Rebellen in Tripolis bekommen Verstärkung

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Rebellen in Tripolis bekommen Verstärkung
Im Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis haben die Aufständischen am Montag Verstärkung bekommen. Aus ihrer östlich gelegenen Hochburg Misrata seien mehr als 1000 Bewaffnete nach Tripolis vorgestoßen, meldeten die Aufständischen. Die Kämpfe konzentrierten sich demnach auf das Gebiet um die Residenz von Muammar al-Gaddafi.

Dort haben sich nach diesen Angaben mehrere hundert afrikanische Söldner verschanzt. Auch in den von den Rebellen kontrollierten Straßenzügen der Stadt gebe es noch Heckenschützen auf den Dächern hoher Gebäude.

Der arabische TV-Sender Al Arabija berichtete unterdessen, Khamis al-Gaddafi, ein Sohn des Machthabers, sei mit Eliteeinheiten des Regimes unterwegs in das Zentrum von Tripolis. Die Rebellen hatten ihn bereits am 20. März nach einem Angriff auf die Gaddafi-Residenz in Bab al-Asisiya in Tripolis für tot erklärt, dann noch einmal nach einem Luftschlag Anfang August.

Die bisherige libysche Führung dementierte jedoch diese Angaben. Khamis befehligte im Bürgerkrieg eine Eliteeinheit des Regimes, die gegen die Milizen der Aufständischen kämpfte. Eine starke Präsenz von Gaddafi-Truppen gebe es auch um das Hotel Rixos, wo sich die aus Tripolis berichtenden internationalen Journalisten befinden.

Rebellen sehen “Tag der Entscheidung”

Die Aufständischen in Libyen haben am Montag nach eigenen Angaben bereits 95 Prozent der Hauptstadt Tripolis erobert. “Heute ist der Tag der Entscheidung”, sagte der Militärsprecher der Aufständischen in Benghazi, Ahmed al-Bani, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefoninterview. Die Niederlage der Truppen von Muammar al-Gaddafi sei unabwendbar.

Benghazi/Istanbul. Nach seinen Angaben war es am Montag in den anderen Kampfgebieten zunächst vergleichsweise ruhig. Gefechte habe es in der Früh nur in der Öl- und Hafenstadt Al-Brega gegeben. Die Führung der Rebellen bereite sich darauf vor, bald in die Hauptstadt Tripolis einzurücken.

Libyen feiert Ende des Gaddafi-Regimes

Nach mehr als 40 Jahren feiert Libyen das Ende des Regimes von Muammar al-Gaddafi. In der Hauptstadt Tripolis bejubelten Tausende den Sieg der Aufständischen. In der Rebellenhochburg Benghazi (Bengasi) und anderen Städten wurden Feuerwerkskörper gezündet und Freudenschüsse abgefeuert. “Wir gratulieren dem libyschen Volk zum Sturz von Muammar al-Gaddafi und rufen das libysche Volk auf, auf die Straßen zu gehen und das öffentliche Eigentum zu beschützen. Lang lebe das freie Libyen”, heißt es in einer in der Früh verbreiteten Erklärung des Nationalen Übergangsrates der Rebellen, berichtete die “New York Times” auf ihrer Website.

Viele Soldaten Gaddafis seien gefangen genommen worden, hieß es. Andere würden immer noch Widerstand leisten. Gaddafis Regierungssprecher Moussa Ibrahim sagte am Sonntagabend, in Tripolis habe es bei den Kämpfen mindestens 1300 Tote gegeben. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen libyschen Regierungsvertreter, der sagte, 376 Menschen seien bei den Auseinandersetzungen getötet worden und rund ein tausend verwundet.

Angesichts des bevorstehenden Endes des libyschen Regimes hat ein führender Vertreter des Nationalen Übergangsrats zur Zurückhaltung aufgerufen. Am Tag des Sieges appelliere er an das “Gewissen und Verantwortungsbewusstsein” aller Kämpfer gegen Gaddafi, sagte Mahmoud Jibril in einer in der Nacht zum Montag vom Fernsehsender der Rebellen übertragenen Ansprache.

Im Westen von Tripolis nahmen die Rebellen laut Al-Jazeera drei Söhne von Gaddafi gefangen, darunter den mit internationalem Haftbefehl gesuchten Saif al-Islam. Er sei gemeinsam mit seinem Bruder Al-Saadi in einem Touristendorf festgenommen worden, berichtete ein Sprecher der Aufständischen, Abu Bakr al-Tarbulsi. Der älteste Sohn, Mohammed al-Gaddafi, wurde in seinem Anwesen unter Hausarrest gestellt. Die Aufständischen würden für seine Sicherheit garantieren, sagte Mohammed al-Gaddafi in der Nacht zum Montag in einem Telefoninterview Al-Jazeera.

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