S45-Unglück in Wien-Penzing: Fahrdienstleiter war “überfordert”

Bei dem Unglück 2013 wurden mehrere Fahrgäste verletzt.
Bei dem Unglück 2013 wurden mehrere Fahrgäste verletzt. - © APA
Mehr als zwei Jahre nach der Kollision zweier S-Bahngarnituren auf der Vorortelinie in Penzing liegt laut “Kurier” (Samstagausgabe) der Abschlussbericht der Unfallkommission vor. Demnach war der Fahrdienstleiter, der irrtümlich ein Gleis freigegeben hatte, “überfordert”, es habe aber auch technische Mängel gegeben.

Bei dem Unglück wurden mehr als 40 Personen verletzt.

Der Unfall hatte sich am 21. Jänner 2013 ereignet. Der Fahrdienstleiter, der laut “Kurier” im Zuge einer Diversion 3.500 Euro zu bezahlen hatte, sei “auf Grund der Vielzahl und gleichzeitig zu erledigenden Aufgaben überfordert” gewesen. Dem Bericht zufolge wird seine Belastung für den Normalbetrieb auf einer Skala von 1 bis 10 mit “8” und für den Störungsfall mit “10” angegeben.

Störungsfälle an der S-Bahn

Störungsfälle dürfe es dem Bericht zufolge häufig gegeben haben: Laut “Kurier” wurden in rund sieben Monaten vor dem Unglück 201 Störungen an sicherheitstechnischen Einrichtungen registriert, 133 davon betrafen Weichen oder Weichensignale. Allein am Unglückstag seien es fünf gewesen. Außerdem seien Gleise eingespart worden, ohne eine Risikoanalyse zu erstellen. Laut Aussage des Fahrdienstleiters habe es zu keinem Zeitpunkt praktische Störfalltrainings gegeben, so der “Kurier”. Die Anlage habe auch keine akustischen Warnsignale gehabt.

“Mit einer modernen Sicherungsanlage hätte sich der Unfall keinesfalls ereignen können. Eine Modernisierung sei aber aufgrund anderweitiger Investitionen drei bis vier Mal zurückgestellt worden. Der Fahrdienstleiter hätte nicht nur die Sicherungsanlage zu bedienen, sondern auch den Bahnsteig beobachten und Durchsagen machen müssen. Diese Belastung sei unmenschlich”, heißt es in der Zeitung.

ÖBB weisen Vorwürfe zurück

Die ÖBB hätten die Vorwürfe gegenüber dem “Kurier” zurückgewiesen. “Bei den ÖBB hat Sicherheit oberste Priorität”, wurdet Sprecher Michael Braun zitiert. “Sicherungsanlagen wie jene in Penzing sind an vielen Teilstrecken im Einsatz, sie sind im Betrieb zuverlässig.” Die vielen Störungen gebe es nur, weil die ÖBB “jedes kleinste Vorkommnis bis hin zum durchgebrannten Lämpchen” dokumentiere.

Es wurde zwar bisher kein zweiter Fahrdienstleiter in Penzing installiert, aber der jeweils Diensthabende ist nicht mehr für die Zugbeobachtung zuständig und hat keine Fahrgastkontakte mehr. Die Sicherungsanlage im Bahnhof Hütteldorf sei ausgetauscht worden.

(APA)

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