Rechnungshof übt scharfe Kritik am Wiener Krankenanstaltenverbund

Der Rechnungshof übt auch Kritik am KAV-Generaldirektor Udo Janßen (Mitte)
Der Rechnungshof übt auch Kritik am KAV-Generaldirektor Udo Janßen (Mitte) - © APA
Aus einem Rohbericht des Rechnungshofes geht herbe Kritik in Richtung Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) hervor. Dabei geht es unter anderem um die unverhältnismäßigen Gehälter der drei Vorstände, die zudem weniger Verantwortung tragen als Manager in Unternehmen mit Bundesbeteiligung.

Über einen Bericht der “Heute” wird zudem auch das schlechte Personalmanagment der Verantwortlichen innerhalb des KAV. Der Krankenanstaltenverbung hob in einer Stellungnahme hervor, dass die Gagen “längst bekannt” seien.

Rechnungshof rügt Wiener Krankenanstaltenverbund

Der RH stellte fest, dass das Durchschnittseinkommen der Vorstandsmitglieder weit über den branchenübergreifenden Schnitt von rund 208.000 Euro gelegen sein. KAV-Generaldirektor Udo Janßen soll dem Vernehmen nach mehr als 24.000 Euro monatlich verdienen, hieß es in dem “Heute”-Artikel am Freitag weiters. Er habe zwar seine Zuständigkeit für sämtliche Schlüsselbereiche im KAV an seine Vorstandskollegen delegiert, aber keine Zielvorgaben mit diesen vereinbart.

Erhöhte Ausgaben für externe Berater

Weiterer RH-Kritikpunkt: Zwischen 2012 und 2015 seien mehr als 48 Mio. Euro für externe Berater ausgegeben worden. Das ist ein Plus von 197 Prozent. Dabei sollen vor der Beauftragung von Beratungsdienstleistungen “keine nachvollziehbaren Kosten-Nutzen-Analysen” durchgeführt worden sein. Zudem werde seit Jahren ein neues “internes Kontrollsystem” diskutiert. Eine Umsetzung sei aber offen, da der Vorstand keine Entscheidung getroffen habe.

Unklarheiten bei Bauvorhaben

Unklarheiten orteten die Prüfer auch bei Bauvorhaben des KAV. Dazu hieß es laut “Heute” im aktuellen Rohbericht, “dass für große Bauprojekte derzeit nicht ersichtlich war, wer für diese die Projektorganisation übernahm, obwohl (…) weitere Investitionen geplant waren”. Kritik übte der RH weiters am Personalmanagement des KAV. Von 2012 bis 2016 hätten fünf verschiedene Personen interimistisch den Bereich Personal geleitet. Eine langfristige Strategie für die 29.000 Beschäftigten hätten die Prüfer nicht gefunden, dafür aber Mitarbeiter, die zwar versetzt wurden, aber ein halbes Jahr nicht gewusst hätten, welche konkrete neue Funktionen sie ausüben sollen.

KAV geht vorerst nur auf Gehälter-Kritik ein

Der KAV wollte heute in einer Aussendung vorerst nur auf einen Kritikpunkt im Rohbericht öffentlich eingehen – nämlich, was die Gehälter der Vorstandsmitglieder betrifft. Diese seien von der Gemeinderätlichen Personalkommission beschlossen worden, hieß es. Die Gagen seien zwischen den Betroffenen und der Magistratsdirektion ausverhandelt wurden. Bei diesem Vorgehen handle es sich um kein KAV-Spezifikum. Es sei ” wie bei allen anderen Verträgen dieser Art die korrekte Vorgehensweise innerhalb der Stadt”. Was die kritisierte Höhe anbelangt, so verwies der KAV auf ein internationales Beispiel: So würde der Chef der Berliner Charite (mit rund 17.000 Mitarbeitern) eine Jahresgage von rund 500.000 Euro erhalten.

KAV: “Nur gegenüber dem Rechnungshof Stellung nehmen”

Zum Bericht insgesamt will der KAV “nur gegenüber dem Rechnungshof Stellung nehmen”, hieß es in der Aussendung. Schließlich handle es sich bei dem, an Medien lancierten Bericht um einen Rohbericht. Man habe nun Gelegenheit, binnen drei Monaten zu den einzelnen Punkten Stellung zu nehmen. Der RH werde dann aus seinen Untersuchungsergebnissen und aus den Stellungnahmen des KAV eine finale Version erstellen, so der Krankenanstaltenverbund.

(APA/Red.)

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