Quasthoff und James stahlen beim Jazz Fest allen die Show

Bass-Bariton Thomas Quasthoff am Montag, 6. Juli 2015, während dem Konzert "Sinatra Tribute" anl. des Jezzfestes Wien in der Wiener Staatsoper.
Bass-Bariton Thomas Quasthoff am Montag, 6. Juli 2015, während dem Konzert "Sinatra Tribute" anl. des Jezzfestes Wien in der Wiener Staatsoper. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Das Jazz Fest Wien nahm sich am Montagabend mit Frank Sinatra und Billie Holiday zwei der größten US-amerikanischen Sänger vor und ehrte sie mit einem Tribute-Abend.

Und es war auch hier ein Duo, das in der Staatsoper alles überstrahlte: Thomas Quasthoff und Jose James. Beiden, sowohl Frank “Old Blue Eyes” Sinatra wie auch Billie Holiday, genannt Lady Day, wird heuer angesichts ihres 100. Geburtstages, den sie im Dezember respektive April gefeiert hätten, mit zig Veröffentlichungen, konzertanten Verneigungen und anderen Ehrerweisungen gedacht. Kein Wunder, waren sie doch solitäre Erscheinungen in ihren Bereichen und haben weit über Jazz, Soul und Swing hinaus Spuren hinterlassen sowie nachfolgende Generationen geprägt.

Blindes Vertrauen beim Zusammenspiel

In den posthumen Gratulationsreigen fügte sich auch der R’n’B- und Soulsänger Jose James, der auf dem renommierten Label Blue Note vor wenigen Wochen das Holiday-Album “Yesterday I Had The Blues” veröffentlichte. Aus den darauf enthaltenen Nummern speiste sich auch sein gestriger Auftritt, bei dem er von Ryan Lee am Schlagzeug, Solomon Dorsey am Bass und einem kongenialen Takeshi Ohbayashi am Piano begleitet wurde. So gelang “Good Morning Heartache” zur samtweichen und bittersüßen Herzschmerz-Ballade oder wurde “Fine and Mellow” zur Blues-Großtat.

Sich im Zusammenspiel blind verstehend, benötigte das Quartett keine Anlaufzeit, gab James seinen Mitmusikern immer wieder Raum, um sich recht frei in der Welt der Billie Holiday zu verlieren, während er selbst oft mit einfachen Phrasierungen oder einem lässigen Fingerschnippen Akzente setzte. “Body and Soul” wurde kurzerhand in Richtung R’n’B gedeutet und “Lover Man” steht auch 70 Jahre nach seiner Entstehung jedem modernen Soulsänger gut zu Gesicht. Gänsehaut war zum Abschluss angesagt: Alleine auf der Bühne stehend und seine Stimme mit einer Loopstation vervielfältigend, gab James das eindringliche Protestlied “Strange Fruit” – gleichermaßen kraftvoll und fragil.

Evergreens am Jazz Fest

So wirkte es fast wie ein Bruch, als nach einer Umbaupause das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter Herbert Pichler den Ball aufnahm und gleich voller Elan loslegte. Aber schon die ersten Takte eines einführenden Sinatra-Medleys machten klar: Nun war auch im Publikum Fingerschnippen und Mitschunkeln angesagt. Außerdem durfte man nicht nur Klassiker wie “Until The Real Thing Comes Along” oder “Witchcraft” erwarten, sondern wurde neben Auftritten von Louise Austen, Allan Harris und Angelika Kirchschlager auch Zeuge eines kurzzeitigen Bühnencomebacks: Thomas Quasthoff wurde vom ersten Moment, als er ins Scheinwerferlicht trat, frenetisch gefeiert.

Der Bassbariton, der bereits vor einigen Jahren beim Jazz Fest hätte singen sollen und schließlich 2012 seinen Bühnenabschied verkündet hat, bewies eindrucksvoll, warum ihn seine Fans seitdem so vermissen. Mit “Fly Me To The Moon” gab es sofort einen der Evergreens schlechthin zu vernehmen, konnte Quasthoff mit Charme und Witz die Leichtfüßigkeit eines Frank Sinatra locker auferstehen lassen und hatte er – im Unterschied zu seinen Kollegen – keine Probleme, gegen den durch die Bank energischen und kraftvollen Orchestersound zu bestehen. Es sollten unter anderem das nachdenkliche “It Was A Very Good Year”, süffige Melancholie in “One For My Baby” oder das federleichte “I’ve Got You Under My Skin” folgen.

Das Jazz Fest in Wien

Nun machten auch Crooner Austen, der versatile Harris und die sichtlich bemühte Kirchschlager keinen schlechte Figur, mussten sich aber über einige an eine Revue erinnernde Intermezzi retten und standen letztlich nur im Schatten. Ungeachtet dessen war ein gemeinsam dargebotenes “Mackie Messer” ein Höhepunkt, bevor nach gut eineinhalb Stunden die obligaten Gassenhauser “New York, New York” und “My Way” den krönenden Abschluss bildeten. Ein in allen Belangen kurzweiliger wie amüsanter Abend, an dem allerdings zwei Stimmen ganz eindeutig im Vordergrund standen: Quasthoff und James wurden den Größen Sinatra und Holiday jedenfalls mehr als gerecht.

>> Das Programm am Jazz Fest

(APA)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen