“Schdrom”: Ernst Molden besingt auf neuem Album die Donau-Auen

Ernst Molden veröffentlicht ein neues Album
Ernst Molden veröffentlicht ein neues Album - © APA/HANS KLAUS TECHT
Im Schaffen von Ernst Molden spielte die Natur schon immer eine große Rolle. Mit seinem neuesten Album geht der Musiker aber einen Schritt weiter: Auf “Schdrom”, einem Auftragswerk für den Nationalpark Donau-Auen, besingt er die Donau und alles, was dazugehört.

“Es war ein klassischer Auftrag”, so Molden über das Projekt, das anlässlich 20 Jahre Nationalpark Donau-Auen entstanden ist. “Sie haben sich einen künstlerischen Botschafter gesucht. Da auf mich zu kommen, ist nicht so schwer. Es ist recht bekannt, was für ein eingefleischter Donaufreak ich bin”, hielt Molden fest.

Molden über das Album: “Meine Sixtinische Kapelle”

Über die Anfrage von Nationalparkdirektor Carl Manzano habe er sich trotzdem “wahnsinnig gefreut. Irgendwie ist diese Arbeit meine Sixtinische Kapelle.” Ein großes Vorhaben in vornehmlich flüssiger Form: Denn ganz dem Thema entsprechend, gefallen sich die zwölf Songs als großteils im akustischen Soundkleid daherkommende Abhandlungen über Wasser, Wald und allerlei Getier.

“Seit Bubentagen bin ich einfach wahnsinnig gern am Donauufer”, meinte Molden über seinen Beziehung zum großen Strom. “Ob jetzt Frösche fangend wie damals oder Lieder schreibend wie jetzt, ist eigentlich egal.” Die Inspirationssuche für Stücke wie “Gaunz en da Frua” oder “Mei Baam” sei ihm dementsprechend leicht gefallen: “Circa habe ich schon gewusst, was es wo zu finden gibt. Ich wollte den Wald und das Wasser, aber auch die Viecher und die Menschen.” Letztere tauchen auf “Schdrom” in unterschiedlichen Formen auf, entweder als “Fischa” oder als “Legionär vom Kaiser in Rom”, der sich seit 2.000 Jahren im Wald herumschlägt.

“Schdrom”: Für Freunde und Skeptiker der Donau-Auen

Molden teilt dabei die Menschheit in “Au-Freunde und Au-Skeptiker, wobei ich fürchte, dass die zweite Gruppe eine Spur größer ist”. Für “Schdrom” hat er sich beiden Gruppen in gewisser Weise angenommen. Hier kämen “Liebende dieser Landschaft ebenso vor wie Figuren, die zu dieser Landschaft irgendwie verurteilt wurden. Da sind die Gespenster der Legionäre, aber auch die Gelsenopfer von heute dabei.” Wer sich vom lästigen Summen in Sommermonaten nicht retten kann, dem wird “Dausnd Göösn” klarerweise nur zu bekannt vorkommen.

Mit der Donau als inhaltlicher Klammer sei das Arbeiten natürlich anders als bei den Vorgängerplatten gewesen. Durch einen Rahmen als Vorgabe werde es “straffer, in vielen Fällen wohl auch unfreier”, glaubt Molden. “Bei diesem Projekt war das aber nicht der Fall. Es ist halt mein Lieblingsthema. Noch lieber schreibe ich nur Lovesongs an meine Frau.” Die Zuneigung zum tiefen Blau ist dem Musiker anzuhören: Sehr bewusst werden hier Stimmungen evoziert, dient die instrumentale Reduktion teilweise einer Fokussierung auf Melodie und Atmosphäre, darf es dann aber doch auch groovig sprühen wie bei den “Wuazln”.

Ernst Molden-Support: Willi Resetarits, Walther Soyka und Hannes Wirth

Unterstützung erhielt er neuerlich von langjährigen Mitstreitern wie Willi Resetarits, Walther Soyka und Hannes Wirth. “Das Arbeiten wird dadurch nicht schwerer”, meinte Molden auf die Frage, wie befreiend ein eingespieltes Team für den Entstehungsprozess ist. Eine neue Stimme fügte Saxofonist Andrej Prozorov hinzu. “Er kommt aus Odessa, also daher, wo die Donau hin will. Sein Sound auf dieser Platte ist ganz entscheidend. Er hat eine wehmütige Sehnsucht in seinem Instrument, die uns andere alle zu Tränen rührt, jedes Mal wenn wir das spielen.” Vom Wasser zum Wasser quasi.

Am 8. Juni gibt es die Wien-Premiere von “Schdrom” im Stadtsaal. Weitere Konzerttermine von Ernst Molden sind hier zu finden.

(Die Fragen stellte Christoph Griessner/APA)

>>Stadtbetrachtungen eines Flaneurs: “Wien Mitte” von Ernst Molden

(apa/red)

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