7. Juli 2010 16:38; Akt.: 7.07.2010 16:38

Schöne Stadien in Südafrika als WM-Erblast

Das Green Point-Stadion in Kapstadt Das Green Point-Stadion in Kapstadt - © AP
Die imposanten Kathedralen des Fußballs brachten den stolzen WM-Gastgebern Anerkennung und Schulterklopfer während der ersten Fußball-WM in Afrika.

Rund zwölf Milliarden Rand, umgerechnet 1,2 Milliarden Euro, kosteten sie die Steuerzahler. Doch mit dem Schlusspfiff des Finales am Sonntag kommt die wahre Herausforderung. Wie sollen die Stadien künftig gefüllt werden?

Allein der Unterhalt der Prachtbauten verschlingt jährlich Millionen-Beträge, und die finanziell arg strapazierten Kommunen stehen in der Pflicht. Viele Stadtmanager denken mit Unbehagen an “die Zeit danach”. Denn an vielen Orten fehlen dort ansässige Vereine, die in die Arenen einziehen könnten. Im Nelson Mandela-Bay-Stadion etwa, im Küstenort Port Elizabeth – dem Heimatort von WM-Organisationschefs Danny Jordaan.

Die nach Südafrikas Nationalhelden benannte Anlage wurde mit seinem ansprechenden Design beim Baubeginn als eine Art Symbol und Hoffnungsträger für die strukturschwache, arme Heimatregion Mandelas gefeiert. Die Betriebskoten der Arena werden auf jährlich etwa 20 Millionen Rand (umgerechnet etwa 2,1 Millionen Euro) geschätzt. Wie sie jemals hereinkommen sollen, ist unter Experten mehr als fraglich.

Denn der einzige Fußball-Club des VW-Produktionsstandorts Port Elizabeth – Bay United – steckt in existenziellen Problemen und sucht nach einem Käufer. VW hatte die Kicker-Truppe 2005 günstig in dem bei Durban gelegenen Ort Pietermaritzburg gekauft, seine Unterstützung beim Aufbau eines lokalen Vereins aber von vornherein nur als Anschubhilfe deklariert.

Es gibt weder ein heimisches Rugby, noch ein anderes Fußballteam. Das 45.000 Menschen fassende und mit 250 Mio. Euro errichtete Stadion hätte damit kaum noch einen wirklichen Verwendungszweck. Die paar PSL- und Rugby-Spiele, die den Stadienbetreibern zugesagt wurden, dürften das Geld kaum hereinholen.

Ein ähnliches Bild präsentiert sich in Orten wie Nelspruit oder Polokwane. Einen örtlichen Oberliga-Verein als Mieter gibt es dort nicht. Und die paar Musikkonzerte, die geplant sind, bringen die Betriebskosten kaum herein. Die Stadtväter wollen das Problem daher gerne auslagern und die Stadionverwaltung einer Betreiberfirma übertragen. Doch derartige Betreiber stehen in strukturschwachen Regionen nicht gerade Schlange. Ein nachhaltiges Konzept fehlt noch.

Die großen Gewinner dieser WM sitzen in den Großstädten des Landes sowie in der Hauptstadt Pretoria, wo das Loftus Versfeld-Stadion der Blue Bulls Rugby-Union gehört. Die Betreiber gehen davon aus, dass zehn ausverkaufte Spiele pro Jahr die Betriebskoten hereinbringen. Im Loftus Versfeld sind neben 13 Rugby-Spielen in diesem Jahr noch diverse Fußball-Begegnungen und Konzerte geplant.

Durbans Mehrzweck-Stadion ist dank seiner spektakulären Konzeption das einzige, das vor der WM bereits Einkünfte hatte. Sie kamen durch Bungee-Jumping-Veranstalter sowie die Aussichtsplattform auf dem 105 Meter hohen Bogen herein und näherten sich bereits der Fünf-Millionen-Rand-Grenze (500.000 Euro). Die jährlichen Betriebskosten von 15 Millionen Rand dürften auch durch andere Nutzung weitgehend gedeckt sein; die Stadt will das Stadion zudem als Joker für seine Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 nutzen.

Kapstadts Green Point Stadion wird künftig von der französisch-südafrikanischen Frima “Sail Stadefrance” betrieben. Die Stadt erhält 30 Prozent von deren Profiten, muss dafür aber den Unterhalt zahlen. Immerhin: Die Betreiber planen dort bis Ende kommenden Jahres insgesamt 18 internationale Veranstaltungen. Probleme gibt es dagegen ausgerechnet im bekanntesten und größten Stadion, Soccer City am Rande von Johannesburg. Im vergangenen Jänner hatte die Stadt einen Betreiber ernannt, der die Schüssel nach der WM in National Stadium umbenennen will.

Doch die Arena – Schauplatz von WM-Eröffnung und Finale – steht auf den Fundamenten des traditionsreichen FNB-Stadions. Die Großbank, nach der die Arena benannt wurde, macht nun alte Rechte geltend. Bis zum Jahr 2014 reichten die, behauptet die Bank – sie fordert drei Monate nach der WM die Umbenennung in FNB Soccer City.


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