Roofing in Wien: Sky Joker im Interview über sein lebensgefährliches Hobby

Von Daniela Herger
Der junge Roofer Sky Joker liebt es, wenn ihm die Stadt zu Füßen liegt
Der junge Roofer Sky Joker liebt es, wenn ihm die Stadt zu Füßen liegt - © Sky Joker
Roofer klettern nachts auf die höchsten Gebäude der Stadt, wagen sich ungesichert in schwindelerregende Höhen und riskieren ihr Leben für den Adrenalinkick. VIENNA.at hat mit Szene-Größe “Sky Joker” über die Faszination hinter dem lebensgefährlichen Hobby, sein Zusammentreffen mit Polizisten und seine waghalsigsten Aktionen in Wien gesprochen.

Jener junge Mann, der sich selbst “Sky Joker” nennt und unter diesem Synonym auch auf Facebook sehr umtriebig ist, ist in Wien kein Unbekannter – er frönt dem halsbrecherischen Hobby des Roofing, bei dem man ohne Sicherung heimlich auf schwindelerregend hohe Gebäude klettert und beeindruckende Selfies aus luftiger Höhe schießt.

Nachts auf die Votivkirche – und das völlig ohne Angst

Immer wieder tauchten in verschiedenen Medien Bilder von Aktionen des jungen Roofers auf, der mit seinen gerade einmal 22 Jahren vor nichts Angst zu haben scheint. Auch VIENNA.at erhielt schon Einblicke in sein nächtliches Treiben, als er beispielsweise die Votivkirche erklomm und uns Bilder der atemberaubenden Aussicht vom Dach des Gotteshauses zukommen ließ. Nun gab uns “Sky Joker” ein exklusives Interview, um seine oft missverstandene Freizeitaktivität besser begreiflich zu machen.

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Ein Leben am Limit: “Sky Joker” erklärt die Faszination Roofing

VIENNA.at: Was verstehst du unter Roofing?

Sky Joker: Roofing ist eine Extremsportart. Es ist besonders populär in Russland und der Ukraine. Man klettert ungesichert auf hohe Bauwerke wie Brücken, Wolkenkratzer oder Kirchtürme. Hoch oben werden dann Bilder gemacht von Stunts oder einfach so, Fotos oder Videos von sich selbst. In meinem Fall waren es die Votivkirche mit 100 Meter Höhe und das höchste Bauwerk Österreichs, der DC Tower mit 250 Metern. Das war bis jetzt mein allerhöchstes Ziel.

Um ehrlich zu sein, ich sehe mich nicht als einen klassischen Roofer. Ich habe schon Dinge getan, die nichts mit dem Roofing zu tun haben, wie z.B. das Runterhängen von einem Hochhaus oder das Balancieren am Geländer. Sowas machen normale Roofer nicht. Und ich mache das auch nur, wenn ich Lust drauf habe – und wenn ich an dem Tag eine gewisse Unsicherheit spüre, dann lasse ich es sein.

Warum gerade Roofing – warum nicht z.B. Bungee Jumping oder Fallschirmspringen? Wie bist du auf dieses nicht ganz ungefährliche Hobby gekommen?

Wie es bei mir mit dem Roofing angefangen hat? Ich bin selbst überrascht, wie das passieren konnte. Es hat sich einfach so ergeben. Man kann auch bei Bungee Jumping oder Fallschirmspringen nicht sagen, dass eine dieser Sportarten hundertprozentig sicher ist. Es kann immer was passieren. Meine Extremsportart ist eben das freie Klettern ohne Sicherung. Man ist ganz auf sich allein gestellt. Eine falsche Bewegung oder ein falscher Fußtritt kann fatale Folgen haben. Aber das ist eben meins.

Warum steigst du gerne in schwindel erregende Höhen hinauf und riskierst dabei dein Leben? Was ist der Reiz am Roofing?

Ich weiß nicht, das kann ich Ihnen leider wirklich nicht sagen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber jeder hat einen eigenen Grund, warum er das macht. Bei mir ist das halt so: Ich muss das nicht machen. Ich mache das nur, weil ich es kann und weil ich schwindelfrei bin. Es besteht immer die Gefahr, abzustürzen. Was den Reiz irgendwie ausmacht, ist das Spiel mit dem Tod.

