“Schuhrebell” Staudinger mit eigener Genossenschaft

Staudinger will auch bei anderen Firmen einsteigen
Staudinger will auch bei anderen Firmen einsteigen - © APA (Jäger)
Der Waldviertler “Schuhrebell” Heini Staudinger, dessen öffentliche Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) für das eigene Geschäft und generell für private Finanzierungsmodelle (“Crowd Funding”) ein Turbo war, hat große Pläne. In Gründung ist eine Genossenschaft (“GEA Mama”), die an den drei Staudinger-Firmen mehrheitlich beteiligt sein wird. Die “Mama”-Holding will auch anderswo einsteigen.

Einen eigenen Genossenschaftsverband gibt es schon: Bisher als Verein organisiert darf er seit Mittwochnachmittag offiziell als Revisionsverband auftreten. Obmann ist Heini Staudinger.

“GEA Mama” will sich auch an anderen Firmen beteiligen können, die in das Wertesystem des Waldviertler Unternehmers passen, also naturnah, nachhaltig, sozial-gemeinwohlorientiert operieren. Vorgespräche bestätigten am Mittwoch Staudinger und die Designerin Lisa Muhr, die mit Branchenkolleginnen das Öko-Modelabel “Göttin des Glücks” betreibt.

Dabei könnte sich GEA Mama an Göttin des Glücks beteiligen oder aber die Modefirma wird eine eigene Genossenschaft und Mitglied im neuen Genossenschaftsverbund.

Gut in die “Familie” passen würde laut Staudinger ferner eine vertiefte Zusammenarbeit mit der Waldviertler Biosaatgutfirma ReinSaat. Ihr würde es sehr helfen, aufwendige Forschungsarbeit in einer Genossenschaft abzubilden, wie der GEA-Chef meinte.

Die GEA-Gruppe – also Waldviertler Werkstätten GmbH, Heinrich Staudinger GmH und GEA Berlin – hat rund 300 Beschäftigte und setzte zuletzt rund 32 Mio. Euro um. Mittlerweile hat Staudinger von rund 300 Geldgebern – Freunden, Kunden, Privatiers – rund 4,5 Mio. Euro eingesammelt. Über kurz oder lang soll GEA Mama die Zentrale sein, die von den “Waldviertler Werkstätten” auch diese aushaftenden Nachrangdarlehen übernimmt.

Mit 500 Euro je Genossenschaftsanteil kann jeder dabei sein. Da folgt Staudinger seinem Vorbild, der Berliner Alternativzeitung “taz”, die mit Hilfe eines Genossenschaftsmodells überleben konnte. Dort hätten die Leute im Schnitt zwei Anteile gezeichnet.

Die GEA-Genossenschaft wird in Kürze das Flaggschiff der neuen Genossenschaftsbewegung Staudingers sein. Mitte Dezember hat das Wirtschaftsministerium einen eigenen Prüf-/Revisionsverband anerkannt, wie er für die Gründung einer Genossenschaft unabdingbar ist. Mit Raiffeisen und Schulze-Delitzsch war Staudinger nicht warm bzw. handelseins geworden. Dem neuen Verband namens “Rückenwind” (der bisher offiziell als “coop Rückenwind, Förderungs- und Prüfungsverein gemeinwohlorientierter Genossenschaften” firmierte) gehören jetzt schon drei Genossenschaften an: “architektur:lokal”, “Biobäuerliche Vermarktung e.Gen. und “Bio-Sphäre Südost”. In den Startlöchern stehen zur Zeit eine Softwaregesellschaft, ein Baufirmen-Netzwerk aus dem Mühlviertel und ein Werkstättenbetrieb für Flüchtlinge.

Karl Staudinger, Heinrichs Bruder und “Chefjurist”, will bis Mitte des heurigen Jahres zehn Genossenschaften als Mitglieder des neuen Verbands haben, zu Jahresende 2017 sollen es 20 sein. Definitiv nicht Mitglied werden können Firmen, die eine Banklizenz brauchen. Demnach kann etwa die künftige Bank für Gemeinwohl nicht dabei sein. Es ist im übrigen die erste Genossenschaftsverbandsneugründung seit hundert Jahren, die jetzt das Licht der Welt erblickte. Letztmals gab es das 1916 für die Wohnbaugenossenschaften.

(APA)

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