaus” sein zweites Album.

Dem Musiker ist in jedem Fall eine stimmige und sehr opulente Platte geglückt: 20 Songs plus ein Skit erstrecken sich auf mehr als 70 Minuten, umspannen gleichermaßen nachdenkliche wie humoristische Momente und liefern aus musikalischer Perspektive eine enorme Bandbreite. “Die Reihenfolge ist wichtig, wie man diesen ganzen Wahnsinn ordnet”, schmunzelte Skero im APA-Gespräch. “Es muss insgesamt ein stimmiges Ding sein, bei dem die Spannung aufrecht bleibt. Auch wenn ich glaube, dass die meisten Leute nicht alle 20 Tracks am Stück anhören können.”

Skero über sein neues Album “Der Riese im Glashaus”

Aktuelle Trends zu kurzen Alben kann der Rapper jedenfalls nicht nachvollziehen. “Vielleicht habe ich es etwas übertrieben, aber das war Absicht. Ich hatte genug Nummern und wollte die gesamte Spiellänge einer CD ausnutzen.” Darauf begegnet der Hörer nicht nur klassischen Raps und Beats, sondern auch Reggae-Einflüssen (“Hudeln”), viel Soul und Funk (u.a. “Dekadance”) und einem wunderbar morbiden Bild von Wien (“Wien Suezied”). Inhaltlich hat sozusagen alles Platz. “Ich hatte das Gefühl: Das muss ich alles erzählen, sonst bin ich nicht fertig”, lachte Skero.

Kritik an die Welt

Wobei er nach den eher persönlich gefärbten “Memoiren eines Riesen” (2009) nun durchaus gesellschaftspolitisch zur Sache geht. “Das Glashaus steht für mich auch für Europa, unsere Insel der Seligen, auf der wir leben. Von der aus bringe ich meine Kritik an der Welt an. Ich werfe also mit Steinen im Glashaus.” Während im Gangsta-Rap gerne so getan werde, “als wären wir alle im Getto”, habe Skero bei Reisen in Afrika wirkliche Armut gesehen. “Das ist etwas ganz anderes! Es gibt viel Drama auf diesem Planeten und das wird auf diesem Album auch thematisiert.”

Dementsprechend könnte man “Der Riese im Glashaus” auch als “ein Battle-Rap-Album gegen die Welt da draußen” betrachten. Der mitunter lächerlich anmutende Vergleich mit anderen MCs reize Skero überhaupt nicht, sei er doch nicht mehr “in diesem pubertären Alter, wo man sich gegenseitig ausgreift. Ich hab andere Sachen, die mir am Arsch gehen. Rap ist für mich Aggressionsbewältigung. Es geht um Wut, die man artikuliert.” Gleichzeitig wolle er mit Musik aber auch Hoffnung spenden. “Man kann sich dabei solidarisch fühlen untereinander, etwa bei einem Konzert. Das ist eine der größten Kräfte der Musik!”

Auch das schon vorab ausgekoppelte “Gfrei di”, ein perfekt zum Sommer passendes Lied, schlägt in diese Kerbe. “Es geht aber nicht um schöne Blümchen oder Schmetterlinge, sondern darum, was auf der Welt passiert. Auch wenn das oft weit weg ist, wird uns das betreffen”, resümierte Skero. “Wir sind jene, die auf der Butterseite sind. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Mehr als drei Viertel der Menschen auf diesem Planeten wischen sich den Arsch mit der Hand aus und nicht mit Klopapier.”

Deutliche Worte zum Thema Asyl

Deutliche Worte fand Skero auch angesichts der aktuellen Flüchtlingskatastrophe, für die Europa scheinbar keine passende Antwort parat hat. “Es ist traurig. Und jedes Mal, wenn ich beim Stift Melk vorbeifahre, denke ich mir: Es kann ja nicht sein, dass so eine riesige Hütte ganz besetzt ist. Wie viele Plätze hätte die Kirche eigentlich, wo sie Flüchtlinge leicht unterbringen könnte? Außerdem gäbe es da genug Personal, das sich darum kümmern könnte. Aber das ist es offenbar nicht mehr so mit der Nächstenliebe. Und überall gibt es rechte Parteien, die seit Jahren darauf hinarbeiten, die Angst der Menschen zu schüren.”

Trotz dieser deprimierenden Lage gibt es aber Grund zur Freude, nämlich die anstehenden Konzerte des Rappers. Dabei wird er nicht nur von seinem DJ Chris Fader (“einem ordentlichen Kapazunder”) unterstützt, sondern will auch eine Brass-Sektion integrieren. “Die wird in der zweiten Hälfte über die Beats vom DJ spielen. Das drückt nicht nur enorm an, sondern macht auch optisch was her”, grinste Skero. Auf den Geschmack gekommen ist beim FM4-Geburtstagsfest dank eines gemeinsamen Auftritts mit der Blasmusik Perchtoldsdorf. “Das hat uns sehr viel Spaß gemacht, deshalb wollen wir das weiterziehen.”

Skero am Wiener Donauinselfest 2015

Erleben kann man das bereits am 26. Juni beim Wiener Donauinselfest, bevor im Herbst weitere Konzerte folgen sollen – wobei Skero in den Bundesländern möglicherweise mit lokalen Blasmusikkapellen zusammenarbeiten wird. “Bei der Militärdiskussion hat man ja gesehen, dass es ganz viele davon gibt”, lachte der Rapper. “Und da gibt es sicher ein paar, die Bock haben, etwas Neues auszuprobieren.”

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

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