Richard Lugner darf wieder nicht in Präsidenten-Loge Platz nehmen

Die Lugners werden doch nicht in die Hofburg übersiedeln.
Die Lugners werden doch nicht in die Hofburg übersiedeln. - © APA
Und wieder nichts: Dass Richard Lugner auch beim zweiten Anlauf das erste Amt im Staat verpasst hat, wird den Baumeister, Society-Löwen und Shopping Center-Betreiber wohl selbst nicht überrascht haben. Große Chancen gab sich der Senior im Kandidatenfeld ohnehin nicht – er selbst sieht es gelassen.

Immerhin, als gute Plattform für die Lugner City hat die Kampagne in der BP-Wahl aber durchaus getaugt.

Dies gilt umso mehr, als Lugner den Kasperl im Wesentlichen nur in der Wahl-Werbung gab. Bei seinen medialen Auftritten stand er der Konkurrenz sachpolitisch deutlich weniger nach, als dies im Vorfeld angenommen worden war. Freilich, außer dass er keine gemeinsame Regierung aus SPÖ und ÖVP mehr angeloben würde, hatte Lugner dann auch nicht viel auf seiner Agenda, um sich mit einem Wahltriumph den Wunsch nach der Präsidenten-Loge beim Opernball zu erfüllen.

Ad personam: Richard Lugner

Der Baumeister, aufgewachsen in der Kriegszeit, die ihm auch seinen Vater nahm, gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten des Landes – wirtschaftlich erfolgreich, am Society-Parkett umso mehr und trotzdem von kaum jemandem ernst genommen. Dazu trug der Wiener freilich seinen Teil selbst bei. Von Reality-Soaps im österreichischen und deutschen Privat-TV über mehr oder weniger glamouröse Opernball-Einladungen bis hin zur Rolle des Hofnarren in der ORF-Produktion “Wir sind Kaiser” war Lugner sich nie zu schade, mehr oder weniger alles für ein wenig Platz in der Öffentlichkeit zu tun.

Dieser laute Schrei nach Liebe blieb auch in der Damen-Welt nicht ungehört. Lugner ist aktuell zum fünften Mal verheiratet, diesmal mit der Deutschen Cathy Schmitz, einem Playboy-Model, das ihn übrigens auch zur zweiten Hofburg-Kandidatur motiviert hatte. Seine vier Kinder sind längst erwachsen. Zwei Söhne managen die Geschäfte, am bekanntesten ist jedoch Tochter Jacqueline, deren Erwachsenwerden Österreich dank der Lugnerschen TV-Produktionen miterleben durfte.

Best Of Mörtel

Öffentlich zu blenden versuchte Lugner nie. Die Austern isst er mit Ketchup, als letztes Buch hat er “Fifty Shades of Grey” gelesen. Seine Englisch-Kenntnisse sind auch nach noch so vielen Opernball-Gästen aus dem anglo-amerikanischen Raum eher nicht bundespräsidenten-reif.

Was neben dem Society-Tanz immer ein wenig im Schatten stand, war die geschäftliche Tüchtigkeit des Baumeisters, der sich mit Fleiß und Schlauheit vom Klein-Unternehmer zum Bau- und Handels-Riesen hochschwang. Seinen Durchbruch brachten zwei Prestige-Projekte, die Errichtung von Wiens größter Moschee sowie die Arbeit am Stadttempel der jüdischen Kultusgemeinde. Sein eigenes Denkmal setzte sich der rasch mit dem Spitznamen “Mörtel” versehene Baumeister mit der Lugner-City in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus, von der aus er seit Jahrzehnten einen erbitterten Kampf für die Sonntagsöffnung führt.

Lugner kandidiert wohl nicht nochmal als Bundespräsident

Um Anliegen wie diese umzusetzen, wagte sich Lugner in den 1990er-Jahren sogar in die Politik. Motiviert von einem Prestige-Erfolg bei der ersten Hofburg-Kandidatur 1998, als er bei Thomas Klestils Wiederwahl fast zehn Prozent der Stimmen erhielt, gründete er im Jahr darauf gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Christina eine Partei, die Unabhängigen. Die DU musste sich bei der folgenden Nationalratswahl mit einem Prozent der Stimmen zufrieden geben. Einige Monate später war es mit der Parteipolitik für Lugner auch wieder vorbei.

Noch einmal wird sich der heute 83-Jährige wohl auch eine Präsidentschaftskandidatur nicht antun, würde er doch beim nächsten Mal bereits am 90er kratzen. Andererseits: Bei Richard Lugner gibt es kaum etwas, das undenkbar ist.

>> Hier geht es zum LIVE-Ticker zur Wahl.

(APA)

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