Psychologin: Arigona wird sich nicht stellen

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Psychologin: Arigona wird sich nicht stellen
Andrea Hochfilzer-Winter meint, die Untergetauchte habe zu viel Angst, um aus ihrem Versteck zurück zu kehren. Dies liege auch an den Erfahrungen, die sie in den letzten 5 Jahren mit den Behörden gemacht hat.

Seit ihrer Videobotschaft von vergangenen Freitag hat sich die aufgrund ihrer drohenden Abschiebung in Oberösterreich untergetauchte Arigona Zogaj nicht mehr zu Wort gemeldet. Dass sie auf Gesprächsangebote, die ihr über diverse Medien ausgerichtet werden eingehen könnte, glaubt Andrea Hochfilzer-Winter, Traumapsychologin im Berufsverband der Psychologen (BÖP), nicht: „Sie hat ihr Medium bereits gewählt, um sich zu Wort zu melden.”

Die Wiener Psychologin schätzt im APA-Gespräch die Angst der 15-Jährigen als zu groß ein, „auch aufgrund der Erfahrungen, die sie in den letzten fünf Jahren mit den Behörden gemacht hat”. Das Mädchen sei aus Außensicht von Hochfilzer-Winter aber nicht akut psychisch gefährdet, „ihr hilft sicherlich keine Psychiatrie, sondern ein gesicherter Aufenthalt”.

Wenn die 15-Jährige bleiben könne, werde sich die Situation sicherlich wieder beruhigen, ist sie überzeugt. Arigonas Selbstmordabsichten schätzt sie ebenfalls als wenig gefährlich ein:

„Ich denke, je länger das dauert, desto unwahrscheinlicher wird es”. Ihrer Meinung nach werde das Mädchen wahrscheinlich „weiter abwarten”. Bevor ihr Aufenthalt in Österreich aber nicht gesichert sei, kann sich Hochfilzer-Winter nicht vorstellen, dass die 15-Jährige aus ihrem Versteck kommt.

Ihrer Einschätzung nach sei das Mädchen „zutiefst verzweifelt”. In dem vergangene Woche aufgetauchten Video wirke sie „echt und authentisch” und versuche „aktiv mit allen Mitteln zu erreichen, in ihrer Heimat zu bleiben”. Deswegen könne ihre Selbstmorddrohung auch nicht als Erpressung gesehen werden, „sie sieht einfach keinen anderen Weg”, ist die Psychologin überzeugt.

Für Hochfilzer-Winter ist die 15-Jährige ein „aufgewecktes Mädel”, dass nicht „resigniert, sondern aktiv macht, was sie kann”. Sie habe durch ihre Videobotschaft eine „praktische Art und Weise gewählt, nicht in Gefahr zu kommen”. Hier zeigt sich laut der Psychologin auch der große Unterschied zu Erwachsenen, der Umgang mit dem Medium sei bereits Teil der Jugendkultur. Die plötzliche mediale Bekanntheit sei für das 15-jährige Mädchen – die in ihrer Botschaft auch einen Zeitungsartikel über ihre Abschiebung in die Kamera hält – „einerseits ein Grund zur Freude, dass sie gehört wird, andererseits sicherlich auch befremdend”.

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