Roman Meklau: "Ich begann sogar zu beten!"

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Roman Meklau: "Unglaublic, durch welches Wellental wir gegangen sind"
Roman Meklau: "Unglaublic, durch welches Wellental wir gegangen sind" - © vienna.at (Archiv)
Die Austrian Bowl XXV brachte den zehnten Staatsmeistertitel für die Raiffeisen Vikings. Eine für viele unerwartete Krönung einer durchaus turbulenten Saison für die Wiener Wikinger. Neben herben sportlichen Niederlagen standen großartige Triumphe. Immer mittendrin: Roman Meklau.

Vienna Online bat den Mann zum Interview, der selbst in den schwierigsten Phasen immer an den Erfolg glaubte und mit seiner positiven Einstellung ein wichtiger Bestandteil seiner Mannschaft war. Thomas Muck sprach mit Offensiv-Allzweckwaffe Roman Meklau über den Sieg in der Austrian Bowl XXV und die Knackpunkte der Saison. Dabei blickte der gebürtige Steirer auch in seine sportliche Zukunft.

Vienna Online: Roman, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Austrian Bowl. Für Euch die Krönung einer unglaublichen Saison. Wie fühlt sich für Dich dieser Triumph an?

Roman Meklau: Es ist ein Traum, der für mich in Erfüllung gegangen ist. Ich habe sogar wieder angefangen zu beten. Das ist für mich doch etwas untypisch (schmunzelt). In Graz zu gewinnen, das war ein wunderschöner Moment und kaum in Worte zu fassen. Wobei dieser Sieg nur die Krönung war - der sprichwörtliche Tupfen auf dem i.
Für uns war das Highlight der Saison schon vorher das Spiel in Innsbruck gegen die Swarco Raiders. Das hat sich für immer ganz tief in uns alle eingebrannt. Das Spiel selbst und das ganze Drumherum. Wie wir Spieler dann gemeinsam mit den Fans gefeiert haben und wie wir am Bahnhof in Wien erwartet worden sind, das ist einfach unvergesslich.

Vienna Online: Sprechen wir über die Austrian Bowl. Es war ein unglaubliches Spiel. In der ersten Halbzeit hat der Angriff eigentlich kaum Produktivität zeigen können. Warum und wie kam es zu dieser gewaltigen Steigerung?

Roman Meklau: In den ersten Drives haben wir eigentlich nur die Basisspielzüge gespielt. Auf das haben sich die Grazer gut eingestellt. Besonders die Nummer 96, Philipp Grassegger, hat einen sensationell guten Job gemacht. Er hat unsere Spielzüge rasch antizipiert und viel schon im Ansatz vereitelt. Aber das haben wir unseren Coaches gesagt und sie haben die Taktik umgestellt. Die Auswahl der Spielzüge ist immer effektiver geworden und ab Mitte des dritten Viertels hat der Angriff auch nicht schlecht funktioniert.

Vienna Online: Ihr seid wie verwandelt aus der Kabine gekommen. Was haben Euch die Coaches in der Pause gesagt?

Roman Meklau: Gar nichts Besonderes! Wir sind das übliche Programm durchgegangen. Es war bei uns in der Pause soviel positive Energie. Wir haben gewusst wir müssen nur den Angriff ins Laufen bringen. Wir waren im Spiel weil die Defense in der ersten Halbzeit einen so gewaltigen Job gemacht hat. Du musst dir ansehen wie jung die Burschen alle sind. Einfach unglaublich welch großartige Leistung die Jungen in der Verteidigung das ganze Jahr über gezeigt haben. Sie haben so eine Gewinnermentalität. Unglaublich! Vielleicht hat das uns vom Angriff noch mal motiviert unseren Job noch besser zu machen. Ja vielleicht war das ein Grund. Die positive Energie innerhalb der Mannschaft.

Vienna Online: In der Austrian Bowl habt ihr Euch als eingeschworenes Kollektiv präsentiert. Dem war nicht immer so. Was habt Ihr dafür getan und ist dieser Umstand besonders wichtig für das Team und den sportlichen Erfolg?

