Rapid-Präsident Krammer sieht “rote Linie überschritten”

Akt.:
Am Tag nach den Randalen im 325. Wiener Fußball-Derby hat bei Rapid die Aufarbeitung der Geschehnisse im Allianz Stadion begonnen.

Wie Präsident Michael Krammer am Montag berichtete, wurden bei einer ersten Sichtung der Videoaufzeichnungen vorerst elf Übeltäter ausgemacht, die Gegenstände auf das Spielfeld geworfen hatten. Weil “die rote Linie” überschritten wurde, will man ein Exempel statuieren.

Die Identität der elf Personen soll in den nächsten Tagen festgestellt werden. Bei den beiden “Flitzern” ist dies bereits gelungen – auf sie warten ebenso wie auf die Werfer zwei Jahre Stadionverbot sowie Regressforderungen von Rapid aufgrund der zu erwartenden saftigen Strafe seitens der Bundesliga. In punkto Regressforderungen, die erstmalig in der Vereinsgeschichte zur Anwendung kommen, will sich Krammer ein Beispiel am 1. FC Köln, Hansa Rostock oder Fortuna Düsseldorf nehmen. “Dort hat das funktioniert”, sagte der Niederösterreicher.

Clubchef will Exempel statuieren

Der Clubchef zeigte sich von der Notwendigkeit überzeugt, Exempel zu statuieren. “Die rote Linie wurde überschritten. Wir werden alles dafür tun, um Stadionverbote und Regress durchzuführen.”

Parallel dazu werden weitere Bereiche auf den Prüfstand gestellt. “Wir fragen uns auch, ob wir in der Fan-Arbeit alles richtig gemacht haben. Vieles spricht dafür, dass die Dinge gut gelaufen sind”, erklärte Krammer und verwies auf steigende Zuschauer- und Mitglieder-Zahlen sowie die “einzigartige Stimmung” im Allianz Stadion.

Dennoch solle ein neues Fanprojekt aufgesetzt werden, “mit internationaler Beratung von Vereinen, die mit solchen Situationen umgehen können”, meinte Krammer und nannte in diesem Zusammenhang den FC Basel und Schalke 04. Damit solle ermöglicht werden, dass man “Emotionen und gute Stimmung ausleben, aber Dinge wie gestern möglichst hintanhalten” könne, erzählte der Rapid-Boss.

“Sanktionierung und Dialog alternativlos”

Selbst wenn diese Vorhaben greifen sollten, seien Vorkommnisse wie am Sonntag nie zu 100 Prozent auszuschließen. “Dieser Illusion gebe ich mich nicht hin”, sagte Krammer. Auf echten Konfrontationskurs mit der aktiven Fanszene wird die Clubführung weiterhin nicht gehen. “Die beiden Dinge – Sanktionierung und Fortsetzung des Dialogs – sind alternativlos”, betonte Krammer.

Gerade im Zusammenhang mit der zuletzt gewachsenen Zahl an organisierten Fans steht Rapid vor großen Herausforderungen. “Da gibt es neue Gruppierungen, die offensichtlich mit dem Einhalten der Regeln ihre Probleme haben”, gestand Krammer, ergänzte aber, er sehe die Verursacher der Sonntag-Randale weder bei der aktiven Fanszene noch bei Personen aus dem Ausland, die am Sonntag im “Block West” zu Gast waren.

Kritik auch an Sicherheitskräften

Außerdem bat Krammer, von Pauschalverurteilungen der Rapid-Anhänger abzusehen. “99 Prozent unserer Fans sind daran interessiert, dass Rapid erfolgreich Fußball spielt und wir eine einzigartige Stimmung im Stadion haben.”

Der Rapid-Präsident warb gegenüber den anwesenden Journalisten auch um Verständnis für unpassende Aussagen von Rapid-Seite unmittelbar nach dem Derby-Schlusspfiff. “Ich bitte Sie inständig, wenn Spieler und Trainer nach so einem Spiel vollgepumpt mit Adrenalin und Emotionen nicht unbedingt die hochwertigsten moralischen Antworten geben, darüber hinwegzusehen.”

Weniger Nachsicht ließ Krammer mit den Sicherheitskräften erkennen, die zuließen, dass zwei Männer im Finish auf den Platz stürmten und einen vielversprechenden Austria-Angriff verhinderten. Dass die beiden nicht von Securitys verfolgt wurden, sei ein Fehler der Sicherheitsfirma gewesen, so Krammer.

Geldstrafen von bis zu 150.000 Euro

Bereits am Montag bezog die Bundesliga zu den Vorgängen in Hütteldorf Stellung. “Die gestrigen Vorkommnisse im Allianz-Stadion sind leider nicht als Einzelfall abzutun”, hieß es seitens der Liga. “Wenn in dieser Form Einfluss auf das Spiel genommen wird und Spieler Angst um ihre Gesundheit haben müssen, ist es allerhöchste Zeit, dass man zur Besinnung kommt. Die Spieler sind Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, und keine Zielscheiben für gewaltbereite Unruhestifter, die eine Verletzung der Spieler bewusst in Kauf nehmen”, hieß es weiter.

Von einer Geldstrafe von bis zu 150.000 Euro bis zu einer Platzsperre oder Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit sei nun in Sachen Bestrafung alles möglich. “Einerseits wird der Senat 1 Konsequenzen ziehen. Unabhängig von deren Art und Höhe werden wir andererseits auch bei einem gemeinsamen Termin mit dem SK Rapid über die clubinternen Konsequenzen und Lösungsansätze des Clubs sprechen”, so die Liga.

Bei Rapid rechnet man mit harten Strafen. “Das wird teuer”, sagte Club-Präsident Michael Krammer dem “Kurier” und kündigte Regressforderungen gegenüber den Randalierern an, die durch die Videoauswertung identifiziert werden sollen. Im Gegensatz zu den Vorfällen im vergangenen Sommer werde es diesmal auch Stadionverbote geben. “Dafür garantiere ich”, erklärte Krammer.

(APA)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen