Ronal der Barbar

Ronal der Barbar
Die Szenerie scheint einem Bubentraum entsprungen: Muskelbepackte Krieger, Ströme von Bier und vollbusige Amazonen, die bei der ersten Begegnung mit Männern nur so vor Lust lechzen.

Mit “Ronal der Barbar” kommt ab Freitag (13.1.) eine nicht wirklich jugendfreie Aneinanderreihung von Fantasy-Klischees in die heimischen Kinos. Der dänische Animationsstreifen gefällt sich dabei zwar als augenzwinkernde Persiflage mit etlichen Film- und Musikzitaten, kann optisch aber trotz 3D-Aufwertung kaum das Heben einer Augenbraue bewirken.

Im Zentrum des sehr vorhersehbaren Abenteuers steht der schwächliche Ronal, Schandfleck seines Onkels und Barbaren-Anführers Gundar, der kaum eine Holzhantel stemmen, geschweige denn sein Volk vor den anrückenden Schergen des bösen Lord Volcazar warnen kann. Es kommt, wie es kommen muss: das kleine, auch aufgrund der bierseligen Gelage an eine bestimmte gallische Vorlage erinnernde Dorf wird überrollt, nur Ronal sowie der Nachwuchsbarde Alibert bleiben zurück und nehmen etwas widerwillig die Rettung der entführten Barbaren in Angriff.

Tiefschürfende Dialoge oder feinfühliger Sprachwitz werden dabei nicht großgeschrieben, vielmehr wird hier mit der Keule agiert, die Streitaxt geschwungen und der engsitzende Lendenschurz zurecht gezurrt. Das für Drehbuch und Regie verantwortliche Trio Philip Einstein Lipski, Thorbjorn Christoffersen und Kresten Vestbjerg Andersen verneigt sich ebenso vor Fantasy-Klassikern der Marke “Conan” oder “Herr der Ringe”, wie das optische Erscheinungsbild von Metal-Bands der 1980er Jahre durch den Kakao gezogen wird. Einzig der schmächtige Ronal fällt aus diesem Rahmen, würde viel lieber Worte statt Fäuste gebrauchen und steht dem bevorstehenden Feldzug recht skeptisch gegenüber.

Aber schließlich braucht jede Geschichte ihren Helden. Bis aus Ronal aber ein solcher werden kann, heißt es eineinhalb Stunden in leer gefegten Weiten wandern, kurzweilige Kämpfe bestehen und unterwegs die Liebe in Form der Schildmaid Zandra treffen. Die Suche nach dem ominöse Schwert des Barbarengottes, das Volcazar bezwingen soll, gerät da schon mal zur Nebensachen, wenn Ronal mit Unsichtbarkeitstinktur behandelt durch den Elbenturm schleicht – und dabei zum wandelnden Hodenschutz wird, hat sein Intimbereich doch leider nichts von dem Zaubermittel abbekommen.

“Ronal der Barbar” darf letztlich nicht in einer Reihe mit Animations-Hits aus den Häusern Pixar oder Dreamworks genannt werden: Einerseits bleibt die Optik zusehends in recht simplen Computerspiel-Welten stecken, andererseits wird hier nicht zwingend ein Film für die ganze Familie geliefert. Dafür ist die chaotische Rettungsaktion zu sehr von deftigem Fäkalhumor und homoerotischen Zwischentönen gekennzeichnet. Für Fans des gepflegten Fantasy-Spektakels ohne intellektuellem Überbau dürfte aber genügend Sehenswertes dabei sein, wenn nach Leibeskräften gekämpft, geliebt und getrunken wird.

(APA)


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