Sänger Thees Uhlmann geht unter die Autoren: “Sophia, der Tod und ich”

Musiker Thees Uhlmann ist unter die Autoren gegangen: "Sophia, der Tod und ich"
Musiker Thees Uhlmann ist unter die Autoren gegangen: "Sophia, der Tod und ich" - © Kiepenheuer & Witsch / APA/HERBERT PFARRHOFER
Wenn sich ein Altenpfleger, seine Ex-Freundin und der Sensenmann im Norden Deutschlands auf einen Roadtrip begeben: Thees Uhlmann hat einen Roman geschrieben. “Sophia, der Tod und ich” ist unser Buch-Tipp der Woche.

“Ich will wie die Olympia-Eröffnung von London sein”, sagte der Musiker über seine Ambitionen. “Die konnten sich Hafenarbeiter anschauen, aber auch Kulturhistoriker – mit der gleichen Begeisterung.”

Unterhaltungsroman eines erfolgreichen Musikers

Fans lieben Thees Uhlmann, Sänger und Gitarrist von Tomte sowie zuletzt als Solomusiker erfolgreich, wegen seiner Rocksongs mit originellen Texten (“Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf”). Über sein am Freitag erscheinendes Romandebüt (2000 kamen seine ursprünglich online publizierten Tocotronic-Tourtagebücher als Paperback in den Handel) meinte der 41-Jährige: “Das soll ein Unterhaltungsroman amerikanischer Prägung sein.” Tragik und Humor gehen Hand in Hand, wenn sich das ungewöhnliche Protagonisten-Trio auf den Weg macht, den Sohn des todgeweihten Erzählers zu besuchen.

“Ich habe versucht, die Dialoge so zu schreiben, wie sich die Leute im Norden Deutschlands tatsächlich unterhalten”, betonte Uhlmann. “Wenn ich die Geschwindigkeit rausnehmen wollte, dann schrieb ich so, wie man denkt. Wie meine Tochter einmal gesagt hat: ‘Wenn mein Mund nicht mehr redet, redet mein Gehirn weiter.'”

Roman-Einstieg stand schon lange fest

Der erste Satz des Romans – “Es klingelte an der Tür, und im Treppenhaus roch es nach frisch gebrühtem Kaffee.” – war laut Uhlmann Ausgangspunkt des gesamten literarischen Unternehmens: “Mein erster Mitbewohner in Hamburg hat gesagt: ‘Wenn ich einmal ein Buch schreibe, dann fängt es so an.’ Ich hatte immer diesen Ehrgeiz, diesen Satz irgendwann zum Leben erwecken. Der Rest ist mir beim Schreiben eingefallen.”

Seine Lehrer hätten dem jungen Thees wohl noch keine schriftstellerischen Fähigkeiten zugetraut. “Beim Diktat in der letzten Klasse hatte ich eine Sechs”, erinnerte sich Uhlmann an die Schulzeit. “Kommasetzung? Ich habe das Wort Komma nur gehört und mein Gehirn hat angefangen zu knuspern! Wie schreibt man dies oder jenes? Ich wusste es nicht! Ich habe mich damals so doll für Metallica interessiert, dass ich an so was überhaupt nicht denken konnte.”

Thees Uhlmann unterschrieb vor zwölf Jahren Buchvertrag

Als er aber später Anmerkungen für die Plattencover von Tomte verfasste, gestand ihm seine Lektorin Talent zu. “Sie sagte: ‘Thees, wer so was kann, kann auch ein Buch schreiben.'” Also unterzeichnete Uhlmann vor zwölf Jahren einen Buchvertrag, ohne vom eigenen Talent überzeugt zu sein: “Aber ich habe einen Vorschuss bekommen! Das war gut. Allerdings folgte lange kein Buch.” Die musikalische Karriere ging vor.

“Sophie, der Tod und ich” darf man durchaus als “typisch Uhlmann” beschreiben. “Man hat natürlich seine Palette, auf die man bei der Farbgebung zurückgreift”, betonte dieser. “Aber viel wichtiger ist, dass ich als Altenpfleger gearbeitet habe und mein Vater seit längerem im Altersheim ist. Das sind Sachen, bei denen ich mich auskenne. Wann ist schon ein Altenpfleger in einem Buch aufgetaucht? Es war mir ein Anliegen, Leute zu beschreiben, die sonst nicht in Büchern vorkommen. Das ist dann schon wieder so ein Uhlmann-Ding, der die Kassierin an Kasse zwei interessanter findet als den Lifestyle von Mötley Crüe.”

“Sophia, der Tod und ich”: Inspiration in Wien

Inspiration suchte Uhlmann in Wien. “Ich war im Bestattungsmuseum, bin durch den Zentralfriedhof spaziert. Sehr interessant. Hat für das Buch zwar nicht viel gebracht, aber schön.” Am Montag (12. Oktober) kommt er wieder in die Bundeshauptstadt und hält im Stadtsaal unter dem Motto “Der Tod gibt sich die Ehre und bringt Leben in die Bude” eine Lesung. “Ich freu mich darauf, zum ersten Mal nach 20 Jahren ohne so einen Holzkasten vor der Brust aufzutreten”, grinste der Künstler.

Thees Uhlmann: “Sophia, der Tod und Ich”, Kiepenheuer & Witsch, gebunden, 320 Seiten, 16,90 Euro

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(apa/red)

 

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