Rotlicht-Boss: Mögliche Enthaftung noch vor Prozessbeginn

Der mutmaßliche Rotlicht-Boss soll sogar noch vor seinem Prozessbeginn frei kommen.
Der mutmaßliche Rotlicht-Boss soll sogar noch vor seinem Prozessbeginn frei kommen. - © dpa/Boris Roessler
Der mutmaßliche Boss des Rotlichtmilieus am Wiener Gürtel, Richard St., könnte noch vor seinem anstehenden Prozess auf freien Fuß kommen.

Der mutmaßliche Wiener Gürtel-Boss, gegen den eine “Mafia-Anklage” eingebracht wurde, könnte unter Umständen noch vor dem Prozess auf freien Fuß kommen. Wenn nicht bis spätestens Anfang April die Hauptverhandlung gegen den 41-jährigen Richard St. beginnt, muss er sogar freigelassen werden, da er schon seit April 2010 in U-Haft sitzt.

Rotlicht-Boss könnte auf freien Fuß kommen

“Wenn es um Verbrechen geht, die mit einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind, darf die U-Haft nicht länger als zwei Jahre dauern”, bestätigte der Sprecher des Wiener Oberlandesgerichts (OLG), Leo Levnaic-Iwanski, am Mittwochnachmittag. Kann innerhalb dieser Frist gegen einen Verdächtigen keine gerichtliche Hauptverhandlung eröffnet werden, ist dieser bei Ablauf der Frist auf freien Fuß zu setzen.

Angelastet werden dem mutmaßlichen Gürtel-Boss die Bildung einer kriminellen Organisation, Schutzgelderpressungen, das Schmieden eines Mordkomplotts und Anstiftungen zu absichtlichen schweren Körperverletzungen.

Mutmaßlicher Rotlicht-Boss Richard St. seit April 2010 in U-Haft

Richard St. war am 4. April 2010 bei seiner Ankunft aus der Dominikanischen Republik am Münchner Flughafen verhaftet und nach seiner Überstellung nach Wien in U-Haft genommen worden. Seither ermittelte die Staatsanwaltschaft Wien fieberhaft gegen den Rotlicht-Capo, tat sich mit dem Sammeln von belastendem Beweismaterial allerdings schwer, weil es der Bande um Richard St. gelungen sei, “die durch die strafbaren Handlungen geschädigten Personen einzuschüchtern”, wie Staatsanwältin Kerbl-Cortella in ihrer Anklage schreibt. Aus Angst vor körperlichen Misshandlungen und Lokalzerstörungen hätten einige Betroffene nicht gegen Richard St. ausgesagt, was den Fortgang der Ermittlungen verzögerte.

Sollte Verteidiger Christian Werner, der neben mutmaßlichen Rotlicht-Boss noch drei von insgesamt fünf Mitangeklagten vertritt, die Anklage beeinspruchen – die dafür vorgesehene Frist läuft am 1. Februar aus -, “müsste die Justiz ziemlich um die Einhaltung der für die U-Haft maßgeblichen Zwei-Jahres-Frist kämpfen”, räumte OLG-Sprecher Levnaic-Iwanksi ein: Bis Anfang April hätte zunächst ein OLG-Senat über die Rechtmäßigkeit der Anklage zu entscheiden, was zumindest ein paar Wochen in Anspruch nehmen dürfte.

U-Haft kann auch länger als zwei Jahre dauern

Befindet sich das Strafverfahren gegen einen U-Häftling einmal im Hauptverhandlungs-Stadium, sind übrigens konkrete Fristen nicht mehr zu beachten. Die Dauer der U-Haft muss dann lediglich in einem angemessenen Verhältnis zur Höhe der zu erwartenden Strafe stehen – ein Passus, den etwa der ehemalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner zu spüren bekommen hat. Bis zum Zeitpunkt der rechtskräftigen Erledigung seines Strafverfahrens hat Elsner über viereinhalb Jahre in der U-Haft verbracht. Möglicherweise könnte dem mutmaßlichen Rotlicht-Boss das selbe Schicksal blühen.

(apa/red)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen
Werbung