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Schlafkrankheit

Schlafkrankheit
Preisgekrönt und absolut sehenswert: Ulrich Köhlers “Schlafkrankheit” ist ein leuchtendes Beispiel für das etwas andere deutsche Kino, ein intelligentes und couragiertes Kino, jenes der Berliner Schule abseits der Mainstreamproduktionen von Til Schweiger und Konsorten.

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Das zweigeteilte Drama über die Entfremdung zweier europäischer Ärzte in einem afrikanischen Land stach im Wettbewerb der Berlinale heraus und brachte Köhler einen Silbernen Bären für die beste Regie. Auch der deutsche Filmkunstpreis ging später an den intensiv inszenierten Film, der am Freitag im Kino anläuft.

Man mag ein wenig an die französische Autorenfilmerin Claire Denis (“Chocolat”) denken, wenn man Köhlers Filme (u.a. “Bungalow”) sieht: Eine eigenwillige Handschrift, authentisch und mit sensiblem Gespür für Hauptpersonen, dabei stets direkt und ohne Umschweife, nahe dran an den Figuren und mit dem scheinbar unauffälligen Blick für die kleinen Bewegungen, Berührungen, Belastungen. Wie Denis wuchs Köhler zum Teil in Zentralafrika auf, und wie sie beschäftigt sich der deutsche Regisseur eindringlich mit der Kolonialgeschichte und der persönlichen Vergangenheit.

Im Mittelpunkt des Films steht der Mediziner Ebbo Velten, der in Kamerun ein Programm zur Bekämpfung der Schlafkrankheit leitet und die Tropenkrankheit weitgehend eingedämmt hat. Nach vielen Jahren steht für ihn und seine Familie die Rückkehr nach Deutschland bevor, schließlich soll die 14-jährige Tochter nicht ständig ins Internat abgeschoben werden. Doch dem Arzt, der in seiner neuen Umgebung Status und Ansehen genießt, ist seine einstige Heimat fremd geworden. Als seine Frau und Tochter vorfahren, wird ihm schmerzlich bewusst, dass er ihnen nicht folgen wird.

Zur Hälfte des Films wagt Köhler einen Bruch, die Leinwand bleibt schwarz: Wir befinden uns drei Jahre später in Frankreich, wo der junge dunkelhäutige Arzt Alex Nzila von der WHO den Auftrag erhält, das Schlafkrankheitsprojekt von Ebbo zu überprüfen. Als er in Kamerun ankommt, findet er seinen Kollegen als geldgebendes Oberhaupt einer neuen afrikanischen Familie und sich selbst völlig von seinen eigenen Wurzeln entfremdet vor. Es sind zwei gestrandete Männer, die Köhler fortan in ihrer ambivalenten, vielschichtigen, auch hoffnungslosen und dunklen Einsamkeit porträtiert.

Eine Art von selbstfindender Reinigung, von humanistischer Erlösung gibt es für die Hauptfiguren dennoch – wenn auch überraschender als erwartet. Pierre Bokma und Jean-Christophe Folly liefern eine beeindruckende Performance, auch Jenny Schily und Hippolyte Girardot fügen sich wunderbar in Köhlers Konzept ein. Dieses behandelt zwar von der kolonialen Vergangenheit bis zur Entwicklungshilfe, von der lokalen Korruption der Eliten bis hin zum Zwiespalt zwischen Idealismus und Statusbewusstsein sehr viele Themen. Doch die Kohärenz des Gesamtwerks hat Köhler zum Glück nie aus den Augen verloren.

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