Mehr Nachrichten aus Innere Stadt
20. Januar 2008 16:35; Akt.: 20.01.2008 16:35

„Reden über Europa“: „flexible Organisation“ vs. Einstimmigkeit

Wie integriert soll Europa sein? An dieser Frage schieden sich am Sonntagvormittag im Burgtheater die Geister. „The World Disorder and the Role of Europe“ („Die Welt-Unordnung und die Rolle Europas“) hieß das Thema einer prominent besetzten Diskussion der Reihe „Reden über Europa“ im Kulturtempel.

Und da war es unerlässlich zu klären, wie vielstimmig der europäische Chor in außenpolitischen Fragen auftreten sollte. Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer plädierte für die Einstimmigkeit des Chores, besonders in Sachen gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik. Die Princeton-Professorin Anne-Marie Slaughter sah das anders: Es gehe im 21. Jahrhundert nicht mehr darum, einstimmig, sondern in Netzwerken zu handeln. Europa sei eine „fantastisch flexible Organisation“, fand sie.

Es sei ironisch, dass Amerikaner den Europäern erklären sollten, „wie großartig sie sind“, meinte Slaughter. Europa habe es geschafft, Institutionen zu schaffen, die es ermöglichten, in verschiedenen Netzwerken agieren zu können. Europa müsse nicht, sondern könne gemeinsam agieren, hob sie hervor. Europa sei zudem Vorbild für regionale Integration in Asien, Afrika oder Lateinamerika.

Der aus Ungarn stammende Investor und Mäzen George Soros bekräftigte Europas Vorbildrolle: „Die Welt braucht einen größeren europäischen ’Leadership’“.

Dazu jedoch sei Europa noch nicht bereit, fand der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg. „Wir haben nicht den Willen, zu führen.“

Um führen zu können, müsse man in der gemeinsamen Außenpolitik Fortschritte machen, betonte Fischer, der sich mit einer flexiblen EU nicht so recht anfreunden konnte. Das europäische Sicherheits-Konzept sei breiter als das amerikanische, dennoch müsse man die gemeinsame Verteidigungspolitik nicht vernachlässigen. Europäische Expertise sei gefragt: „Wir sind die wahren Transformatoren“, sagte er, „Wir sind die wahren ’regime changers’.“ Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssten jedoch Österreich oder Deutschland ihre Politik verändern, mahnte er.

Natürlich konnte auch das Thema der US-Präsidentschaftswahlen nicht umgangen werden. Eins stehe fest, erläuterte Slaugter, wer auch immer die Wahlen gewinne, werde deutlich machen, dass er nicht so sei wie Amtsinhaber George W. Bush.

Die USA würden sich ab Ende nächsten Jahres aus der weltpolitischen Bühne etwas zurückziehen, sagte Fischer. Ob dies eine vorrübergehende Schwäche oder der Beginn eines Niedergangs sei, konnte der frühere Außenminister nicht voraussagen. Wer aber auch immer die Wahlen gewinne, die EU sollte früh genug agieren, um nicht reagieren zu müssen.



Artikel weiterempfehlen
  • 0

Ihre Meinung
Was meinen Sie?
Kommentare filtern  | 
KOMMENTARE FILTERN Optionen ausblenden  X


 
Sie müssen eingeloggt sein oder sich registrieren um einen Kommentar abzuschicken.
Please enter a title and content
 


Mehr auf vienna.at
Radfahren in Wien: Diese Radwege werden auch im Winter geräumt
Wer sich auch bei Eis und Schnee aufs Rad wagt, will natürlich wissen, welche Wiener Radwege auch im Winter befahrbar [...] mehr »
Heizen: Die besten Tipps und Tricks zum Sparen
Bei den derzeitigen Extremtemperaturen macht man es sich am liebsten in den eigenen vier Wänden gemütlich – [...] mehr »
Erneut Ausfälle durch Weichen-Störung auf der U4
Erst am Dienstagnachmittag konnte die U4 für gut zwei Stunden nur auf der halben Strecke verkehren. Grund dafür war [...] mehr »
Leserreporter beklagt mangelhafte Schneeräumung
"Nicht allzu viel Chaos", schreibt unser Leserreporter Erich W. über die gestrigen Schneefälle. Mit der MA48 hat er [...] mehr »
Mein Bezirk: Ursula Stenzel und die Innere Stadt
Seit dem 22. Dezember 2005 ist Ursula Stenzel die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt. Wir trafen die ÖVP-Politikerin [...] mehr »
Mehr Meldungen »

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neuen Nutzer registrieren

Anmelden oder Registrieren
um Profile zu verknüpfen

{username} registrieren Sie sich jetzt neu auf VOL, um Ihr Facebook-Profil mit einem neuen Benutzer zu verknüpfen ODER klicken Sie auf Anmelden wenn Sie bereits einen VOL-Benutzer haben.


muss eine gültige E-Mail-Adresse sein


Bitte max. 32 Zeichen verwenden


Mindestens 6 Zeichen





Sie haben bereits einen VOL-Benutzer? Anmelden

Bestehendes VOL-Profil verknüpfen

melden Sie sich mit Ihrem VOL-Benutzer an ODER klicken Sie auf Neu Registrieren .


Passwort vergessen

Sie haben noch keinen VOL-Benutzer? Neuen Benutzer registrieren