Sicherheit – mehr Gefühl als Tatsachen

Sicherheit – mehr Gefühl als Tatsachen
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Das subjektive Sicherheitsgefühl führt ein schrulliges Eigenleben. Je mehr von bestimmten Gefahren in Medien berichtet wird, desto geringer wird das subjektive Sicherheitsgefühl. Umgekehrt: Ist eine Gefahr kein Thema, dann steigt es. Dazu kommt: Es hat mit der tatsächlichen Sicherheitslage oft überhaupt nichts zu tun.

Ein Beispiel: Die Chance, mit einem Flieger abzustürzen ist so groß, wie am Weg mit dem Taxi zum Flughafen bei einem Unfall zu sterben, sagen Statistiker. Jedes Jahr kommen in Österreich um die 500 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, aber kaum ein Österreich stirbt bei einem Flugzeugunfall. Trotzdem ist die Zahl der eingeworfenen Beruhigungsmittel vor Flügen um ein Vielfaches höher als vor dem Einsteigen in ein Auto.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Sicherheitslage in Österreich ausgezeichnet. Für Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit und Pension besteht ein belastbares Sozialversicherungssystem. Das mag als selbstverständlich erscheinen, aber ein Besuch in den USA oder in China zeigt, dass es das bei weitem nicht ist. Was die Sicherheit vor Verbrechen betrifft: „Österreich ist ein sehr sicheres Land. Es gibt keine grundsätzlichen No­go­Areas und man kann zu fast jeder Tages­ und Nachtzeit den öffentlichen Raum nutzen, ohne mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Opfer einer strafrechtlich relevanten Handlung zu werden“, heißt es in einer Studie des Innenministeriums. „Einspruch“, werden an dieser Stelle viele meinen. „Ich fühle mich an bestimmten Orten nicht sicher, und schon gar nicht in der Nacht.“

„Disorder-Phänomene“ nennen Wissenschafter diese Diskrepanz. Disorder benennt Phänomene, die verunsichernd sind, jedoch nicht den Tatbestand einer strafrechtlich­relevanten Handlung erfüllen, etwa mangelnde Beleuchtung, Abnutzungserscheinungen an Häuserfassaden, Verunreinigungen auf den Straßen, Personen, die irritierend wirken und Ähnliches. Das ängstigt viele Menschen und führt zum Gefühl, die Gegend sei unsicher.

Die Exekutive reagiert auf solche Unsicherheitsorte gerne mit verstärkter Polizeipräsenz. Die wiederum hat zwei konträre Auswirkungen: Die Menschen fühlen sich sicher, weil Polizisten patrouillieren, aber sie fühlen sich gleichzeitig unsicher, weil sie meinen, es müsse einen Grund dafür geben, dass Polizisten hier verstärkt patrouillieren.

Text: Gerd Millmann

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