Rückkehr nach Montauk – Trailer und Kritik zum Film

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Rückkehr nach Montauk – Trailer und Kritik zum Film
Es gibt ein paar Dinge, die in diesem Film irritieren, letztlich aber den Gesamteindruck nicht trüben. Schon die erste Szene überrascht: Eine Autorenlesung, doch der Schriftsteller liest nicht, er spricht frei, während er das offene Buch vor sich hält. “Rückkehr nach Montauk”, Volker Schlöndorffs neues Werk, das heuer bei der Berlinale im Wettbewerb gelaufen ist, kommt nun ins Kino.

Die zweite Irritation liegt in der Person des Schriftstellers selbst, der von Stellan Skarsgard gespielt wird. Skarsgard mag ein witziger Schneepflugfahrer sein oder ein verlässlicher Zuhörer für Lebensbeichten, wie in zwei Filmen bei der Berlinale des Jahres 2015 – hier aber scheint er vom Typ her fehlbesetzt: Die Aura des gefeierten Schriftstellers, der die Herzen junger Frauen mit seinem Charme im Nu erobern kann, vermittelt er nicht.

Rückkehr nach Montauk – Die Handlung

Skarsgard gibt in der Verfilmung der Max-Frisch-Erzählung den Autor Max Zorn als eigenwilligen, bisweilen mürrischen älteren Herrn ohne größere Weltläufigkeit und frei von Starallüren. Er wird zur Premiere seines neuen Romans nach New York eingeladen, wo seine junge Freundin für seinen amerikanischen Verlag arbeitet und im Publikum mit großer Anteilnahme seine Lesung mit verfolgt. Doch Zorn hat anderes vor: Er will seine ehemalige Geliebte Rebecca wiedertreffen, die in der Stadt lebt und als Anwältin arbeitet. Der Schriftsteller möchte die vor 17 Jahren beendete Beziehung zu ihr wiederbeleben und fährt mit Rebecca nach Montauk am äußersten Ende von Long Island, wo sie einst glückliche Stunden verlebten. Allerdings ist inzwischen zu viel bei beiden passiert, um sie nochmals so unbeschwert wie damals zusammenkommen zu lassen.

Rückkehr nach Montauk – Die Kritik

Stellan Skarsgard hat zwei eindrucksvolle Frauen an seiner Seite: Zum einen die dem Schriftsteller in aufopfernder Liebe ergebene Clara (Susanne Wolff), zum anderen die erfolgreiche Anwältin Rebecca Epstein (Nina Hoss), die ihren beruflichen Eifer wie einen Schutzpanzer vor ihre verletzte Seele stellt. Hoss hat große Momente bei der Aussprache am windigen Strand von Montauk, als das aus ihr herausbricht, was in den vergangenen Jahren ihr Leben und ihr Denken bestimmt, auch das, was sie einst dem Autor Max Zorn nicht sagen konnte. Während Clara immer stärker erkennt, dass der aktuelle Roman ihres Partners über eine vergangene Liebe autobiografischen Charakter hat und um eine andere Frau kreist, ist für diesen der neuerliche Besuch von Montauk eine Reise zur Selbsterkenntnis. Indem sich Rebecca dem Wunsch von Max Zorn nach einem Neubeginn verweigert, muss er erkennen, wie sehr sich diese Frau in den Jahren seither von ihm entfernt hat, wie oberflächlich er selbst mit dieser Beziehung umgegangen ist.

Volker Schlöndorff ließ sich für seine neueste Arbeit von Frischs Erzählung “Montauk” inspirieren, ließ nach der Berlinale-Premiere aber durchblicken, dass sein Streifen durchaus auch autobiografische Züge enthält. Ihm ist mit “Die Reise nach Montauk” ein stimmungsvoller, etwas melancholischer Film über die Liebe nach der Liebe gelungen, über Partnerschaft, Selbstbezogenheit und die Unmöglichkeit emotionaler Wiederholung. Es ist auch ein Film über die Erkenntnis in den Jahren des Alterns und das mit klugen Dialogen.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Rückkehr nach Montauk”

(APA)

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