Rätselraten nach “komischer” Abfahrt – Svindal ist zurück

Svindal fuhr mit der Nummer eins zum Sieg
Svindal fuhr mit der Nummer eins zum Sieg - © APA (Expa/Spiess)
Vincent Kriechmayr als Sechster bester ÖSV-Fahrer, Matthias Mayer als 12. fast zwei Sekunden langsamer als bei seiner Fabel-Trainingsbestzeit im langsameren Trainingsanzug: Nach dem großen Comeback-Sieg von Aksel Lund Svindal in Beaver Creek herrschte bei Österreichs wiedererstarktem Speedteam kollektives Rätselraten. Einig war man sich nur darüber: Es war ein “komisches” Rennen.

Während sich Mayer und Hannes Reichelt (22.) am Sonntag bei ihren Comebacks im Riesentorlauf abreagierten, konnten Kriechmayr oder der trotz zweitbester Zeit im oberen Gleitstück als Abfahrts-16. ebenfalls distanzierte Max Franz schon auf dem Heimflug das Rennen analysieren. Ob man bei Ski, Rennanzügen oder etwas anderem daneben gelegen war, blieb vorerst aber offen.

Faktum war, dass sich trotz anhaltendem Sonnenschein die Piste gegenüber dem Abschlusstraining verändert hatte. “Es ist ein bisschen eisiger geworden und es hat mehr Schläge gegeben. Das war bei der Besichtigung noch nicht zu sehen gewesen”, mutmaßte der zweitplatzierte Weltmeister Beat Feuz. Aus seiner Sicht sei aber die Änderung vom ersten auf das zweite Training noch größer gewesen, betonte der Schweizer.

“Ein wirklich komisches Rennen. Die meisten von uns sind besser gefahren als im Training und die Zeiten waren schlechter”, rätselte auch Super-G-Sieger Kriechmayr. Das Feiern sei es nicht gewesen, beteuerte der Oberösterreicher lachend. “Ich war um halb zehn im Bett.”

“Vinz” flog dennoch mit einem “Supergefühl” nach Hause. “Es fehlt zwar noch was in der Abfahrt. Aber insgesamt bin ich stolz auf meine Leistung in Amerika. Jetzt heißt es dranbleiben und beständiger auf das Podium fahren”, hat sich Österreichs aktuellster Ski-Weltcupsieger vorgenommen.

Auch Max Franz jettete nach Platz zwei im Super-G von Lake Louise nicht unzufrieden zurück nach Europa. “In Beaver Creek ist es aber gar nicht rund gelaufen”, gab der Kärntner zu. “Ich tu’ mir hier einfach schwer. Es war ein komischer Mix aus Kunst- und Frühjahrsschnee.”

Doch Besserung naht. “In Gröden haben wir einen anderen Schnee, dann schaut das schon wieder ganz anders aus”, blickte der Saslong-Vorjahressieger dem ersten Speedrennen in Europa freudig entgegen. “Dort ist dann Titelverteidigung angesagt.”

“So ist eben Beaver Creek, das ist mir hier schon mehrmals passiert”, versuchte auch Landsmann Mayer das Thema abzuhaken. Ihm hatte die Startnummer eins in den Super-G von Lake Louise und Beaver Creek kein Glück gebracht, für die Abfahrt hätte er sie gerne gehabt. “Aber da hat sie mir Aksel weg geschnappt.”

Der Norweger hatte in der Tat gepokert und wurde mit dem großen Comebacksieg belohnt. Svindal ist ein Ski-Phänomen, hat er in den vergangen drei Saisonen doch nur ganz wenige Rennen bestritten.

Im Winter 2014/15 trat er nach Achillessehnenriss nur zu zwei WM-Bewerben an. Im nächsten Winter hatte er trotzdem schon sieben Saisonsiege eingefahren, als er sich in Kitzbühel schwer am Knie verletzte. Auch die vergangene Saison beendete Svindal schon im Jänner, um sich erneut am Knie operieren zu lassen.

Trotzdem ist er nun der erste seit Hermann Maier, der die Beaver-Abfahrt zwei Mal in Folge gewonnen hat. Und das, obwohl er hier vor zehn Jahren schwerst gestürzt war und mit starkem Blutverlust ins Spital gebracht werden musste. Aber schon damals hatte Svindal sein Ski-Genie aufblitzen lassen und ein Jahr später bei der Rückkehr beide Speedrennen gewonnen.

Das neuerliche Comeback nach fast zwei Jahren Sieg-Pause imponierte nun umso mehr, ist Svindal doch schon 34. “Das hier ist schon ganz speziell für mich”, sagte Svindal nach seinem bereits 33. Weltcupsieg, dem 6. in Beaver Creek.

Auch Norwegens Herrenchef Christian Mitter zollte Respekt. “Wenn man 33 Rennen gewinnt und fünffacher Weltmeister ist, muss man einen ungemeinen Willen haben”, meinte der Österreicher.

Svindal sei ein Phänomen. “Rennen fahren und gewinnen ist ihm zu wenig. Er möchte immer noch besser werden. Deshalb hat er ja die Vorjahressaison abgebrochen und hat noch einen Eingriff gemacht.”

In der Tat will “Oberelch” Svindal noch einige Jahre fahren und die Jüngeren ärgern. “Ihm macht es viel zu viel Spaß, um aufzuhören”, weiß Mitter.

Nur ein Gesamtsieg werde sich wohl nicht mehr ausgehen, fürchtet der Steirer. “So richtig gut wird das mit seinem Knie nicht mehr. Und mit nur Abfahrt und Super-G wird das ganz schwierig. Die Chance lebt immer, aber es ist keine realistische.”

(APA)

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