Rucksacktouristen: Begräbnis nach Ostern

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Mütter der Ermordeten. &copy APA
Mütter der Ermordeten. © APA
Die zwei ermordeten Rucksacktouristen aus Wien werden eine Woche nach Ostern begraben – „Sie waren sehr verantwortungsvoll“ – „Ohne eigenes ’Search and Rescue’-Team wüssten wir nichts“.

Die Studenten Katharina Koller und Peter Kirsten Rabitsch befanden sich auf einer Weltreise durch Nord- und Südamerika. „Peter und Katharina waren sehr verantwortungsvolle Rucksacktouristen. Aber sie sahen die Gefahr nicht, die vom organisierten Verbrechen in Bolivien und den hohen Geldsummen bei der Verwendung von Bankkarten ausgeht“, betonte der Privatermittler Hilik Magnus bei einer Pressekonferenz der Angehörigen am Samstag in Wien.

„Mein Sohn war unfassbar menschenfreundlich, er ist auf alle zugegangen. Er hat ein Lächeln auf alle Lippen gebracht“, sagte Hermann Rabitsch, der Vater von Peter. „Ich habe zehn Wochen hinter mir, die man sich nicht vorstellen kann. Jeden Tag eine andere Horrormeldung, und diese Machtlosigkeit“, sagte Bernhard Koller, Vater von Katharina. Die beiden seien nicht unvorsichtig gewesen. „Sie waren auf einem Touristentrampelpfad unterwegs!“

„Wir werden die Kinder eine Woche nach Ostern gemeinsam in Wien begraben“, sagte Bernhard Koller. „Das waren zwei Menschen an einem gemeinsamen Lebensweg und mit einer guten Zukunft vor sich. Und dann kommen solche Idioten daher und bringen zwei Menschen um, für nichts und wieder nichts.“ „Für Geld“, ergänzte seine Frau Christine.

Angehörige sorgten selbst für “Search and Rescue”-Team

„Wir haben noch das Glück gehabt, dass wir uns ein ’Search and Rescue’-Team leisten konnten“, sagte Katharina Kollers Schwester Barbara. „Sonst würden wir gar nichts wissen.“ Die Angehörigen wünschen sich, dass solche Angebote künftig in Reiseversicherungen aufgenommen werden. „Denn so schwer es ist, aber wir können es beenden. Wenn man das nicht kann, wird man wahrscheinlich wahnsinnig“, so Barbara Koller.

Beide Familien und Hilik Magnus lobten die Zusammenarbeit und das Engagement der heimischen Behörden, besonders der Vertreter vom Außenministerium und des Innenministeriums, das sogar zwei Polizisten nach Bolivien entsandt hatte. Auch die bolivianische Vertretung in Wien habe ihr Möglichstes getan. Die neue Regierung in Bolivien und die Spitzen des Polizei- und Justizapparats in dem Land bemühten sich, mit Filz und Korruption aufzuräumen, betonte Magnus.

„Ein Restrisiko bleibt, egal wo man heute hinfährt“, sagte Peter Launsky-Tieffenthal, Leiter des Bürgerservice im Wiener Außenministerium. Seine Abteilung bietet im Fall des Falles Unterstützung für jene fünf Millionen Österreich an, die jährlich ins Ausland reisen.

Im virtuellen Kondolenzbuch im Internet hatten sich bis Samstagnachmittag mehr als 700 Menschen eingetragen. „Ich bin sehr dankbar für die vielen Schreiben, weil es für mich eine große Last ist, dass sie auf so grauenvolle Weise ums Leben gekommen sind“, sagte Joana Krizanits.

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