Restaurant Watertuin im Test: Schnellfresstempel für Anspruchslose

Von Christoph Stachowetz
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Wir haben das Watertuin in Simmering besucht
Wir haben das Watertuin in Simmering besucht - © VIENNA.at / Christoph Stachowetz
“All you can eat”, so schnell wie möglich, denn man zahlt hier nach Dauer des Aufenthaltes: In Simmering hat mit dem “Watertuin” ein holländische Franchise Fuß gefasst und bietet dabei Multi-Cuisine mit einzigartigem Stressfaktor.

In einer ehemaligen Textilhalle in der Simmeringer Etrichstraße wurde unter dem Motto “All you can eat, all you can drink, all over the world” ein Mega-Restaurant eröffnet, wie man es in Österreich bisher noch nicht gesehen hat.

Watertuin im Restaurant-Test: Große Auswahl unter großem Zeitdruck

Zeit spielt in jeder Hinsicht eine große Rolle, so auch bei der Anreise, sofern diese mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem innerstädtischen Bereich unternommen wird. Einmal angekommen offeriert der erste Blick nicht unbedingt einladendes, denn das mausgraue Gebäude mit großzügig dimensionierten Parkplatz teilt sich das Watertuin zudem auch noch mit einem angrenzenden Gartencenter. Es mag wohl auch an der Uhrzeit des Besuches gelegen haben (Montag nachmittags), die Klientel war jedenfalls mehr als überschaubar.

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“All you can eat”-Konzept auf Zeit: So funktioniert die Bezahlung

Im Eingangsbereich wird man nach einem netten Empfang erst einmal wortwörtlich zur Kasse gebeten, denn beim Watertuin zahlt der Gast nach Verweildauer und Alter: Erwachsenen wird montags bis freitags von 11:30 bis 16:30 der “Lunch” etwa für eine Stunde um 14 Euro verrechnet, zwei Stunden kosten 19 Euro. Ab 17 Uhr wird für das “Dinner” 23 Euro pro Stunde bzw. 31 für zwei Stunden bezahlt. An Wochenenden sowie Feiertagen wird zudem ein Frühstück geboten. Die bezahlte Zeiteinheit wird via ausgedrucktem Bon festgehalten, kulante 10 Minuten darf man hinzurechnen, so die Auskunft des Mitarbeiters. Hat man den Zeitrahmen überschritten, werden übrigens pro Person 3 Euro pro 15 Minuten verrechnet (Der Infoausdruck verweist kurioserweise auf “Bitte nicht stressen beim Essen”).

Im Restaurantbereich selbst wird man vom schieren Ausmaß der Lokalität überwältigt: Eine vierstellige Anzahl von Sitzplätzen umringt zwei große Küchenstationen, die mit Buffet- und “Live-Cooking”-Stationen ausgestattet sind. Dem Zeitpunkt des Besuchs geschuldet ist nur ein kleiner Abschnitt der zweiten Küche geöffnet und zudem die Auswahl der Sitzplätze auf etwa die Hälfte reduziert. Die Zahl der Gäste dürfte zu späterer Stunde wohl entsprechend steigen.

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Die Essens-Stationen im Überblick

Die insgesamt 13 Stationen bieten neben kalten Vorspeisen-Häppchen und Suppen-Variationen ein “asiatisches & europäisches” Buffet, italienische Kost in Form von selbst-belegbarer Pizza und Pasta, Sushi und Maki, einen offenen Grill mit selbst zusammenwürfelbaren Wok- bzw. Teppanyaki-Kreationen, eine Eisvitrine und mehrere Nachspeisen. Bitter war die Erkenntnis, dass sowohl die “Do-it-youself”-Hummer- als auch die Steak-Station nur abends in Betrieb ist.

Mit einem beständigen Blick auf die Uhrzeit kostet man sich also durch die Küchen der Welt: Die kalten Vorspeisen werden zwar optisch nett präsentiert, die kleinen mit Schinken belegten Brötchen sind dann aber auch schon der magere Höhepunkt. Das Sushi und mehrere Maki-Varianten erinnern an Flugzeug-Cuisine (Economy). Hauptgang: So wenig verlockend wie die selbst-belegbaren Pizzastücke und dazugehörigen Zutaten gibt sich auch der in weiter Ferne regelrecht bedrohlich wirkende Leberkäse-Block, also folgt der Abstecher zum ohnehin stärker frequentierten Asia-EU-Buffet. Mini-Frühlingsrollen (trocken) neben Sesambällchen und Gyoza (geschmacklich: naja), ein Schritt weiter folgen zudem Klassiker wie Gulasch, (Mini-)Schnitzel, Semmelknödel und tatsächlich auch Chicken-Nuggets.

Mit etwas Enttäuschung also der Gang zur Live-Cooking-Station, bei der etwa Rindfleisch oder Fisch samt Gemüse selbst zusammengestellt werden kann und anschließend mit einigen Anweisungen hinsichtlich der Saucen-Auswahl von einem der Köche zubereitet wird. Nette Idee, kostet aber Zeit und war dann aber auch nicht die erhoffte kulinarische Erfüllung. Der Automatenkaffee passt zum Tiefkühlkost-Kuchenstück, beides findet sich auch bei diversen To-Go-Bereichen auf den heimischen Autobahnraststätten.

Das Fazit: Ein halbgares Konzept

Der Besuch beim Watertuin kann als Erlebnis bezeichnet werden: Durch den immanenten Zeitdruck wird der Restaurantbesuch mehr oder minder zum Wettessen, die Art der Küche passt dabei zum Konzept. Immerhin kann der erste Eindruck der Lokalität noch von der späteren kulinarischen Enttäuschung ablenken. Fraglich bleibt aber, ob das “schnell-schnell”-Konzept im eher gemächlichen Wien auf Dauer funktionieren wird und man zudem genügend Kundschaft ins Simmeringer Nirgendwo locken kann.

Information zum Lokal

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Restaurant Watertuin – World Kitchen

Wo: Etrichstraße 23, 1110 Wien
Erreichbarkeit: Straßenbahnlinie 6, Autobus 71A und 71B
Reservierungen: Hier zu finden, Mail-Kontaktoffice@watertuin.at
Telefon: 01/7671497
Link zur Facebook-Seite
Link zur Homepage

(Red.)

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