Putschversuch in der Türkei: Wiener Schule ist Teil der Gülen-Bewegung

Eine Wiener Schule ist zur Gülen-Bewegung zu zählen
Eine Wiener Schule ist zur Gülen-Bewegung zu zählen - © dpa (Sujet)
Mehrere Organisationen in Österreich sind zur Gülen-Bewegung zu zählen, die in der Türkei von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigt wird, hinter dem Putschversuch vom vergangenen Wochenende zu stehen – darunter eine Schule in Wien-Favoriten.

Die Gülen-Bewegung ist auch in Österreich mit einigen Aktivitäten vertreten. Dazu gehören insbesondere der Österreich-Ableger der Zeitung Zaman, das “Friede Institut für Dialog” und die Schule Phönix in Wien.

Die Gülen-Bewegung in Österreich

Zentral organisiert sind sie nach eigenen Angaben nicht. Auch eine “Mitgliedschaft” gibt es nicht, die Unterstützung in Österreich scheint nicht sehr groß. Ein Insider schätzt die Aktiven nur auf einige Hundert Personen. Die Vereine, die sich Gülens Gedankengut nahe fühlen, sind zwar locker über die handelnden Personen vernetzt, haben aber keinen institutionalisierten Austausch.

In Deutschland ist das anders. Dort gibt es die Stiftung Dialog und Bildung in Berlin, die sich als Ansprechpartner der deutschen “Hizmet-Bewegung”, wie sich die Gülen-Anhänger selber nennen, versteht. Sie vertreten damit nach eigenen Angaben in Deutschland etwa 150.000 Menschen und betreiben etwa 160 Nachhilfevereine, 30 Schulen und ein Dutzend Dialogvereine. Für die Arbeit stützen sie sich vor allem auf ehrenamtlich Mitarbeiter. “Viele von ihnen sind inspiriert durch die Bücher des 74-jährigen türkischen Geistlichen Fethullah Gülen”, so die Eigenbeschreibung.

Wochenzeitung Zaman Österreich gehört dazu

In Österreich ist die Wochenzeitung Zaman Österreich juristisch eigenständig und besteht daher auch nach der staatlichen Übernahme der Mutterzeitung Zaman in der Türkei weiter. Sie kämpft aber sehr mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, da sie einerseits nicht mehr die Mantelseiten aus der Türkei erhält, andererseits Werbekunden ausbleiben. Die Zeitungsmacher sehen massiven Druck aus der türkischen Regierungspartei AKP dahinter.

Schule Phönix in Wien-Favoriten von Gülens Gedankengut inspiriert

Im zehnten Bezirk in Wien betreibt ein von Gülens Gedankengut inspirierter Verein Volksschule, Neue Mittelschule und Realgymnasium “Phönix”, wo unter privater Trägerschaft nach österreichischem Lehrplan unterrichtet wird. Die Schüler haben Großteils türkischen Hintergrund, türkisch gibt es als Wahlfach. Finanziert wird die Schule über Sponsoren, sie erhält aber auch eine Unterstützung der Republik Österreich. Die Eltern müssen laut Homepage monatlich 400 Euro Schulgeld zahlen.

Friede Institut für Dialog in Wien

Das Friede Institut für Dialog wurde 2002 in Wien gegründet und gehört zu den zahlreichen “Dialog-Instituten”, die die Gülen-Bewegung weltweit initiiert hat. Es sucht die Zusammenarbeit außerhalb der türkischen Community und arbeitete unter anderen mit der katholischen Militärseelsorge zusammen, etwa in der Veranstaltungsreiche “1914 – Frieden – 2014”.

Im Naheverhältnis zu Gülen stehen in Österreich außerdem unter anderem das AKM Kulturzentrum für interkulturelle Aktivitäten (Anadolu Kültür Merkezi) in Wien, das ein Sommerprogramm für Kinder hat, darunter insbesondere Korankurse, weiters Nachhilfeeinrichtungen, und einige Wirtschaftstreibende fanden sich in der Wiener Unternehmervereinigung (WUF) zusammen. Auch ist die 1994 von Gülen gegründete “Journalists and Writers Foundation” (Stiftung für Journalisten und Autoren) in Wien vertreten, weil sie einen Status bei den Vereinten Nationen hat.

Gülen-Bewegung nennt sich “Dienst”-Bewegung

Die Organisation selber nennt sich “Hizmet-Bewegung”, also “Dienst”-Bewegung. Vertreter auf allen Ebenen, von Gründer Fethullah Gülen abwärts, haben nicht nur jede Beteiligung an dem Putschversuch in Abrede gestellt, sondern grundsätzlich militärische Interventionen zum Erhalt der Demokratie abgelehnt.

>>So lief der Putschversuch gegen Erdogan ab

(apa/red)

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