“Sex, Drugs and Rock’n’Roll”: Ostrowski im Interview über “Hotel Rock’n’Roll”

Ostrowski: "Rockstar mit Anfang 40 ist der Traum des kleinen Mannes"
Ostrowski: "Rockstar mit Anfang 40 ist der Traum des kleinen Mannes" - © APA
“Wie Freunde miteinander sind, wie sie leben, was sie für Schmähs miteinander machen”: Am Beginn stand die Freundschaft, sagt Michael Ostrowski. Mit der Komödie “Hotel Rock’n’Roll” schließt der Steirer zwei Jahre nach dem Tod von Michael Glawogger die gemeinsame “Sex, Drugs and Rock’n’Roll”-Trilogie ab.

“Mir war klar, dass wir das machen müssen”, so Ostrowski, der erstmals auch die Regie übernahm. Der Film, der alles losgetreten hat, hat mittlerweile Kultstatus: “Nacktschnecken” kam – nach einer Idee von Ostrowski und unter der Regie von Glawogger – 2004 in die österreichischen Kinos.

Vorgänger: “Nacktschnecken” und “Contact High”

Mit einer Mischung aus dokumentarischem und überhöhtem Stil erzählte die Slacker-Komödie von drei gescheiterten Grazer Ex-Studenten – gespielt von Ostrowski, Raimund Wallisch und Pia Hierzegger -, die einen Sexfilm drehen wollen. Im Nachfolger, der surrealen Verwechslungskomödie “Contact High” (2009), mussten selbige eine ominöse Tasche aus Polen bergen.

Schon bei der Postproduktion von “Contact High” wurde über einen dritten Teil geredet, erzählt Ostrowski im APA-Interview. “Im Gegensatz zum Roadmovie ‘Contact High’ sollte der aber auf einen Ort fixiert sein.” Schauplatz von “Hotel Rock’n’Roll” ist nun ein heruntergekommenes Hotel in der steirischen Pampa, das Mao (Hierzegger), Max (Ostrowski) und Neuzugang Jerry (Gerald Votava) auf Vordermann bringen und als Rockhotel vermarkten wollen. “Glawo und mich haben diese alten Boulevardklassiker interessiert, Hotelfilme von Jerry Lewis über Louis de Funes bis Peter Alexander”, erinnert sich Ostrowski.

“Hotel Rock’n’Roll”: Ostrowski mischte Genres

Ostrowski mischte dem Genre Hotelfilm auch Elemente aus Musik- und Heimatfilmen bei, “nur halt anders”. “Was immer gleich ist bei allen Filmen, ist eine Form eines nichtkonformistischen, nicht-bourgeoisen Lebens”, sagt Ostrowski über die Protagonisten. “Es war uns wichtig, dass es wieder aus der unsteten Freiheit heraus startet und nicht aus einem gefestigten Umfeld.” Nicht dabei ist erstmals Raimund Wallisch als Max’ bester Freund Johann. “Es ist wie so oft bei Freundschaften und Beziehungen, dass sich einer woanders hin entwickelt, so ist das”, erklärt Ostrowski. So fehlt im Film nun der Schlagzeuger, dessen Georg Friedrich einnimmt, der als Kleinkrimineller Schorschi eine größere Rolle spielt als bei den Vorgängerfilmen.

Über viele Jahre haben Ostrowski und Glawogger am Drehbuch gefeilt – bis Glawogger 2014 bei Dreharbeiten zu seinem Doku-Experiment “Der Film ohne Namen” im afrikanischen Liberia an Malaria verstarb. “Schon beim Begräbnis sind wir zusammengesessen und haben uns gefragt, wie wir das machen”, meint Ostrowski über “Hotel Rock’n’Roll” – und schließt mit “Wir” u.a. Element-of-Crime-Frontmann Sven Regener und The-Base-Sänger Norbert Wally ein, die jeweils Musik zu Glawogger-Filmen beigesteuert hatten. Beide haben sie nun Auftritte im neuen Film, ist doch sowohl vor als auch hinter der Kamera das bewährte Team weitgehend dasselbe. “Alle, die mitgemacht haben, wollten das gerne machen”, weiß Ostrowski. “Das war spürbar, und hat sicher viel mit dem Glawo zu tun, der alle in dem Wunsch vereint hat, ihm noch ein Geschenk zu geben.”

