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Silvestermord: Hinter Tat steckte filmreifes Mordkomplott

Symbolbild Symbolbild - © Bilderbox
21. Bezirk, 1210 Wien Floridsdorf -  Installateurslehrling plante Mord mit Komplizen minuziös: Der 20-Jährige bereitete die Tat monatelang vor und ließ sich mit Hilfe von drei Komplizen ein Alibi verschaffen.

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Der 35-jährige Wiener Harald W. ist in der Silvesternacht einem filmreifen Mordkomplott zum Opfer gefallen. Um die vermeintliche Vergewaltigung seiner Verlobten zu rächen, soll der 20-jährige Installateurslehrling und Vorzugsschüler Alexander W. aus Wien-Hernals die Tat monatelang minuziös geplant haben. Drei Freunde werden verdächtigt, ihm bei der Selbstjustiz geholfen zu haben, wie die Polizei am Montag bei einer Pressekonferenz bekanntgab. Die vier 20- bis 23-Jährigen befinden sich mittlerweile in Haft.

“Der Mordplan kann jederzeit als Vorlage für eine Columbo-Serie dienen”, fasste Abteilungsinspektor Heinz Grossauer vom LKA Wien die Tat am 31. Dezember 2009 gegen 18.00 Uhr zusammen. Kleidung und Waffe wurden sofort entsorgt, eine Folie im Fluchtwagen verhinderte die Verteilung von Schmauchspuren. Als Alibi sollten den Burschen ein Radarfoto und die Rufdaten der Mobiltelefone aller Beteiligten dienen: Der 20-jährige Komplize Christopher U. fuhr mit den Handys laut Polizei während der Schussabgabe auf der Linken Wienzeile stadtauswärts bis nach Pressbaum. Das dabei geplante Auslösen einer Radarfalle misslang trotz vier Versuchen: Es war zu viel Verkehr und der 20-Jährige konnte kein einziges Mal schnell genug fahren.

Verkleidet und ausspioniert

Der hauptverdächtige Lehrling soll die Tat bereits seit Sommer 2009 geplant haben, nachdem die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nach der angeblichen Vergewaltigung seiner Freundin im Mai 2009 eingestellt hatte, erklärte Grossauer. Aufgrund des Namens habe der 20-Jährige die Wohnadresse von Harald W. herausgefunden und diesen ausspioniert. Er verkleidete sich demnach als Paketzusteller – ausgestattet mit passendem Hemd, Schreibunterlage und einer fingierten Zusendung – und filmte sein Opfer beim Öffnen der Türe mit einer Kugelschreiber-Kamera. Die Aufnahmen zeigte er seiner Verlobten, die Harald W. als Schuldigen identifizierte, so Grossauer.

Von seinem 21-jährigen Freund Prabhjot S. habe sich der Lehrling daraufhin auf der Donauinsel eine Waffe Kaliber 7,62mm besorgen lassen. Da er keine Pistole mit Schalldämpfer bekam, beschloss Alexander W. die Tat laut Polizei auf die laute Silvesternacht zu verlegen. Am 31. Dezember soll er gegen 14.00 Uhr durch einen Anruf den Aufenthalt seines Opfers in der Wohnung überprüft haben. Unmittelbar danach dürfte sich Alexander W. mit seinen drei Komplizen getroffen haben.

Prabhjot S. habe den Lehrling danach zur Wohnung des Mordopfers in der Anton Bosch Gasse in Floridsdorf begleitet und durch Klingeln an der Gegensprechanlage dafür gesorgt, dass dieser die Wohnungstüre öffnete, erklärte Grossauer. Vor dieser habe Alexander W. mit der Waffe im Anschlag und mit einer Sturmhaube maskiert gewartet. Er gab laut Polizei einen gezielten Schuss ab, der den 35-Jährigen genau im Mund traf. Durch Handschuhe habe der Bursche das Zurückbleiben von Schmauchspuren verhindert.

Der schwer verletzte Harald W. lebte noch 30 Minuten lang. Das Projektil zersplitterte an seinen Zähnen, diese wurden völlig zerstört und machten das Sprechen und um Hilfe rufen unmöglich. Der Mann schleppte sich noch in ein Lokal auf der gegenüberliegenden Straßenseite und starb am Weg ins Krankenhaus an starkem Blutverlust.

Der Lehrling hatte laut Polizei auch nach der Tat alles minuziös geplant: Sein 23-jähriger Freund Ulas D. soll als Fluchtfahrer fungiert und im geparkten Auto vor der Türe gewartet haben. Auf der Rückbank habe Alexander W. eine Folie ausgelegt, um zu verhindern, dass Schmauchspuren seiner Kleidung im Wagen zurückblieben, berichtete Grossauer. Er zog sich demnach während der Fahrt um und verstaute die Tatkleidung in einem Rucksack. Nach dem Mord sollen sich die vier Freunde an einem zuvor vereinbarten Ort getroffen und die Fahrzeuge getauscht haben. Christopher U. brachte laut Polizei fünf Liter Benzin mit und verbrannte die Tatkleidung im Wald. Die Waffe vergrub der Hauptverdächtige laut eigenen Angaben irgendwo bei einem Baum in einem Wald in Ottakring. Trotz Suche mit Metalldetektoren wurde die Pistole noch nicht gefunden.

Mordkomplott

Durch Rufdatenauswertungen kam die Polizei dem Mordkomplott auf die Schliche. Vergangenen Donnerstag wurde Alexander W. an der Arbeitsstelle seiner Verlobten von der Cobra festgenommen. Für seine Komplizen und mehrere mittlerweile wieder freigelassene Mitwisser klickten am Freitag und Samstag die Handschellen. “Wir haben bei dieser Causa einen Mitwisserkreis in der Größe einer Fußballmannschaft”, betonte Oberst Horst Zeilinger. Dazu zählt auch die Verlobte des 20-Jährigen, die allerdings glaubte, ihrem Lebensgefährten die Mordpläne ausgeredet zu haben. Ihre Schwester und deren Freund wussten ebenfalls von der Tat. Sie wurden von dem 20-Jährigen bedroht und unter Druck gesetzt, nichts zu verraten.

Nach stundenlangen Einvernahmen gestanden Alexander W. und seine in ihren Wohnungen verhafteten Komplizen die Tat. Die Polizei rätselte Monate lang, ob hinter dem Tod von Harald W. ein Unfall, Selbstverschulden oder Verbrechen steckt – auch über einen Suizid mittels Kugelschreiber-Waffe wurde spekuliert. Erst die ausführlichen Gutachten der Gerichtsmedizin und der Schusstechnik stellten kürzlich fest, dass es sich um Mord handelte. Wegen der Vergewaltigung an der Freundin des 20-Jährigen war neben Harald W. ein zweiter Mann angezeigt, gegen den Alexander W. laut Polizei allerdings keine Mordpläne hegte.

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