Psyche und Weihnachten: Nur nicht "verklären"

Psyche und Weihnachten: Nur nicht "verklären"
Weihnachten ist nach Ansicht des deutschen Psychiaters Götz Mundle “die richtige Zeit für eine innere Bestandsaufnahme”.

Viele Menschen könnten seelische Probleme im Berufsalltag verdrängen und das Gefühlsleben komplett ausblenden, erklärt der Chefarzt der Oberbergklinik Schwarzwald in Hornberg.

Zu Weihnachten sei das nicht möglich: Konflikte, die nicht verarbeitet worden seien, kämen nun ans Tageslicht. Die Festtage gelten auch deshalb als Zeit der seelischen Krisen, aber: “Weihnachten ist nicht die Ursache für psychische Probleme, sondern es erfordert lediglich eine bewusste Auseinandersetzung damit”, sagt der Professor.

Wer das Fest allerdings nur an Äußerlichkeiten festmache, nehme die Gefahr hin, dass aus psychischen Belastungen schwere Krisen würden. Dabei böten gerade die Feiertage eine große Chance: “Weihnachten ist die Zeit, in der Gefühle zur Sprache kommen. Das Fest bietet die einmalige Gelegenheit, sich mit der eigenen seelischen Situation auseinanderzusetzen”, sagte der Experte.

Generell empfiehlt der Experte, Weihnachten nicht zu verklären: Viele träumten von Bilderbuchweihnachten, wollten das Fest wie früher erleben. Das setze aber unnötig unter Druck. Mundle rät stattdessen, offen für neue Formen des Feierns zu sein, andere Rahmen und andere Umgebungen zu akzeptieren und zu genießen. Wer das Fest nicht mit Angehörigen verbringe, müsse deshalb keineswegs in der Einsamkeitsfalle landen: Jeder habe in seinem Umfeld genügend Angebote – das könne der klassische Kirchgang sein, aber auch Gemeinden, Vereine oder sozialen Institutionen böten Anschluss. “Wichtig ist es, den Schritt nach außen tun”, sagt der Psychiater.

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