Russische Bikergang plant Zeremonie vor sowjetischen Denkmal in Wien

"Russendenkmal" am Schwarzenbergplatz wurde unlängst noch mit Farbe beschmiert
"Russendenkmal" am Schwarzenbergplatz wurde unlängst noch mit Farbe beschmiert - © APA
Über Weißrussland, Polen, die Slowakei, Österreich und Tschechien nach Berlin geht die Tour des patriotischen russischen Bikerclubs “Nachtwölfe”. Sie begehen damit nicht nur die die 70. Wiederkehr des Kriegsendes, sondern sorgen in Osteuropa damit für Kritik. Eine für den 2. oder 3. Mai geplante Zeremonie der Kreml-nahen Biker am sowjetischen Denkmal in Wien ist bisher nicht als Veranstaltung angemeldet worden.

“Die Motorradtour beginnt am 25. April, einem wunderbaren Tag der Geschichte des Sieges: An diesem Tag 1945 schloss sich der Belagerungsring der Roten Armee um das faschistische Berlin”, schreiben die “Nachtwölfe” auf ihrer Homepage. Von insgesamt 6.000 Straßenkilometern ist die Rede, nach dem Aufbruch in Moskau solle die Route über die weißrussischen Städte Minsk und Brest, das polnische Wroclaw, Brno in Tschechien, die slowakische Hauptstadt Bratislava, Wien, München, Prag und Torgau in Deutschland bis nach Berlin führen. Am 9. Mai, dem sowjetischen Tag des Sieges, wollen die Motorradfahrer in Berlin abschließend Kränze am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park niederlegen.

Zeremonie vor sowjetischen Denkmal in Wien geplant

Zuvor wollten die Nachtwölfe während eines Aufenthaltes in Österreichs, der für den 2. und 3. Mai geplant ist, das sowjetische Kriegerdenkmal am Schwarzenbergplatz in Wien besuchen. Auf APA-Nachfrage wollte eine Pressesprecherin der “Nachtwölfe” keine weiteren Details über den österreichischen Teil der Route nennen, auch zur Anzahl der mitfahrenden Teilnehmer sagte sie nichts. Die Botschaft der Russischen Föderation in Wien, so ein Vertreter zur APA, habe am Wochenende das Innen- und Außenministerium in Wien über das Vorhaben von Motorradfahrern aus Russland informiert, die am Schwarzenbergplatz das Andenken gefallener Rotarmisten würdigen wollen.

“Nachtwölfe”-Versammlung sei noch nicht angezeigt

In der Landespolizeidirektion Wien, so erklärt eine Polizeisprecherin, sei man über den Plan der Biker informiert worden, betont jedoch, dass bisher keine diesbezügliche Versammlung angezeigt worden sei: “Dies kann jedoch noch bis 24 Stunden vor der Veranstaltung gemacht werden.” Das Wiener Außenministerium erkundigte sich seinerseits zunächst bei der österreichischen Botschaft in Moskau über die Organisatoren der Rundreise.

Putin als Freund Russlands ältester Bikergang

Bei den “Nachtwölfen”, die laut eigenen Angaben im Mai 1989 gegründet wurden, handelt es sich formal um einen der ältesten Motorradklubs Russlands. Obwohl seine Mitglieder wiederholt in Konflikte involviert waren, die Querbezüge zur organisierten Kriminalität vermuten lassen, hat sich der Klub in den vergangenen Jahren in eine staatsnahe Institution verwandelt: Nicht nur, dass sich Wladimir Putin in vergangenen Jahren häufig mit und neben “Chirurg”, dem Biker-Anführer Aleksandr Saldostanow, zeigte. Der äußerst medienbewusste Saldostanow, der kürzlich eine russische “Antimaidan”-Bewegung mitbegründete, gilt zudem als gewiefter Kommunikator eines imperial anmutenden, russischen Patriotismus.

Gang unterstützt Separatisten im Osten

Nachdem Mitglieder des Klubs bei der Annexion der Halbinsel Krim ab Ende Februar 2014 als Paramilitärs aufgetreten waren, machen die “Nachtwölfe” derzeit auch kein Hehl aus ihrer aktiven Unterstützung von Separatisten im Osten der Ukraine. Gerade auch deshalb setzten die USA die – so die offizielle Bezeichnung – “Autonome Nichtkommerzielle Jugendorganisation Nachtwölfe” und “Chirurg”-Saldostanow als Person vergangenen Dezember auf eine Ukraine-bezogene Sanktionsliste.

Geplante Fahrt sorgt für Proteste

Ob Saldostanow selbst nach Berlin mitfahren will ist derzeit unklar. Sein Name und auch die “Nachtwölfe” finden sich in der EU derzeit auf keinen Sperrlisten. Angesichts ihrer Ukraine-Aktivitäten und Putin-Affinität der Gruppe sorgt die geplante Fahrt für Proteste – außerhalb Österreichs und insbesondere in ehemals sozialistischen Staaten Osteuropas.

Blockade durch polnische Biker

Polnische Biker kündigten eine Blockade gegen ihre russischen Kollegen an. Jacek Rostowski, ein Berater des polnischen Premierministers, plädierte am Sonntag in einem Fernsehinterview, Mitglieder der “Nachtwölfe” nicht nach Polen einreisen zu lassen. Tschechiens Außenminister schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter von einer “Provokation” und kündigte an, bei der Durchreise der Gruppe kontrollieren zu wollen, ob tschechische Gesetze eingehalten würden. Und laut Angaben der deutschen Tageszeitung “Die Welt” wollen die zuständigen Behörden für eine “Nachtwölfe”-Konvoifahrt in Berlin keine Bewilligung erteilen.

(APA/Red.)

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