Simmering: Neo-Bezirkschef der FPÖ will türkische Shops “besser verteilen”

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Der neue blaue Bezirkvorsteher in Simmering, Paul Stadler, beim Interview
Der neue blaue Bezirkvorsteher in Simmering, Paul Stadler, beim Interview - © APA
19 Jahre lang war Paul Stadler (FPÖ) in Simmering Bezirksvorsteher-Stellvertreter. Seit der Wien-Wahl ist er nun Bezirkschef – und hofft auf die Fairness der Roten und auf weniger türkische Shops in der Simmeringer Hauptstraße.

Paul Stadler ist im Stress. Ständig läutet sein Telefon, die Mailbox quillt über. Mit der Wien-Wahl ist der Bezirk, der Jahrzehnte lang in SPÖ-Hand war, Blau geworden – und der Freiheitliche Stadler nun designierter Chef.

Paul Stadler erhält Beratung von Ursula Stenzel

“Momentan realisiere ich es überhaupt noch nicht”, sagte Stadler im APA-Interview über seinen Aufstieg zum Bezirkschef, der erste der FPÖ in Wien. Er schätzt, dass die Amtsübergabe Ende November vonstattengehen wird. Bis dahin ackert er die Stadtverfassung durch und lässt sich u.a. von Parteikollegin und Noch-City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel beraten, was es im Job zu beachten gilt: “Damit man nicht blindlings hineinstolpert.” Denn die SPÖ, die bisher in Simmering an der Macht war, ist Stadlers Angaben zufolge sparsam mit der Informationsweitergabe gewesen: “Die Sozialdemokraten haben mich nirgendwo weiter hineinschauen lassen, als sie mich gesetzlich hinschauen haben lassen müssen.”

Zusammenarbeit mit der SPÖ in Simmering

Stadler hofft auf eine “faire Übergabe” und eine gute Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten: “Im Landtag können sie sich zerfleischen und sich gegenseitig anbrüllen. Warum sollen wir uns anbrüllen – wegen was? Wegen Schulen, Straßen, Verkehr? Wir betreiben nicht diese große Politik. Wir betreiben hier Politik für den Bürger.” Ganz so einfach wird die Polit-Arbeit in Simmering aber nicht. Die FPÖ hat 26 Sitze, die SPÖ 25, die ÖVP und die Grünen haben jeweils 3, die NEOS 2. “Gemeinsam für Wien” besitzt 1 Mandat. Zur Beschlussfassung sind 31 Stimmen notwendig. Für eine komfortable Mehrheit braucht Stadler die SPÖ, andernfalls muss er gleich mehrere Parteien überzeugen. Sollte die SPÖ viel blockieren, will er sich an die Medien wenden: “Ich weiß nicht, ob ihnen das so gut tut.”

Viele Ideen für Simmering

Die Bezirksbewohner seien jedenfalls schon voller Tatendrang: “Die Bürger haben mir schon Hunderte Mails geschickt, wie wir Simmering neu gestalten können.” Ein Ingenieur habe etwa auf 75 Seiten dargelegt, wie die U-Bahnlinie 3 mittels Terrassenlegung nach Kaiserebersdorf verlängert werden könnte, die Kosten berechnet und eine Finanzierung ausgearbeitet.

In diese Richtung gehen u.a. auch die ersten Projekte des künftigen Bezirkschefs: ein besseres öffentliches Verkehrsnetz und eben die U3-Verlängerung nach Kaiserebersdorf. Weiters auf der Agenda steht die Rettung der Simmeringer Gemüsegärtner: “Der größte Teil der gärtnerischen Flächen gehört der Gemeinde Wien. Wenn einem Gärtner der Vertrag ausläuft, nehmen sie ihm die Fläche weg und bauen einen Wohnblock hin.” Zu diesem Thema plant er eine Bürgerbefragung. Doch bevor er Projekte angehen könne, müsse er erst einmal das Bezirksbudget auf Einsparungen überprüfen: “Wo nichts im Sack ist, kann ich nichts ausgeben.”

Simmeringer Haupstraße: Kritik an türkischen Geschäften

Ebenfalls ein Anliegen ist dem 58-Jährigen die Simmeringer Hauptstraße, die abschnittsweise bereits “Little Istanbul” genannt werde, so Stadler: “Sie haben auf einer Hauptstraße ein türkisches Geschäft neben dem anderen. Das verursacht natürlich Unbehagen. Wenn Sie als Österreicher da durchgehen – du hast nur mehr türkische Geschäfte. Wären die auf den Bezirk verteilt, würden sie nicht so auffallen.” Er werde Möglichkeiten suchen, “um den Hebel anzusetzen, um das Ganze lockerer zu gestalten”. Was das konkret bedeutet, ließ er vorerst offen – wobei er zugleich versicherte, kein Problem mit den ansässigen Türken zu haben: “Die sind da, die sind fleißig, die arbeiten, die zahlen ihre Steuern. Gegen die hat kein Mensch was. Wirklich nicht.”

Stadler über Flüchtlinge: “Haben keine Arbeit für die”

Auch gegen Flüchtlinge habe er per se nichts – wenn es sich um Kriegs- und nicht um Wirtschaftsflüchtlinge handle. Gedanken macht er sich vielmehr um die Finanzierbarkeit der Hilfsbereitschaft: “Jeder hat gesagt, wir müssen herzlich sein. Ja, sehe ich ein, gar kein Thema. Nur, wie können wir uns das leisten? Wir haben keine Arbeit für die. Es gibt jetzt schon das Problem, dass wir Arbeitslose haben und nicht wissen, wo wir mit ihnen hinsollen. Die können wir nicht einmal in irgendwelche Scheinkurse verschieben, denn die kosten auch Geld.” Seiner Meinung nach ist die Europäische Union gefragt, um das Problem zu lösen.

Was die Flüchtlingsquartieren in seinem Bezirk betrifft, so wünscht Stadler, dass er und die Bevölkerung darüber informiert werden – was in der Vergangenheit nicht geschehen sei: “Ich glaube, der Simmeringer ist mündig, der weiß um was es geht.” Ausreichend Information und Unterstützung bekommt er hingegen von seiner eigenen Partei, der FPÖ: “Wir arbeiten auf breiter Basis zusammen.” So werde sie ihm “wahrscheinlich einen Art beratenden Sekretär” zur Seite stellen. Mit seinem Chef, Heinz-Christian Strache, habe er “eine gute Aussprache”.

(Das Interview führte Dorit Ausserer/APA)

(apa/red)

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