Saliera: Harte Kritik von Ex-KHM-Chef

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Seipel & die Saliera. &copy APA
Seipel & die Saliera. © APA
Harte Kritik von Ex-KHM-Chef Filitz in der Causa Saliera – “Ich wäre zurückgetreten” – Seipels Vorgänger kritisiert im „Standard“-Interview Sicherheitsmaßnahmen und Aufstellung scharf.

Hermann Filitz, Ex-Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM), übt in einem Interview mit dem „Standard“ von Samstag scharfe Kritik an seinem Nachfolger Wilfried Seipel. Filitz kritisiert die Sicherheitsmaßnahmen für die Saliera und den Umgang mit der Skulptur ebenso wie die Aufstellung der Sammlung. Wäre die Saliera unter seiner Leitung gestohlen worden, wäre er „am nächsten Tag zurückgetreten“, so Filitz. “ In Frankreich wären sogar zwei Leute ihren Posten los. Der Direktor und auch der Minister.“

Obergeschoss nicht für Skulpturen ausgerüstet

Die Saliera hätte laut Filitz ohne zusätzlichen Schutz nicht in der Gemäldegalerie aufgestellt werden dürfen, da das Obergeschoss nur für Bilder, nicht für Skulpturen bestimmt gewesen sei. Deshalb gebe es dort eine Hängesicherung. In dem Moment, wo man ein Bild berühre, gehe der Alarm los. Die Saliera hätte hingegen eine Vitrine aus Panzerglas mit einer Bodensicherung benötigt. „Und wenn die Sicherung trotz des Gerüsts nicht verstärkt werden konnte: Wie kann ich das teuerste Objekt genau dorthin stellen?“, fragt Filitz.

Generaldirektor Wilfried Seipel habe sich jedoch geweigert, einen Glassturz aus Sicherheitsglas machen zu lassen, wird Manfred Leithe-Jasper, Ex-Chef der Kunstkammer, zitiert. Auch die Forderung nach einer ständigen Bewachung sei abgelehnt worden.

“Ich habe nur gelacht”

Filitz kritisiert auch den Umgang mit der wieder gefundenen Skulptur, die bei der Präsentation mit bloßen Händen angegriffen worden war. „Und der Direktor selbst hat den Dreizack hineingesteckt, wo man doch weiß, dass die Saliera ein heikles Objekt ist: Ich habe nur gelacht, wie ich das sah.“ Auch die „unlogische Aufstellung“, die Zusammenhänge zwischen einzelnen Kunstwerken verschleiere, stimmt seinen Vorgänger „traurig“. Als Beispiel nennt er zwei spätantike Elfenbeintafeln, die durch Bänder miteinander verbunden waren und jetzt in zwei verschiedenen Vitrinen ausgestellt seien. „Wie soll ein normaler Besucher begreifen, dass es sich um ein Diptychon handelt?“

Auch zu einem eventuellen Ankauf der fünf Klimt-Bilder durch Österreich äußert sich Filitz. Es sei falsch, „dass man zuerst anfragt, was alle fünf Bilder kosten, um sich erst danach zu fragen, was man kaufen will“, meint er. „Richtig wäre: Die Fachleute sagen zuerst ganz klar, was das Belvedere braucht. Mit diesem Ergebnis tritt man in die Verhandlungen. Und dann muss man schauen, wie man das Geld aufbringt. Dass die verlangten Preise jemand zahlt, ist gar keine Frage. Ronald Lauder (US-Geschäftsmann und Kunstsammler, Anm.) zahlt den Betrag mit der linken Hand. Er wartet sicher nur darauf, dass er ein Porträt ankaufen darf!“

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