Schwere Sicherheitsmängel in Wiener Museen

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"Leichtes Spiel" hatte der Saliera-Dieb / &copy APA
"Leichtes Spiel" hatte der Saliera-Dieb / © APA

Sicherheitstechniker stellt bei einem Lokalaugenschein schwere Mängel fest – nur das
Mumok vorbildlich – Albertina, KHM und Österreichische Galerie weisen die Vorwürfe vehement zurück – Opposition fordert Rücktritte.

  • Ausstellungen in Wien
  • Die Sicherheitsvorkehrungen in Wiener Bundesmuseen lassen zu wünschen übrig. Diesen Schluss zog der Sicherheitstechniker und gerichtliche Sachverständige Robert Goliasch bei einem unangekündigten Lokalaugenschein. Goliasch stellte nur dem Museum Moderner Kunst (MUMOK) ein gutes Zeugnis aus, die Albertina, die Österreichische Galerie Belvedere und das Kunsthistorische Museum (KHM) offenbarten für den Experten hingegen grobe Mängel. Die Museen wiesen die Vorwürfe einhellig zurück. Die Opposition forderte den Rücktritt der zuständigen Ministerin Elisabeth Gehrer (V).

    Nur gutes Zeugnis fürs MUMOK

    Goliasch betonte, dass Sicherheit niemals hundertprozentig sein könne. Das Restrisiko müsse jedoch kalkulierbar bleiben:
    „Entscheidend ist, dass es ein Sicherheitskonzept gibt.“ Diese Bedingung erfüllte dem Experten zufolge lediglich das MUMOK. Ein gutes Sicherheitskonzept zeichnet sich laut dem Experten zunächst einmal dadurch aus, dass etwaige Einbrecher nach Möglichkeit überhaupt daran gehindert werden, ein Gebäude zu betreten. Erst die zweitbeste Möglichkeit sei der Innenschutz. Hier komme es vor allem auf die Überwachung von Stiegenhäusern und Gängen an. Es mache keinen Sinn, Sicherheitseinrichtungen zu verstecken: Bei Alarmanlagen gehe es immer auch darum, potenzielle Täter von vornherein abzuschrecken. Erst die letzte Möglichkeit sei der unmittelbare Schutz der Kunstwerke, auch die Präsenz des Wachpersonals sei wichtig.

    “Innenschutz ist konzeptlos”

    Weder die Albertina noch das KHM und das Belvedere genügten dem Experten zufolge den Anforderungen. Die betroffenen Museen wiesen die Vorwürfe mit Vehemenz zurück. Goliasch habe sicherheitslogistisch völlig unterschiedliche Bereiche des Museums nicht unterschieden, kritisierte die Albertina in einer Stellungnahme. Das Museum verwies auf eine kürzlich erfolgte Evaluation, die die Maßnahmen als „ausgezeichnet“ beurteilt habe. Die vom Experten geortete Einstiegsmöglichkeit in das Gebäude befinde sich außerhalb des Sicherheitsbereiches des Museums. Goliasch hatte vor allem den Innenschutz als „konzeptlos“ bezeichnet.

    KHM und Belvedere weisen Vorwürfe zurück

    Das KHM und die Österreichische Galerie Belvedere bezeichneten die von Goliasch getroffenen Aussagen einhellig als „unseriös und verantwortungslos“. „Es liegt in der Natur der Sache, dass Sicherheitsvorkehrungen in Museen nicht jedermann zugänglich bzw. nachvollziehbar oder sichtbar sind“, so die Österreichische Galerie. Das KHM zog das Fachwissen des Experten in Zweifel: „Die aufgezeigten Kritikpunkte zeigen eine erstaunliche Unkenntnis über sicherheitstechnische Details.“ Außerdem würden sowohl die Österreichische Galerie Belvedere und das KHM als auch das MUMOK vom selben Sicherheitsberatungsunternehmen (SecureLINE) „laufend kontrolliert, beraten und unterstützt“.

    Opposition will Köpferollen sehen

    Der Sicherheitscheck hat unterdessen auch politisch Wellen geschlagen. Die Opposition schoss sich vor allem auf Gehrer ein, die als zuständige Ministerin für die genannten Bundesmuseen verantwortlich sei, sowie auf KHM-Direktor Wilfried Seipel. SPÖ-Klubobmann Josef Cap betonte, dass sich auch fast drei Jahre nach dem Einbruch nichts geändert habe und forderte einmal mehr den Rücktritt Gehrers und Seipels. Die Grünen stellten die Frage, „was mit den zehn Millionen Extrabudget für die Sicherheit in den Museen bisher passiert sei“. Die ÖVP entgegnete, „gebetsmühlenartiges Herunterleiern von Rücktrittsforderungen“ sei kein politisches Konzept.

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