Reichsbrückeneinsturz: Die Katastrophe

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Ein seinerzeit schier undenkbares Unglück jährt sich Samstag zum 33 Mal: Am 1. August 1976 brach die Wiener Reichsbrücke in sich zusammen.

Zwischen 4.30 und 4.40 Uhr stürzte das Bauwerk in die Donau und riss einen Pkw und einen Bus mit sich in die Tiefe. Der junge Autofahrer starb, wohingegen der Buslenker unverletzt geborgen werden konnte.

Lediglich dem Umstand, dass an einem Sonntag so früh nur wenige Menschen unterwegs waren, ist es zu verdanken, dass bei dem Zusammenbruch nicht mehr Tote zu beklagen waren. Der Busfahrer überstand den Vorfall unverletzt, weil sein Gelenkbus zwar wie der Pkw in die Donau stürzte, jedoch nicht versank, sondern auf der Brückruine stehen blieb. Die Erschütterungen waren so stark, dass sie auf der Erdbebenstation der Hohen Warte registriert wurden.

Der damalige Bürgermeister Leopold Gratz (S) rief zwei Stunden nach dem Unglück einen Krisenstab ein, bei dem die Überprüfung der anderen Wiener Donaubrücken angeordnet wurde. Den Beschluss zum Neubau der Reichsbrücke fasste der Ministerrat bereits zwei Tage später, am 3. August. Im November 1980 wurde die neue Reichsbrücke unter dem offiziellen – bis heute ungebräuchlichen – Namen „Johann Nestroy“ eröffnet.

Nachdem zunächst Gratz seinen Rücktritt angeboten hatte, übernahm der Wiener SP-Planungsstadtrat Fritz Hofmann die politische Verantwortung für den Einsturz und schied wenige Tage nach der Katastrophe aus dem Amt. Eine Expertenkommission gab kurz darauf bekannt, dass der linke Pfeiler der nach Ende des Zweiten Weltkrieges sanierten Brücke zum Teil mit Sand und „unverdichtetem Beton“ gefüllt gewesen war. Durch das schlechte Material sei Wasser eingedrungen, was schließlich zu dem Einsturz führte.

Große Auswirkungen hatte der Brückeneinsturz für die Verkehrsentwicklung der Stadt. So wurde ein Gemeinderatsbeschluss vorgezogen, der die Verlängerung der U-Bahn-Linie U1 vom Praterstern über die neue Brücke bis nach Kagran sowie den Neubau der altersschwachen Floridsdorfer Brücke vorsah. Auch die Brückenkontrollen wurden intensiviert. Heute wird die – 2003 bis 2005 generalsanierte – Reichsbrücke täglich von rund 50.000 Fahrzeugen, der U1 sowie von Fußgängern und Radfahrern frequentiert.

Pannenfahrer war live dabei

Krach, Staub, Wirbel – auf einmal war die Brücke weg“, schildert der mittlerweile pensionierte ÖAMTC-Pannenfahrer Franz Andras die dramatischen Momente um halb fünf Uhr am Morgen des 1. August 1976.

„ Innerhalb weniger Minuten fiel die Wiener Reichsbrücke in sich zusammen. Franz Andras war einer der beiden ÖAMTC-Pannenfahrer, die ihr Leben in letzter Sekunde retten konnten. Ein junger Autofahrer, der mit seinem Kombi die Brücke genau in diesem Augenblick überquert hatte, konnte nur mehr tot geborgen werden.

Die ÖAMTC-Pannenfahrer wollten einem Autofahrer bei einer Reifenpanne auf der Reichsbrücke gerade Hilfe leisten, als plötzlich ein Rucken durch die Fahrbahn ging und die Brücke zusammenbrach. Pannenfahrer Franz Andras berichtet, dass er und sein Kollege sich gerade am Brückenabschnitt über dem Handelskai befanden und geistesgegenwärtig vor den abstürzenden Straßenteilen wegspringen konnten. Die beiden suchten sofort nach möglichen Verletzten unter den Trümmern der Brückenteile, die auf den Handelskai gestürzt waren. Dann liefen sie Richtung 2. Bezirk, um Hilfe zu holen. Weder Polizei noch ÖAMTC-Einsatzleitung konnten den Pannenfahrern anfangs recht glauben, was passiert war. Nach rund 15 Minuten waren die Polizei und die Einsatzkräfte der Feuerwehr vor Ort. Sie sicherten zunächst die Unglücksstelle ab und zogen dann das Auto mit der Reifenpanne und das ÖAMTC-Auto „an Land“.

Dass es nicht mehr Todesopfer gab war dem Umstand zu verdanken, dass so zeitig an einem Sonntag Morgen kaum Menschen unterwegs waren. Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich insgesamt nur vier Fahrzeuge im Brückenbereich. Ein fahrgastloser Bus der Wiener Verkehrsbetriebe landete ebenfalls in den Fluten der Donau, der Lenker konnte sich aber auf das Dach retten und unverletzt geborgen werden.

So bedauerlich das Unglück auch war, vorhersehbar war es nicht. Die Expertenkommission, die sich mit den möglichen Ursachen für den Brückeneinsturz befasste, kam zu dem Schluss, dass auch eine noch so eingehende Überprüfung den Einsturz nicht hätte verhindern können.

Den Beschluss zum Neubau der Reichsbrücke fasste der Ministerrat bereits zwei Tage später. Noch im selben Jahr wurden Notbrücken für Straßenbahn und Autos fertiggestellt. Im November 1980 wurde die neue Reichsbrücke eröffnet.

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