Rauchverbot: Für Raucher wird es eng

Die Gelegenheit zum Rauchen wird sich in Zukunft seltener bieten.
Die Gelegenheit zum Rauchen wird sich in Zukunft seltener bieten. - © APA
Wien - Mehr Lokale als zunächst erwartet werden sich mit 1. Juli als Nichtraucherbetriebe deklarieren. Dann endet nämlich die Übergangsfrist zum Rauchverbot. Der Großteil wird den Zigarettengenuss aber weiterhin erlauben.

Großbritannien, Irland, Island, Norwegen – aber auch die Türkei und Lettland gelten als Vorbilder in Sachen Rauchverbot und haben den Tabakkonsum völlig verbannt. Österreich liegt mit Polen und Bulgarien auf einem Niveau und erlaubt den Griff zur Zigarette in Lokalen weiterhin - auch nach dem Ende der Übergangsfrist mit 1. Juli, zu dem die meisten Wirte laut Thomas Wolf von der Wirtschaftskammer rechtzeitig umgestellt haben. Kleine Überraschung: Nach dem langjährigen Kampf gegen einen absoluten Bann haben sich im letzten Moment doch noch einige für ein Nichtraucherlokal entschieden.

“Es ist doch ein beträchtlicher Anteil”, erklärte der Geschäftsführer der Gastronomiesparte. Ein guter Teil derjenigen mit Umbau-Ansuchen hätte sich nun doch gegen die Errichtung von Raucherzimmern und für vollständig qualmfreie Betriebe entschieden. Zu teuer, aufwendig oder nicht rentabel lauteten die Gründe.

Extraräume für Raucher

Im Gesamtüberblick wird aber ein Großteil der Gaststätten das Rauchen weiter erlauben: Rund zwei Drittel der 70.000 heimischen Wirte sind größer als 80 Quadratmeter und verfügen seit jeher über mehrere Räume, erklärte Wolf. 73 Prozent davon – etwa 33.000 Gastronomen – richteten einen Extraraum für ihre rauchenden Gäste ein. Von den kleinen Lokalen unter 50 Quadratmetern (rund 11.500), die frei zwischen Raucher- und Nichtraucherlokal wählen konnten, entschieden sich ebenfalls drei Viertel für den Glimmstängel (rund 8.000).

Bleiben noch etwa 14.000 mittelgroße Betriebe (50 bis 80 Quadratmeter), die laut Wirtschaftskammer fast alle um Umbauarbeiten ansuchten. Etwa 6.500 davon richteten laut jüngsten Umfragen tatsächlich ein Raucherzimmer ein bzw. beabsichtigen dies noch zu tun. Gleichviele entschieden sich für ein Zigarettenverbot, schilderte Wolf. Knapp sieben Prozent erhielten aus bau-, denkmalschutz- oder feuerbehördlichen Gründen eine Ausnahmeerlaubnis fürs Rauchen.

48.000 zu 22.000

Gemäß der Wirtschaftskammer-Schätzung dürfen Gäste bei rund 48.000 Wirten weiter rauchen, während etwa 22.000 Tabakkonsum gänzlich verbieten wollen. Genau umgekehrt verhält es sich mit dem Anteil der regelmäßigen Raucher in der Gesellschaft, der bei rund einem Drittel liegt.

Wolf zeigte sich im Vorfeld des Umbaufrist-Ablaufs mit der Umsetzung des Rauchverbots zufrieden: Derzeit würden nur zwei Prozent das Verbot bewusst missachten. Eine Zahl, wie viele Wirte ihre Umbauten vor 1. Juli abschließen, könne man nicht nennen, betonte er. Dies sei aber ohne weiteres auch danach möglich – allerdings bei Rauchfreiheit bis zur Fertigstellung.

Aufregung hat sich gelegt

Auch in den Kaffeehäusern scheint sich die Aufregung gelegt zu haben. Berndt Querfeld, Landtmann-Chef und Spartenobmann der Kaffeehäuser in der Wiener Wirtschaftskammer, sprach von einer momentan sehr ruhigen Situation. Die Zahl der Anfragen und Beschwerden habe abgenommen. Viele Kollegen hätten eine Lösung gefunden, werden also die Räumlichkeiten trennen oder den Glimmstängel künftig verbannen: “Die Zahl der Nichtraucherlokale wird markant steigen.” Viele würden sich wahrscheinlich auch mit Tricks, beispielsweise “Aschenbechern, die keine sind”, zu helfen wissen.

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