Schwarzenegger und Hollywood: Eine eigene Welt kreiert

“Der war nie bei einem Casting, wo er sich, sagen wir mal mit Alec Baldwin um eine Rolle streiten musste. Die Filme sind für ihn geschrieben worden. Er hatte immer die Kontrolle. Er lebte in einer Welt, die er sich selbst kreierte.” So sprach Arthur Allan Seidelman, Regisseur von Arnold Schwarzeneggers erstem Film “Hercules in New York” aus 1970 einst in einem Interview.


Er blieb auch in der Filmfabrik sein eigener “Mr. Universum”. Er kam aus dem Nichts und stemmte sich zum Megastar mit weltweit rund 4,7 Milliarden Dollar an Einspielergebnissen an den Kinokassen. Der “Schwarzenegger-Film” wurde zum Synonym für einen – meist gelungenen – Großangriff auf die Kinocharts, der Steirer aus Thal bei Graz zu einem “bankable star”, jemand der allein aufgrund seines Namens einen “Box office”-Hit garantierte. Von Mitte der 1980er-Jahre bis Mitte der 1990er residierte er in Sachen kommerziellem Erfolg als Nummer-1-Star auf Hollywoods Schauspielthron. Bis zu seinem Politeinstieg im Jahr 2003 gehörte er weiter zur “A-List” der Filmwelt.

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“Schwarzenschnitzel”

“Mit deinem Akzent und deinem Körper. Und deinem Namen: ‘Schwarzenschnitzel’, oder wie auch immer der heißt, auf dem Filmplakat. Damit wirst du es nie schaffen, keine Tickets verkaufen”, zitiert die “Steirische Eiche” noch immer gerne Filmverantwortliche von damals, die seine Hollywoodkarriere schon beendet sahen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Einer der größten Irrtümer der Filmgeschichte.

Zu Beginn sogar Stimme synchronisiert

Doch am Anfang standen “Hercules in New York” – und “Arnold Strong”. Unter letzterem Pseudonym gab er sein Leinwanddebüt in Seidelmans Opus, das nur wegen den sichtbar gewordenen bescheidenen Anfängen des späteren Superstars zum Kult unter Schwarzenegger-Aficionados avancierte. Arnolds Stimme wurde zudem synchronisiert – das damals noch mehr als mangelhafte Englisch des nur wenig mehr als ein Jahr zuvor Zugewanderten wollte man dem geneigten Publikum offenbar nicht zumuten. “Ich war damals gerade buchstäblich dem Schiff entstiegen”, blickte Schwarzenegger in späteren Jahren schelmisch-lächelnd auf seine filmischen Gehversuche in frühen Einwanderertagen zurück.

Der große Durchbruch in Hollywood ließ in den Folgejahren noch auf sich warten, Bodybuilding-Triumphe bestimmten sein Leben. 1976 dann ein erstes filmisches Glanzlicht. Er spielte eine nicht ganz fremde Rolle – den österreichischen Bodybuilder Joe Santo in Bob Rafelsons “Stay Hungry” an der Seite von Stars wie Sally Field oder Jeff Bridges. Ein Filmtitel als ewiges Lebensmotto. Die Folge: ein Golden Globe als bester Newcomer – sein bis heute einziger wesentlicher Kritikerpreis. 1977 ein weiterer Meilenstein in Schwarzeneggers aufstrebenden Filmkarriere-Jahren: das Halb-Doku-Drama “Pumping Iron” unter der Regie von George Butler, der Kultfilm des Bodybuilding. Der von der Kritik heftig akklamierte Film zeigte Schwarzenegger, seinen Hauptkonkurrenten Lou Ferrigno, seinen Kumpel Franco Columbu und andere bei den Vorbereitungen zum “Mr. Universum”-Wettbewerb in Pretoria 1975. Der freche, coole, mit einem überdimensionalen Ego ausgestattete, junge Schwarzenegger machte mit seiner “Ich reiße die Welt ein”-Attitüde “Pumping Iron” zu seinem Film und legte den Grundstein für seine Weltkarriere.

Im Jahr 1982 dann – nach einigen Nebenrollen – der endgültige Durchbruch, “A star is born”: Schwarzenegger ist “Conan der Barbar”. Als Produzent fungierte der legendäre Dino De Laurentiis. Der Steirer toppte “Conan” 1984 mit dem “Terminator” unter dem genialen Regisseur James Cameron. Der Rest ist (Film)-Geschichte. Die unendliche Erfolgssträhne begann und riss nicht ab, als Muskelheld durchpflügte er die Filmwelt etwa in “Commando”, “City Hai”, “Running Man”, “Predator”, “Red Heat”.

Von den körperbetonten Actionstreifen führte der Weg hin zu progressiven Science-Fiction-Filmen, abwechselnd mit dem Komödienfach, in das der Steirer erfolgreich eindrang: “Twins”, “Total Recall”, “Kindergarten Cop” und dann der Höhepunkt der glorreichsten Karrierejahre: “Terminator 2 – Judgement Day” im Jahr 1991, vierfach Oscar-prämiert. Die 1990er-Jahre verliefen karrieretechnisch etwas stotternder als die 80er, doch relative kommerzielle Enttäuschungen wie die Action-Persiflage “Last Action Hero” oder “The 6th Day” wurden durch Erfolge wie “True Lies” oder “Eraser” wettgemacht. Im Jahr 2003 verließ Schwarzenegger Hollywood schließlich mit dem Kinokassen-Hit “Terminator 3 – Rise of the Machines” und einer Rekordgage von kolportierten 30 Millionen Dollar Richtung Gouverneurssitz in Sacramento. Er ging als Superstar.

Um politik-gestählt im Jahr 2013 wiederzukehren – in eine andere, dem Starprinzip überdrüssige Hollywoodwelt. Vor allem an der nordamerikanischen Kinokasse schwächelte der Erfolgsverwöhnte fortan. “Sabotage” floppte, “Escape Plan” und “The Last Stand” wurden knappe, “Terminator Genisys” dank der nach wie vor vorhandenen internationalen Starpower ein eindeutiger Erfolg. Arnold Schwarzenegger in der Filmwelt des Jahres 2017 – der Kampf um die erneute Superstar-Werdung ist in vollem Gange.

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