Sex-Skandal: Schröcksnadel bezeichnet Innauer als “Pharisäer”

Akt.:
Sex-Skandal: Schröcksnadel bezeichnet Innauer als “Pharisäer”
© APA
Der frühere Nordische Sportdirektor stieß mit seiner Kritik am Umgang des ÖSV mit dem hochsensiblen Thema auf Unverständnis – Schröcksnadel wirft ihm Heuchelei vor.

In einem Gastkommentar für die “Oberösterreichischen Nachrichten” hat sich der ehemalige Skisprungolympiasieger Toni Innauer zu den von Nicola Werdenigg aufgebrachten Missbrauchsvorwürfen im Skisport geäußert. Innauer wirft darin Schröcksnadel sowie Alpin-Chef Hans Pum vor, Im “Umgang mit dem hochsensiblen Thema und der Betroffenen anfänglich ganz klar Ton und Thema” verfehlt zu haben. “Über Jahre an eine betörende Machtfülle nach innen und außen gewöhnt, entsteht Irritation bei der Auseinandersetzung mit Diskussionspartnern, denen es an vorauseilender Unterordnung mangelt”, so der gebürtige Bezauer.

Schröcksnadel reagiert verärgert

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel reagiert verärgert. In einem Brief, den er seinerseits an die “Oberösterreichischen Nachrichten” schrieb, meint Schröcksnadel: “Deine Ansage heute ist (…) aus meiner Sicht schon sehr bedauerlich, weil du dich dadurch in die Gilde der Opportunisten und Pharisäer einreihst, was ich schade finde”.

“Völlig aus dem Ruder gelaufen”

Innauer schreibt in seinem Kommentar weiters, dass auf keinen Fall alle in einen Topf geworfen werden dürften: “Bis auf ganz wenige schwarze Schafe sind die Betreuer und Trainer schon früher ihren Aufgaben integer und verantwortungsbewusst nachgekommen”. Er betont auch, dass sexualisierte Gewalt im Sport kein System habe und auch nicht hatte. Eine Ausnahme nennt er allerdings: Pastern. Innauer fragt sich, wie dieses “völlig sinnentleerte und aus dem Ruder gelaufene Initiationsritual in manchen Disziplinen erst zu spät als entwürdigender Übergriff erkannt werden konnte”. Innauer: “Wie soll es den Zusammenhalt einer Gruppe stärken, wenn sich eine wilde Horde mit Schuhcreme und Klisterwachs bewaffnet sogar über junge Mädchen hermacht und das Ganze vom Rudelführer stillschweigend geduldet wird? Hinter verschlossenen Türen konnte das ahnungslose und verängstigte Kind nicht wissen, wann und wie die Tortur enden würde.”

Innauer berichtet von Vorfall

Innauer sagt, die Veröffentlichung der Erlebnisse und Beobachtungen Werdeniggs seien “mutig” gewesen. Er selbst berichtet in dem Kommentar von einem Vorfall in seiner Jugend. Als er dreizehn gewesen sei, hätte sich in einer Villacher Bahnhofstoilette ein Fremder neben ihn gestellt, ihm die Hand auf die Schultern gelegt und ihm vorgeschlagen, sich mit ihm ein Zimmer zu nehmen. Er sei geflüchtet. “Die Angst, dem Typen noch einmal zu begegnen, saß mir tonnenschwer und zwei lange Stunden im Nacken, bis endlich unser gutgelaunter Trainer mit dem Teambus um die Ecke bog.”

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen