Frederic Morton: Der Meister der sanften Satire ist tot

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Schriftsteller Frederic Morton im Alter von 90 Jahren verstorben.
Schriftsteller Frederic Morton im Alter von 90 Jahren verstorben. - © APA
Der Schriftsteller Frederic Morton ist tot. Der gebürtige Wiener starb in der Nacht auf Montag im Alter von 90 Jahren.

Das berichtete der “Kurier” in seiner Online-Ausgabe mit Verweis auf die Familie. Morton schrieb Werke wie “Die Rothschilds, ein Porträt der Dynastie” und “Ewigkeitsgasse”.

Mit 15 Jahren aus Wien geflüchtet

Er galt als Meister der sanften Satire, dessen Bestseller es weltweit in die Bücherregale schafften: Frederic Morton schrieb mit Werken wie “Die Rothschilds, ein Porträt der Dynastie” und “Ewigkeitsgasse” auch Wiener Literaturgeschichte. Am 5. Oktober 1924 als Fritz Mandelbaum in Wien-Hernals geboren, musste er mit 15 Jahren aus seiner Heimat flüchten. Nun ist Morton mit 90 Jahren gestorben.

Aus Fritz Mandelbaum wird Frederic Morton

Als Spross einer jüdischen Industriellenfamilie geboren, emigrierte er 1939 nach London, 1940 in die USA. “Die Emigration war teilweise ein Riesenabenteuer für einen jungen Mann, wie ich es war. Aber natürlich war sie auch ein unerhörter Umbruch im Leben einer wohlhabenden Familie, obwohl wir auch in Wien sehr einfach gelebt haben. Aber in der Emigration haben wir ein ganz anderes, ein sehr kärgliches Leben geführt”, erinnerte sich der Schriftsteller 2013 im APA-Interview: “In den ersten Jahren war es nie sicher, ob mein Vater genug verdienen konnte. Und da mit dem Namen Mandelbaum auch in den USA antisemitische Probleme verbunden waren, hat sich mein Vater dazu entschlossen, den Familiennamen auf Morton umzuändern.”

In den Vereinigten Staaten arbeitete der angehende Student der Nahrungsmittelchemie zunächst als Bäcker. Als Literaturstudent an der Columbia University und als Schüler der New School for Social Research in New York kam Mandelbaum mit der deutschsprachigen Exilliteratur in Kontakt. Seit 1947 erschienen literarische und journalistische Arbeiten in Buchform, aber auch in Zeitungen und Magazinen wie der “New York Times”, “Esquire”, “Playboy”, “The Atlantic” und “Hudson Review”. Zudem unterrichtete er an mehreren Universitäten englische Literatur.

“Die Rothschilds”: 1962 gelingt Morton der Durchbruch

Der Durchbruch gelang Morton 1962 mit dem Roman “Die Rothschilds”, der in 23 Sprachen übersetzt wurde, in mehreren Ländern auf den Bestsellerlisten stand und als Vorlage für ein mit Tony Awards ausgezeichnetes Broadway-Musical diente. Auch aus seinem Roman “Ein letzter Walzer” entstand mit “Rudolf – Affaire Mayerling” ein Musical, das ein Jahr lang am Wiener Raimund Theater lief. Schon früher wurde “Crosstown Sabbath – Über den Zwang zur Unrast”, eine “Reisebeschreibung” der hektischen Metropole New York, vom ORF unter der Regie Curt Faudons verfilmt. Und Andrea Eckerts Doku “Durch die Welt nach Hause” basiert auf der gleichnamigen Autobiografie Mortons, die 2006 erschienen war.

Stadt Wien zeigt sich stolz auf ihren Sohn

Und auch die Stadt Wien, in der er in den letzten Jahrzehnten immer öfter Zeit verbrachte, zeigte sich stolz auf ihren populären Sohn. Bereits 1986 erhielt Morton in seiner Geburtsstadt das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien, 15 Jahre später folgte die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt in Gold. 2002 wurde “Ewigkeitsgasse” als Gratisbuch im Rahmen der Aktion “Eine Stadt – ein Buch” in einer Anzahl von 100.000 Stück verteilt. 2003 wurde Morton das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen, 2005 kam auch der Siemens Life Award dazu.

“Man denkt noch, man ist 19, dabei ist man schon 90”

Dabei blieb Morton bis zuletzt aktiv. In der Vorwoche hielt der Autor die Festrede zur Jubiläumsfeier 140 Jahre Haus der Barmherzigkeit in Wien. Dabei verglich er das “Exil des Alters” mit seinem Exil nach der Flucht in die USA und gab an, sich an das Altsein nie richtig gewöhnen zu können: “Man denkt noch, man ist 19, dabei ist man schon 90”, wurde der Schriftsteller von der katholischen Presseagentur Kathpress zitiert. Und für den morgigen Dienstag wäre im Kunstraum Ewigkeitsgasse ein weiterer Auftritt des umtriebigen Kunstschaffenden angesetzt gewesen.

“Ich-besessenen zukunftsbangen Neurosen” entgegentreten

Was er schreibe, sei der “Versuch, den Ich-besessenen zukunftsbangen Neurosen des 21. Jahrhunderts entgegenzutreten”, meinte Morton einmal und wies schon vor Jahren auf “dunkle Aspekte” hin, die sich zunehmend auf Amerika und die übrige Welt auswirkten. Diese dunklen Aspekte finden sich auch in den übrigen Büchern des zweifach für den National Book Award nominierten Autors wieder, der mit psychologischer Einfühlsamkeit und sprachlicher Genauigkeit ein Millionenpublikum erobert hat: “Dunkle Leidenschaften”, “Die Affäre Schatten”, “Snow Gods” und vor allem auch “Geschichten aus zwei Welten”. Nur wenige konnten diese gelebte Ambivalenz ähnlich überzeugend zu Papier bringen. (APA)

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