27. November 2008 13:53; Akt.: 27.11.2008 13:53

"Schrittmacher" gegen Muskel-Verkrampfungen

Die tiefe Hirnstimulation – also die Verwendung von Stromimpulsen über Sonden, die ins Gehirn geführt werden – wurde in den vergangenen Jahren immer öfter bei Patienten mit schwerer Parkinson-Erkrankung eingesetzt.

Jetzt könnte das auch bei Kranken mit sonst nicht beeinflussbaren Muskelverkrampfungen erfolgen. Am Wiener AKH wurde Mitte November erstmals die Implantation eines von außen wiederaufladbaren Gerätes vorgenommen, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung der MedUni Wien.

Beim Morbus Parkinson können durch elektrische Stimulation einer bestimmten Gehirnregion (Nucleus subthalamicus) schwere Symptome wie abnorme Überbewegungen, nicht beherrschbares Schütteln und Bewegungsarmut sowie Tagesschwankungen der Motorik positiv beeinflusst werden. Die elektrischen Impulse für die tiefe Hirnstimulation werden von einem im Brustbereich unter die Haut implantierten Neurostimulator produziert.

In den vergangenen Jahren wurde die Wirkung der tiefen Hirnstimulation aber auch vermehrt bei anderen Bewegungsstörungen untersucht, zum Beispiel bei Dystonien. Das ist eine Gruppe von Erkrankungen, die durch anhaltende Muskelverkrampfungen gekennzeichnet sind. Diese führen zu verzerrenden Bewegungen oder zu abnormen Haltungen des Körpers oder von Körperteilen.

Die häufigste Form ist die Schiefhals-Erkrankung (Torticollis). Die meisten Patienten mit sehr umschriebenen, auf einen Körperabschnitt begrenzten (“fokalen”) Dystonien sprechen ausgezeichnet auf Injektionen mit Botulinumtoxin an. Für Patienten mit ausgedehnteren bzw. generalisierten Dystonien standen bisher nur mäßig wirksame Medikamente zur Verfügung.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die tiefe Hirnstimulation der Gehirnregion “Globus pallidus” zu einer deutlichen Besserung generalisierter, aber auch fokaler Dystonien führt. Dafür sind allerdings höhere elektrische Spannungen notwendig. Deshalb musste bisher der der Schrittmacher bzw. die Stromquelle alle zwei Jahre gewechselt werden.

Eine wesentliche technische Innovation im Bereich der tiefen Hirnstimulation ist jetzt ein extern wiederaufladbarer Neurostimulator. Eine der weltweit ersten Implantationen dieses neuen Systems wurde am 18. November an der Wiener Universitätsklinik für Neurochirurgie bei einem Dystonie-Patienten erfolgreich durchgeführt.



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