Sicherheitsbericht 2014 zeigt: Erstmals unter 100 jugendliche Häftlinge

Laut Sicherheitsbericht 2014 waren weniger Jugendliche im Gefängnis.
Laut Sicherheitsbericht 2014 waren weniger Jugendliche im Gefängnis. - © bilderbox.com (Sujet)
Laut Sicherheitsbericht sank die Zahl der jugendlichen Häftlinge im Jahr 2014 erstmals unter 100 – mit Stichtag 1. September saßen insgesamt 99 Jugendliche im Gefängnis.

Die Zahl der jugendlichen Häftlinge ist im Vorjahr erstmals unter 100 gesunken. So saßen mit Stichtag 1. September 2014 insgesamt 99 Jugendliche im Gefängnis, 2013 waren es noch 112, im Jahr davor gar 144. Das geht aus dem Sicherheitsbericht 2014 hervor, den Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) am Dienstag im Ministerrat vorstellte.

Aktuell 121 Jugendliche in Haft

Aktuell, mit Stand am 14. Juli, sitzen laut Justizministerium 121 Jugendliche im Gefängnis. Die Tendenz sei dennoch abnehmend. “Die positiven Entwicklungen im Bereich Jugendstrafvollzug freuen mich besonders. Denn sie unterstreichen einmal mehr die gute Arbeit der Justiz im Allgemeinen und der Jugend Taskforce im Speziellen”, sagte Brandstetter im heutigen Ministerrat. Zu den Reformen hatte die Vergewaltigung eines 14-jährigen Häftlings im Mai 2013 in der Justizanstalt Wien-Josefstadt und daraufhin bekannt gewordene Übergriffe in anderen Gefängnissen und Missstände im Jugendstrafvollzug geführt.

Seit November 2014 werden Sozialnetzkonferenzen bundesweit angeboten. Seit Sommer 2013 wurden durch den Verein Neustart – nach Anordnung vorläufiger Bewährungshilfe durch das Gericht – in einem Probebetrieb 64 Haftvermeidungskonferenzen durchgeführt. Diese waren in 42 Fällen erfolgreich, führten zu einer Enthaftung und bisher zu keinem Rückfall. Mit Anfang 2015 wurden auch Wohngruppen für minderjährige Tatverdächtige eingerichtet, denen damit die U-Haft erspart werden soll. Plätze stehen in drei Einrichtungen zur Verfügung.

Sicherheitsbericht: Hoher Ausländeranteil an Gefangenen

Insgesamt gab es im Vorjahr 8.886 Gefangene, davon lediglich 553 Frauen. Der Anteil der Ausländer an allen Gefangenen stieg in den letzten vier Jahren kontinuierlich an und erreichte mit Stichtag 1. September 2014 seinen Höchststand mit 4.522 Personen. Der durchschnittliche Nettoaufwand pro Tag und Insasse in den Justizanstalten betrug 113 Euro. Die durchschnittliche U-Haft-Dauer stieg von 71,9 auf 74 Tage, die durchschnittliche Haftdauer von 8,9 Monate im Jahr 2013 auf 9,6 Monate im Vorjahr. Verkürzt hatte sich wiederum die Verfahrensdauer. Der bundesweite Median betrug im Vorjahr 1,1 Monate. Acht Menschen begingen 2014 in Haft Suizid, zwei saßen in U-Haft, fünf in Strafhaft und einer im Maßnahmenvollzug.

Rückgang bei Verurteilungen

Einen leichten Rückgang von 3,4 Prozent gab es bei Verurteilungen. Im Berichtsjahr 2014 wurden von österreichischen Gerichten 49.940 Delikte rechtskräftig verurteilt. 85 Prozent der Verurteilten waren Männer, 15 Prozent Frauen. 6,3 Prozent waren Jugendliche und zwölf Prozent junge Erwachsene. 63 Prozent waren Österreicher und 37 Prozent ausländische Staatsangehörige. Fremde Staatsbürger waren unter den Vermögens- und Suchtmitteldelinquenten (mit 42 bzw. 41 Prozent an allen Verurteilungen) stärker vertreten als im Allgemeinen. Unter den Verurteilungen wegen Delikten gegen Leib und Leben mit 28 Prozent sowie gegen die sexuelle Integrität mit 24 Prozent aller Verurteilten waren ausländische Staatsangehörige unterrepräsentiert.

Rund ein Drittel der Verurteilten stand binnen vier Jahren wieder vor Gericht – die Wiederverurteilungsquote von den im Jahr 2010 verurteilten oder entlassenen Personen lag bei 34 Prozent. “Immerhin haben zwei Dritte der Verurteilten seither keine strafbare Handlung mehr getätigt – eine recht positive Bilanz”, kommentierte Brandstetter.

(APA/Red)

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