Silvester als “Horrornacht” für Tiere im Wiener Tierschutzverein: Polizei dementiert Vorwürfe des WTV

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Ein Hund im WTV hatte aus Angst vor dem Feuerwerk in seinem Zwinger randaliert.
Ein Hund im WTV hatte aus Angst vor dem Feuerwerk in seinem Zwinger randaliert. - © WTV/DPA
Silvester bedeutete für die Tiere im Wiener Tierschutzverein (WTV) eine Nacht voller Angst und Schrecken. Wie der WTV in einer Aussendung mitteilte, wurde in den Stunden um Mitternacht um das Gelände des Tierschutzvereins und auf benachbarten Grundstücken Feuerwerke abgeschossen.

Hunderte verstörte Tiere sind die Folge der Silvesternacht im Wiener Tierschutzverein. Laut Aussendung des WTV feuerten Unbekannte bereits am Nachmittag des 31. Dezembers mit Böllern und Raketen in die Außengehege des WTV. Getroffen wurde dabei das Gehege eines besonders schwierigen Hundes. “Gerade dieser Schützling wird intensiv und mühevoll mit Spezialtraining betreut. Die Arbeit von Monaten ist nun ruiniert, das Tier ist immer noch panisch und vollkommen verstört“, so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Polizei zum Wiener Tierschutzverein gerufen

Die Mitarbeiter des WTV riefen daraufhin die Polizei. Da der Wiener Tierschutzverein in Niederösterreich, aber direkt an der Stadtgrenze zu Wien liegt, hätten sich Unklarheiten ergeben, ob die Behörden in Wien oder in Niederösterreich zuständig seien. “Die Polizei Vösendorf ist dankenswerterweise gekommen, ihre Kompetenz endet aber leider an der Stadtgrenze“, sagt Petrovic. Die Polizei Niederösterreich weist dies zurück. Grundsätzlich betreffe das Gebiet des Tierschutzvereins die Zuständigkeit Wiens, heißt es aus der Pressestelle der Landespolizeidirektion Niederösterreich. Allerdings würden sich die Direktionen Niederösterreich und Wien gegenseitig unterstützen. “Es gibt kein polizeiliches Niemandsland”, betont Pressesprecher Johann Baumschlager. Baumschlager zufolge konnten die Polizeibeamten aus Vösendorf, die am Nachmittag zum WTV fuhren, dort keine Überschreitungen nach dem Pyrotechnikgesetz feststellen.

Feuerwerke um das Gelände des WTV

Laut WTV verschärfte sich die Situation in den Stunden um Mitternacht. Auf den benachbarten Grundstücken und Parkplätzen seien Feuerwerke aufgebaut und abgeschossen worden. Die Bitte von Petrovic an die Feiernden, die Knallerei aus Rücksicht auf die Tiere einzustellen, brachte keinen Erfolg. Sechs Mitarbeiter waren in dieser Nacht im Einsatz, um die Tiere zu beruhigen. Laut Petrovic war die Knallerei in diesem Jahr so schlimm wie noch nie. Es kam zu einer zweiten Anzeige kurz vor Mitternacht. Die Kontaktaufnahme mit WTV-Verantwortlichen sei laut Baumschlager erfolglos geblieben. Das Areal sei versperrt gewesen, so Baumschlager. Beamte hätten “mittleren bis starken Pyrotechnikeinsatz” in der Umgebung des Tierheims auf Vösendorfer Gebiet, aber keine Übertretungen festgestellt. Dass sich “hunderte Freizeit-Pyromanen rund um das Gelände des Wiener Tierschutzvereins” versammelt hätten, wie es in der Aussendung heißt, weist der Pressesprecher zurück. Einer dritten Anzeige vom Montagnachmittag, wonach auf einem Nachbargrundstück Kracher abgeschossen würden, sei ebenso nachgegangen worden. Bei der überprüften Örtlichkeit habe es sich um ein Mehrparteienhaus auf Wiener Gebiet gehandelt, so Baumschlager.

Hunderte verstörte Tiere in der Silvesternacht

Die Knallerei dauerte dem WTV zufolge bis drei Uhr in der Früh. Hunderte Tiere seien in Panik versetzt worden. “Viele unserer Schützlinge, insbesondere Hunde, sind auch heute noch derart verstört, dass sie selbst vor unserem Pflegepersonal, das sie gut kennen, panische Angst haben. Das Training und die Arbeit von Monaten ist zerstört”, so Petrovic. Die Präsidentin des WTV möchte für das nächste Silvester eine klare Zuständigkeit der Exekutive und eine Ansprechperson. Außerdem kündigte Petrovic an, in der nächsten Silvesternacht mehr Pfleger einzusetzen, um die Tiere zu beruhigen.

WTV enttäuscht über Dementi der Polizei

Der WTV reagierte am Dienstag, den 2. Jänner mit einer weiteren Aussendung auf die Dementi der Polizei. “Es ging uns nicht darum, hier die Polizei zum Sündenbock zu erklären, sondern darum, auf arge Missstände hinzuweisen und unsere Tiere zu schützen. Die Unterstützung der Exekutive war an diesem Abend mangelhaft und die Verweisung auf unterschiedliche Zuständigkeiten half niemandem weiter”, so WTV-Präsidentin Petrovic. Der WTV bezeichnet die Stellungnahme der Polizei als “enttäuschend” und weist auf das sonst “ausgezeichnete Verhältnis” mit der Polizei hin.

Die Aussage der Polizei, die Angabe von “hundert Freizeit-Pyromanen” sei falsch kommentiert Petrovic folgendermaßen: “Unsere Wahrnehmung war eine völlig andere und wir haben definitiv weit mehr als 100 Leute gezählt. Es war fast so, als würden die Leute zu einem Konzert wandern.” Es gehe dem Tierschutzverein allerdings nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, solche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Weiters wird darauf hingewiesen, dass die Polizei laut Pyrotechnikgesetz dazu verpflichtet gewesen wäre die Menschenansammlung aufzulösen. Der WTV verweist in diesem Zusammenhang auf das Pyrotechnikgesetz, das die “Verwendung pyrotechnischer Gegenstände und Sätze innerhalb und in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Gotteshäusern, Krankenanstalten, Kinder-, Alters- und Erholungsheimen sowie Tierheimen und Tiergärten” verbietet.

(Red.)

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