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Wenn ein Einzelgänger zum “Roofer” wird

Machst du das immer allein oder gehst du auch mit Freunden “roofen”?

Ich bin schon eher ein Einzelgänger. Ich bin gerne alleine unterwegs. Man fühlt sich dabei sicherer. Ich bekomme oft Nachrichten von Leuten, die das interessiert, die schreiben mir, dass sie gerne mit mir irgendwo klettern möchten. Selten mache ich eine Ausnahme und nehme jemanden mit. Meist ignoriere ich die Nachrichten einfach, denn viele kommen von ganz jungen Leuten im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, die das ausprobieren wollen. Ich selbst bin 22 Jahre alt. Viele schätzen mich jünger – wahrscheinlich deshalb die Nachrichten von Jugendlichen, die glauben, ich bin wie sie.

Wie verschaffst du dir Zutritt zu den Objekten?

Nur fürs Protokoll: Ich verwende keine Werkzeuge, keine Dietriche und breche keine Schlösser auf. Ich weiß, sowas ist strafbar und kann angezeigt werden. Ich klettere meistens an Fassaden oder Baugerüsten, wo man offensichtlich gesehen werden kann. Aber mir macht das nichts aus, weil ich habe nichts zu verbergen. Ich schaue immer, ob es eine Möglichkeit gibt, hochzukommen – ansonsten lasse ich es sein.

Wie wählst du die Gebäude aus, auf die du klettern möchtest?

Ich suche keine bestimmten Ziele, es passiert einfach spontan. Ich bin sehr konzentriert und vorsichtig, dass nichts beschädigt wird.

Übst du das irgendwo, bevor du auf ein hohes Gebäude wie die Votivkirche kletterst?

Nein, nicht wirklich. Also ich mache schon Sport – aber nicht speziell für das Klettern. Was ich aber sehr oft trainiere, sind meine Arme und Handgelenke.

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Extrem-Hobby Roofing: Von Treffen mit der Polizei und absoluten No-Go’s

Hattest du schon mit der Polizei zu tun?

Ich hatte sehr oft mit der Wiener Polizei zu tun. Wenn die mich bei meinem Abstieg aufhalten, erkläre ich denen, wieso ich hinaufgeklettert bin. Manche sind gar nicht erfreut darüber, aber ich habe schon welche getroffen, die sehr nett und von meinem Hobby fasziniert waren.

Was sind für dich No-Go’s beim Roofing?

Zum Beispiel, dass man irgendwelche Plastikmasken trägt und sein Gesicht verdeckt. Ich hatte mal selber eine Maske, die ich verwendet habe, aber ich habe das schnell wieder gelassen. Die Sicht ist sehr stark eingeschränkt, man sieht kaum seine eigenen Füße, das wird schnell gefährlich. Warum machen das manche? Weil das einfach cooler wirkt.

Hast du dir schon einmal überlegt, dass dein Hobby, über das immer wieder zu lesen ist, andere, weniger geschickte Leute zur Nachahmung anstiften könnte? Was würdest du jemandem raten, der Roofing ausprobieren will?

Ganz wichtig: Jeder ist für sich selbst verantwortlich und muss wissen, was er tut. Ich rate es natürlich niemandem, das nachzumachen. Ich hafte für niemanden. Es gibt so viele YouTube-Videos von waghalsigen Kletteraktionen. Heutzutage macht jeder den anderen nach, es können tödliche Unfälle passieren. Man muss sicher sein, dass man es kann und es nicht einfach ausprobieren.

Eins noch zum Abschluss: Ich danke den Leuten, die mich unterstützen und zu mir halten. Ich bin sehr froh, so eine tolle Community haben zu dürfen.

Disclaimer: VIENNA.at möchte ganz entschieden davon abraten, lebensgefährliche Aktionen wie das “Roofing” selbst nachzumachen.

>>Die waghalsigsten Aktionen von Sky Joker in Bildern

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