Schmidinger für mehr freifinanzierte statt geförderte Wohnungen

Generaldirektor Josef Schmidinger (s Bausparkasse) sprach über geförderte und frei finanzierte Wohnungen
Generaldirektor Josef Schmidinger (s Bausparkasse) sprach über geförderte und frei finanzierte Wohnungen - © APA
Ein klares Ja für den Neubau von mehr freifinanzierten Wohnungen, die oft günstiger seien als geförderte, kam am Dienstag von s-Bausparkassen-Chef Josef Schmidinger. Damit könnten preistreibende Normen und Standards vielfach vermieden werden.

So würde mehr leistbarer Wohnraum bereitgestellt, an dem es angesichts der weiter wachsenden Bevölkerung ohnedies mangle, sagte Schmidinger am Dienstag.

“Wohnbauförderrichtlinien treiben Preise hoch”

Man könne neue Wohnungen freifinanziert für 1.800 Euro pro Quadratmeter bauen, denn die Wohnbauförderrichtlinien würden die Preise auf 2.300 Euro/m2 in die Höhe treiben. Die Ersparnis könne die Monatsmiete um 1 bis 1,5 Euro pro m2 senken, das seien bei einer 70-m2-Wohnung 70 bis knapp 110 Euro monatlich, für Menschen mit nur 1.400 Euro monatlichem Einkommen “nicht unbeträchtlich”, argumentierte der s-Bauspar-Chef im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Auch bei der Umsetzung des beim jüngsten Arbeitsmarktgipfel auf Schiene gebrachten Wohnbaupakets, das kommenden Freitag im parlamentarischen Bautenausschuss behandelt werden soll, sollte so vorgegangen werden, dass möglichst viele günstige neue Wohnungen herauskommen. “Da steht nicht drin, mit welchem Standard ich bauen muss”, so Schmidinger: “Wir brauchen leistbare Wohnungen für 400 bis 500 Euro Monatsmiete.” Das Paket sieht den Bau von 30.000 zusätzlichen Wohnungen binnen fünf Jahren für 5,75 Mrd. Euro vor.

Leistbarer Wohnraum dringend nötig

Zusätzliche Wohnungen, vor allem für Bezieher niedriger Einkommen leistbare, seien auch dringend nötig angesichts der bis 2025 wohl um rund 3 Prozent jährlich wachsenden Bevölkerung. Da gehe es um die Migration und die Integration von Menschen, gar nicht um das Flüchtlingsthema. In erster Linie gelte es, Baulandreserven zu mobilisieren. Allein in Wien seien schon Grundstücke für 35.000 bis 40.000 Wohnungen gekauft worden und großteils auch bei den Bauträgern gelandet, inklusive den bei Mehrgeschoßbauten führenden Gemeinnützigen. Würden vorhandene Grundstücke rascher baureif gemacht – häufig dauere das ein Jahrzehnt – könnten die Grundpreise sogar wieder fallen.

Die Wohnbauinvestitionen seien in Österreich laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) schon seit 2012 rückläufig, die Preise für Eigenheim-Baugrundstücke in Wien und auch bundesweit zuletzt – von 2013 auf 2014 – aber gestiegen, sie legten jedoch auch davor 2011/12 recht stark zu. Verantwortlich dafür ist laut Schmidinger, dass Kreditmittel zu wenig für den Wohnbau, sondern verstärkt für Immo-Investments, also Kaufgeschäfte, verwendet würden. Die Transaktionen am Immo-Markt wuchsen voriges Jahr von 16 auf 19,5 Mrd. Euro, die Zahl der Deals von 81.400 auf 96.200.

Schmidinger über aktuelle Zahlen zum Thema Wohnen

Die Nachfrage nach Wohnraum habe sich in ganz Österreich und auch in Wien von 2009 bis Ende 2014 fast vervierfacht. Bundesweit habe es laut OeNB-Daten in dem Zeitraum einen Anstieg von 21.200 auf 79.100 Wohnraum suchenden Menschen gegeben – zähle man noch das diesjährige Bevölkerungswachstum dazu, sei man schon jenseits von 100.000 wohnungssuchenden Personen, so Schmidinger. In Wien kletterte die Zahl der Nachfrager laut OeNB von 2009 bis 2014 von 9.200 auf 33.800.

Dass das Mietwohnungssegment offenbar “stark unterversorgt” ist, zeigt sich laut s-Bauspar-Chef auch am starken Anstieg der Mieten (ohne Betriebskosten), der seit vorigem Jahr in allen Quartalen durchwegs bei mindestens vier Prozent im Jahresabstand lag, oft auch bei 4,5 bis 5 Prozent.

(apa/red)

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