Rapid Wien geht mit neuer Spielphilosophie ins Spiel gegen Salzburg

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Rapid trifft am Sonntag auf RB Salzburg.
Rapid trifft am Sonntag auf RB Salzburg. - © APA
Extremes Pressing oder schnelles Spiel in die Spitze sind ein Markenzeichen Salzburgs. Auch Rapid verordnete sich einst eine Grundidee für alle ihre Teams – und sind mittlerweile zumindest bei den Profis wieder davon abgekommen.

Unter Trainer Zoran Barisic und Sportdirektor Helmut Schulte sowie dessen Nachfolger Andreas Müller wurde ein Konzept festgelegt, das auf geordnete Spieleröffnung und viel Ballbesitz in einem 4-2-3-1 abzielte.

Der Aufbau sollte über spielstarke defensive zentrale Mittelfeldspieler ausgerichtet sein. Durch den Amtsantritt von Trainer Damir Canadi im November änderte sich das System aber grundlegend. Rapid spielt jetzt etwa mit drei Innenverteidigern.

Neue Spielphilosophie für Rapid Wien

Der Abschied der Kampfmannschaft von der früheren Spielweise ist für Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel jedoch kein großes Problem. “Es ist nicht mehr so, dass die ursprüngliche Philosophie zuoberst steht. Mir ist es wichtiger, wie mit den Spielern umgegangen wird, nicht, in welchem System sie groß geworden sind.”

Die Kicker und nicht das System sollten im Mittelpunkt stehen, forderte der Schweizer. Es könne kontraproduktiv sein, wenn ein Spieler schon zu Beginn seiner Karriere auf ein einziges taktisches Konzept festgelegt sei. “Österreich ist so wie die Schweiz eine Ausbildungsliga. Wir leben davon, dass wir Talente rausbringen und dadurch das Vereinsbudget aufrechterhalten können. Deshalb passt es weniger, wenn wir Spieler in ein bestimmtes System pressen”, erklärte der Schweizer. Unabhängig von der Spielphilosophie ist es laut Bickel nach wie vor das Ziel, ein bis drei Eigenbau-Kicker pro Jahr zu den Profis zu bringen.

Auf der Suche nach schnellen Stürmern

Im Moment fehlt der Kampfmannschaft allerdings etwas die Flexibilität. Der Kader wurde noch nach der alten Barisic-Schulte-Müller-Idee zusammengestellt, wodurch man etwa schnelle Stürmer, wie sie Canadi bevorzugt, vergeblich sucht.

Der aktuelle Rapid-Betreuer legt Wert darauf, mit wenigen Ballkontakten so rasch wie möglich in die Gefahrenzone des Gegners zu kommen – ein Paradigmenwechsel, der bisher noch nicht den gewünschten Erfolg brachte. Unter Canadi gab es in elf Pflichtspielen zwei Siege, vier Unentschieden und fünf Niederlagen.

Nach dem Rauswurf von Coach Mike Büskens und Sport-Geschäftsführer Andreas Müller wurde der 46-jährige Trainer Wochen vor dem neuen Sport-Geschäftsführer Bickel verpflichtet, und zwar von einem Gremium, dem unter anderen Präsident Michael Krammer und Wirschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek angehörten. Wie Krammer mitteilte, war man sich damals sehr wohl bewusst, dass mit Canadi eine Abkehr von der bisherigen Spielweise einhergehe – mit allen Konsequenzen.

“Barisic hat den Verein sehr geprägt”

“Zoran Barisic hat den Verein und die Spielphilosophie in der Tat sehr geprägt und über weite Strecken auch eine hervorragende Arbeit geliefert. Nichtsdestotrotz war zu erkennen, dass wir immer leichter ausrechenbar wurden, da wir eben immer gleich bzw. sehr ähnlich mit dem 4-2-3-1 aufgetreten sind. Damir Canadi hat in seiner Laufbahn und auch schon bei Rapid gezeigt, dass er immer für Überraschungen gut ist, und wir wollen nicht nur bei den Profis, sondern auch im Nachwuchs Variabilität”, sagte Krammer.

Außerdem meinte der Clubchef: “Klar ist, dass wir als Rapid offensiv und dominant auftreten wollen, wann immer das möglich ist, und selbstverständlich haben wir im Vorfeld mit Damir Canadi auch abgeklärt, dass er mit dem derzeit vorhandenen Kader seine Vorstellungen verwirklichen kann.”

Kaderreduktion angestrebt

Noch besser verwirklichen ließen sich die Vorstellungen des Trainers aber mit neuen Spielern. “Dass es im Laufe der nächsten Monate auch Veränderungen im Kader geben wird, ist nicht unwahrscheinlich, allerdings auch nicht ungewöhnlich”, erklärte Krammer.

Obwohl Zugänge eingeplant sind, strebt man bei Rapid auch eine deutliche Kaderreduktion an. Das dürfte kein einfaches Unterfangen werden, schließlich laufen im Sommer gerade einmal vier Verträge aus. Nach derzeitigem Stand sind für die kommende Saison nur die zuletzt zu Stammspielern aufgestiegenen Tobias Knoflach sowie der zu den Amateuren abgeschobene Tomi und Kapitän Steffen Hofmann ohne Vertrag.

(APA)

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