Prozess um Serien-Missbrauch in Wien: Opfer belasteten Angeklagten schwer

Der Angeklagte beim Prozess in Wien
Der Angeklagte beim Prozess in Wien - © APA
Am Straflandesgericht in Wien ist am Mittwoch der Prozess gegen einen jungen Mann fortgesetzt worden, der in mehreren Bezirken serienweise Frauen zu vergewaltigen versucht haben soll. Dabei belasteten die Opfer den 23-jährigen Angeklagten schwer.

Die Frauen, die öffentlich aussagen wollten, erkannten in dem Beschuldigten ihren Peiniger.Wien. Einer 40-Jährigen kamen die Tränen, als der Angeklagte an ihr vorbei in den Gerichtssaal geführt wurde. “Er ist gerade an mir vorbeigegangen, er ist es zu 100 Prozent”, sagte die Frau zur Vorsitzenden des Schöffengerichts, Martina Krainz. “Jetzt hab’ ich ihn gesehen und bin ur fertig.”

40-Jähriger unter den Rock gegriffen

Sie war am 26. November 2015 am Weg von einer Veranstaltung nach Hause. Als sie mit dem Bus in der Nähe ihres Wohnhauses in der Donaustadt ankam, bemerkte sie einen laut telefonierenden Mann hinter ihr. Sie wollte ihn vorbeilassen, als der Mann plötzlich mit der Hand brutal unter den Rock griff. Die 40-Jährige stürzte auf den Boden. “Ich war so perplex, das ist so schnell gegangen.” Der Mann gab ihr eine Ohrfeige, aber nachdem die Frau lauthals zu schreien begann, flüchtete der Angreifer.

“Ich bin schnell in meine Wohnung, hab’ aber kein Licht aufgedreht, weil ich Angst hatte, dass er schaut, wo ich wohne.” Die 40-Jährige saß lange Zeit im finsteren Vorzimmer und weinte.

“Ich würde nie den Versuch einer Vergewaltigung unternehmen”

Eine 36-Jährige wiederum schlug den Angreifer in die Flucht, indem sie ihm das volle Einkaufssackerl entgegenschleuderte. Der Mann, der ihr zuvor unter den Rock fasste (“Er hat richtig zugegriffen”), verlor das Gleichgewicht und “purzelte die Treppen” in ihrem Stiegenhaus hinunter. “Da ist er wieder zur Tür raus”, sagte die 36-Jährige.

Von Richterin Krainz zu den Vorwürfen angesprochen, meinte der Angeklagte: “Es tut mir leid, was mit ihnen (den Frauen, Anm.) passiert ist, aber ich würde nie den Versuch einer Vergewaltigung unternehmen”, sagte der 23-Jährige. “Ich hab eine kleine Schwester, ich würde nicht wollen, dass ihr so was passiert.”

23-Jähriger in der Nähe der Tatorte geortet

Schwer belastet wurde der Angeklagte auch von der Rufdatenauswertung durch die Polizei. Der 23-Jährige war im Zeitraum der Auswertung vom 26. November 2015 bis 8. Februar 2016 acht Mal zum Zeitpunkt der Übergriffe in der Nähe der Tatorte. “Ein bisschen viel Zufälle sind das”, meinte Richterin Krainz. “Es kann sein, dass ich dort unterwegs war. Ich war auf dem Heimweg. Ich kenn’ mich in Wien nicht so gut aus”, erklärte der 23-Jährige.

Obwohl die Richterin ihn darauf aufmerksam machte, dass sein Handy zum Teil weit weg von seiner Wohnung in der Leopoldstadt eingeloggt war, sagte der Beschuldigte: “Ich habe mit den Übergriffen nichts zu tun.” Seine ehemalige Verlobte sagte aus, dass sich der 23-Jährige recht gut in Wien auskenne und sogar eine App mit Plänen der öffentlichen Verkehrsmittel habe.

Mutmaßlicher Vergewaltiger: Beschwerden auch am Arbeitsplatz

Beschwerden über den jungen Mann, der in einer Pizzeria arbeitete, gab es auch von weiblichen Gästen. Eine Stammkundin bestellte eine Pizza, die der 23-Jährige liefern sollte. Als er bei der Wohnung ankam, begutachtete er die Räumlichkeiten genau und fragte die Frau, ob sie denn alleine sei. Der Kundin kam das komisch vor und sie beschwerte sich beim Chef des 23-Jährigen, der schlussendlich den Mann hinauswarf. Die Verhandlung wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt. Am vierten Verhandlungstag am Freitag soll ein Urteil ergehen.

>>Erster Prozesstag: “Ich achte die Frauen und respektiere sie”

(apa/red)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen