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Radiance - Trailer und Kritik zum Film

Ein Film über das Nicht-Sehen-Können erscheint als Paradoxon, zumal, wenn er in berückend schönen Bildern daherkommt. Der japanischen Regisseurin Naomi Kawase gelingt mit ihrer Lichtsymphonie "Radiance" jedoch ein ungewöhnliches und ungewöhnlich ästhetisches Essay über die Wahrnehmung von Kino und das Verhältnis von Sprache und Bildern.

Die Hauptfigur von “Radiance” ist die junge Misako (Ayame Misaki), die es sich als Sehende zur Aufgabe gemacht hat, die Hörbeschreibungen von Filmen für sehbehinderte Menschen zu verfassen. Sie ist so leidenschaftlich erfüllt von dieser Aufgabe, dass sie selbst ihre Umgebung im Stile der Audiodeskription wahrnimmt.

Radiance – Die Handlung

Alltäglich überprüft sie mit einer kleinen Gruppe blinder Menschen ihre neuesten Texte zu einem Film. Die teils harschen Rückmeldungen der Testgruppe zwingen Misako zu einem neuen Verständnis von Sprache im Verhältnis zum Bild. Was lässt sich überhaupt ausdrücken durch Worte? Was ist eine übergriffige Vorwegnahme von Empfindungen durch Sprache?

Vor allem der ernste Nakamori (Masatoshi Nagase) schont Misako nicht mit Kritik. Er leidet als einstiger Fotograf unter dem beinahe vollständigen Verlust seines Augenlichts und kann sich nicht von seiner alten Rolleiflex trennen. Langsam nähern sich Misako und Nakamori jedoch an und entdecken eine gemeinsam Welt abseits der scheinbar banalen Bilder der Wirklichkeit. Wenn am Ende Nakamori Misakos Gesicht “betrachtet”, also mit den Fingern ertastet, ist dies ein ungemein romantischer, eindringlicher Moment.

Radiance – Die Kritik

Die 48-jährige Kawase idealisiert dabei nichts, der Verlust des Sehens wird als solcher tragisch gezeigt. Und doch eröffnet sie neue Räume der Wahrnehmung – nicht nur ihren Figuren, sondern auch dem Zuschauer. Viele der Filmbilder schälen sich aus der Unschärfe, es dominieren extreme Detailaufnahmen von Augen und Gesichtspartien. Zugleich durchflutet das Licht in seinen verschiedensten Formen den Film.

Auf der Tonspur formen Wind, Wasser oder vermeintliche Alltagsklänge eine eigene Symphonie, die dem sehenden Zuschauer eine unbekannte Rezeption von Kino eröffnet. Abseits dieses sinnlichen Aspekts ist “Radiance” jedoch auch ein Essay über die Schwierigkeiten, mit Worten unsere Wirklichkeit auszudrücken, das Fragen stellt: Wie viel oder wenig darf und muss ein Film zeigen? Und wie viele Leerstellen müssen dem Betrachter gelassen werden?

>> Alle Filmstartzeiten zu “Radiance”

(APA)

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