Roman Meklau: Absolut. Nach der Niederlage gegen Kärnten haben wir uns zusammengesetzt. Die Frage war, was können oder müssen wir ändern. Dabei war dieses Meeting mit und ohne Coaches. Wir haben gewusst es sind nur Kleinigkeiten, die uns noch fehlen. Kleine Erfolgsmomente, damit der Schalter im Kopf wieder umgelegt wird. Der Wendepunkt für uns war mit Sicherheit das Spiel gegen die Grazer auf der Hohen Warte.

Vienna Online: Nach der herben Niederlage in der Charity Bowl waren die Vikings sportlich am Boden. Ihr habt sportlich nicht gerade den besten Eindruck gemacht. Was habt Ihr gemacht um diese Krise zu beenden?

Roman Meklau: Was uns wohl etwas gefehlt hat in dieser schwierigen Phase war der Teamgeist. Irgendwie auch verständlich wenn du wenig Selbstvertrauen hast. Aber hier muss ich auch unseren Fans ein großes Lob aussprechen. Sie sind bedingungslos zu uns gestanden und haben uns bei den Spielen auch weiter unterstützt. In anderen Sportarten hätte das wohl anders ausgesehen. Generell mal ein großes Danke an unsere Fans. Ich bin sowieso der felsenfesten Überzeugung, dass wir die besten Fans in Europa haben. Sie feiern mit uns wenn wir gewinnen und unterstützen uns auch wenn es nicht gut läuft. Das ist einzigartig im Sport und verdient sich meiner Meinung nach, besonders erwähnt zu werden. Schau Dir nur an was in Graz bei der Austrian Bowl los war. Das war so laut und so intensiv. Einfach sensationell!
Na ja und wie bereits gesagt dieser berühmte Funke ist geflogen und jetzt sind wir entgegen aller Prognosen österreichischer Staatsmeister. Einfach unglaublich und schon fast Hollywood-kitschig.

Vienna Online: Du hast die Fans angesprochen. Ohne Untertreibung darf man Dich als Fanliebling bezeichnen. Wie denkst du über die Fanperformance 2009?

Roman Meklau: Du bist auch schon einige Male auf dem Feld unten gestanden. Das ist ein Gefühl das kannst du nicht in Worte fassen. Wenn du weißt, das sind deine Leute die dich positiv unterstützen. Alleine die Lautstärke ist unglaublich. Die Vikings-Fans sind einzigartig. Wie gesagt wir haben einfach die besten Fans in Europa und es macht großen Spaß für sie spielen zu dürfen!

Vienna Online: Fühlt sich unter all diesen Rahmenbedingungen die Goldmedaille daher für Dich besonders schön an?

Roman Meklau: Für mich war das definitiv der schönste Titel meiner Karriere. Niemand hat mit uns gerechnet. Wir mussten erst als Gruppe wachsen und haben zusammengefunden. Es ist einfach unglaublich durch welches Wellental wir gegangen sind.

Vienna Online: Damit lasst Ihr Euch 2010 eigentlich recht wenig Platz für Steigerungen, oder?

Roman Meklau: Sportlich wissen wir woran wir arbeiten müssen. Jetzt in der spielfreien Zeit denke ich wird uns nicht fad werden. Emotional (überlegt) da ist nicht mehr viel drinnen.

Vienna Online: Roman für dich ist aber die Saison noch nicht vorbei. Die B-EM in Wolfsberg steht für Dich noch auf dem Programm. Hand aufs Herz - ist nicht alles andere als der Aufstieg eine Enttäuschung?

Roman Meklau: Der Aufstieg ist das große Ziel – darüber gibt’s keine Diskussion! Es wird aber eine sehr schwierige Aufgabe. Die Gegner sind sehr stark! Aber ich werde alles dafür geben damit wir aufsteigen.

Vienna Online: Österreich veranstaltet 2011 die Weltmeisterschaft im American Football. Ist das Dein letztes großes Ziel?

Roman Meklau: Bis dahin ist es noch so lange, da kann ich nicht sagen was passieren wird (lacht). In meiner persönlichen Planung habe ich sie eingeplant – aber schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Das Gespräch führte Thomas Muck
In Kooperation mit
sportreport.at

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