Rene Pape in Graz: Samtstimme mit funkelnden Lichtern

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Rene Pape beeindruckte das Publikum
Rene Pape beeindruckte das Publikum - © APA
Bei seinem Konzert am Donnerstag im Grazer Musikverein hat Starbassist Rene Pape eindrucksvoll bewiesen, dass auch ein eher sperriges Programm das Publikum begeistern kann, wenn es derart qualitätsvoll dargeboten wird. Der Sänger spannte einen Bogen von Beethoven bis Mussorgsky und erfüllte die dunklen, oft von Todesnähe durchtränkten Lieder mit Ausdruck und Leben.

Rene Pape ist meist auf den Opernbühnen von Wien und München über Berlin bis New York anzutreffen, wo er mit Partien wie Gurnemanz (“Parsifal”), Marke (“Tristan und Isolde”), Philipp II. (“Don Carlos”), aber auch den Titelrolle in Boitos “Mephistofele” oder “Boris Godunov” für Begeisterung sorgt.

Bei seinem Soloabend standen Werke ganz anderer Art auf dem Programm. Den Beginn machten Lieder nach Texten von Christian Fürchtegott Gellert in der Vertonung von Ludwig van Beethoven. Pape gestaltete die Lieder schlicht, mit vorbildlicher Artikulation und geradlinigem Ausdruck. Seine große Opernstimme passte er an den Liedgesang an, ließ sie nur hin und wieder – wie in “Die Ehre Gottes aus der Natur” – machtvoll ertönen, um besondere Akzente zu setzen.

Es folgten Lieder von Antonin Dvorak, denen Psalmentexte zugrunde liegen. Hier erlaubte sich der Sänger etwas mehr Dramatik und stellte erneut seine bewegliche, immer sicher geführte Stimme unter Beweis. Volksliedhaft und mitunter auch sehr zart erklangen diese biblischen Stücke.

Nach der Pause wechselte Pape erneut Stil und Sprache und brachte drei Shakespeare-Lieder zu Gehör. “Come away, death” erklang tieftraurig und dabei samtig-schön, bei “Mistress mine” flammte die Flüchtigkeit von Jugend und Liebe auf. Letzter Teil und gestalterischer Höhepunkt waren die “Lieder und Tänze des Todes” von Modest Mussorgsky. Vollkommen unangestrengt und dunkel-glühend erklangen die einzelnen Stücke wie Mikrodramen. Lockend, drohend und schmeichelnd als Tod, der Kind, junges Mädchen oder Soldaten gleichermaßen holt, zeigte Pape hier erneut sein großartiges Gestaltungsvermögen und seine prachtvolle Stimme, die auch abseits der Opernbühne ein Ereignis ist.

(APA)

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