Regie-Debüt für Michael Ostrowski

Daran, wie sein enger Freund den Film inszenieren würde, habe Ostrowski bei den Dreharbeiten aber “wirklich keine Sekunde lang gedacht”. “Die Auseinandersetzung, wie wir uns den Film vorstellen, haben wir jahrelang gehabt, weil es so lange gedauert hat, das Drehbuch zu schreiben”, so der Theater- und Filmschauspieler. “Insofern war ich schon sehr angereichert mit Wissen und der Vorstellungskraft, wie das sein soll. Als wir das dann gedreht haben, habe ich es ziemlich genau gewusst und zeitgleich versucht, so viel wie möglich zuzulassen im Moment.”

Dem Regiedebütanten stand sein Vertrauter Helmut Köpping zur Seite. Die beiden waren am Theater im Bahnhof in Graz gemeinsam zu Szenestars avanciert. “Er hat einen guten Blick auf Schauspiel, auf Nuancen, auf Motivationen der Charaktere”, sagt Ostrowski über die Zusammenarbeit. “Ich habe grundsätzlich diese Overhead-Entscheidungen getroffen, das war klar, weil ich so viel mehr in das Projekt involviert war.” Die Doppelrolle als Hauptdarsteller und Regisseur hat Ostrowski jedenfalls “an alle meine Grenzen geführt, die ich vorher gekannt oder auch nicht gekannt habe”.

Flucht vor dem Alltag statt Burn-out

Die Überlastung des Einzelnen und der Gesellschaft ist auch großes Thema des Films. “Wir alle sind in irgendeiner Form von einem Burn-out betroffen”, ist Ostrowski überzeugt. “Es ist was nicht in Ordnung in der Gesellschaft, wenn das unsere psychosomatische Volkskrankheit ist. Dem versuche ich etwas entgegenzusetzen.” So wie Max seinen Hotelgästen also “betreute Rauschreisen” anbietet, so bietet Ostrowski den Kinozusehern eine Flucht vor dem Alltag. “So viele Leute würden das gerne machen, sich mal austoben, eine Band haben und das mal leben, diesen Rock’n’Roll. Dieser Film bietet die Möglichkeit, Sachen zu erleben, zu denen man selbst nicht kommt.” Er selbst habe sich mit der Rolle als Frontmann freilich auch “ganz egoistisch” einen Traum erfüllt. “Das war bei uns schon immer ein Running Gag: Rockstar mit Anfang 40, das ist der Traum des kleinen Mannes!”

Im Rahmen der Premierentour, die am Samstag (6. August) beim FM4 Pop-up Cinema im Sigmund-Freud-Park in Wien startet, kommt Ostrowski dann auch abseits der Kamera zu seinem Rockstar-Moment: Im Anschluss an die Filmvorführung im Arena Sommerkino am 17. August steht er nämlich mit Skero, The Base und Gerald Votava auf der Bühne. Die offiziellen Premieren finden dann am 23. August in Graz und am 24. August in Wien statt. Ob es mit “Hotel Rock’n’Roll” wirklich getan ist, lässt der Film mit dem abschließenden Satz “This is the open end” offen. “Die Arbeit war so unglaublich schön, dass ich mir einen weiteren Film vorstellen könnte”, sagt Ostrowski zwar. “Gleichzeitig aber: Eine Trilogie ist eine Trilogie.”

Trailer zum Film “Hotel Rock’n’Roll”

(Das Gespräch führte Angelika Prawda/APA.)

>>“Hotel Rock’n Roll”: Filmpremiere und Gratis-Eis bei der Pop Up Cinema Tour von FM4 und Ben & Jerry’s

(apa/red)

 

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